Kapitaldeckung und das Dogma der Beitragssatzstabilität

Forderungen nach mehr Kapitaldeckung im Rentensystem laufen in der Regel darauf hinaus, von einem leistungsbezogenen Rentensystem auf ein beitrags(satz)bezogenes umzusteigen. Dabei entpuppt sich die mit finanzieller Nachhaltigkeit begründete Maßnahme letztlich nur als ein Beitragssatzdogma. Ein Beitrag von Ingo Schäfer.

Im Juni hatte Vincent Sternberg in einem Makronom-Artikel dafür plädiert, die gesetzliche Rentenversicherung durch Verschuldung zukunftsfest zu machen. In einer Replik auf Sternberg argumentierte wiederum Erik Beyer, dass es besser wäre, das Rentensystem mittels einer Art „Rentenbonus“ für Eltern zu reformieren. Beide Beiträge haben aus meiner Sicht sowohl sachliche als auch argumentative Schwächen, die ich an dieser Stelle aufzeigen möchte. Dabei soll es primär darum gehen, deutlich zu machen, dass der von Sternberg geforderte Ausbau der Kapitaldeckung keineswegs eine Lösung für die tatsächlichen oder vermeintlichen Probleme der Alterssicherung in Deutschland darstellt.

Die Schwächen von Sternbergs Beitrag beginnen bereits damit, dass er unter Rückgriff auf das Konzept der „impliziten Staatsschuld“ argumentiert – was aber in der Wissenschaft hoch umstritten ist und keineswegs ein konsistentes Konzept ist. Zudem fußt seine Argumentation auf der Erwartung, dass Kapital gegenüber der Lohnsumme eine dauerhaft höhere Wachstumsrate aufweist. Ich möchte mich im Folgenden diesen Aspekten widmen und einige fachliche Dinge klarstellen, insbesondere zum von Sternberg problematisierten „Bundeszuschuss“, den er als Staatshaftung begreift und darstellt. Dabei wird der Haushalt des Bundes in der gegenwärtigen Finanzierungskonstruktion eher entlastet, da nicht beitragsgedeckte Aufgaben statt aus Steuern aus Beiträgen finanziert werden. Sternberg wiederholt damit alte Fehler und Fehleinschätzungen.

Bevor ich mich der Frage der Kapitaldeckung zuwende, noch ein Hinweis vorab: Es ist ein typischer Fehler in der aktuellen rentenpolitischen Weiterlesen Kapitaldeckung und das Dogma der Beitragssatzstabilität

Nach der Pandemie ist vor der Krise: Warum sich die Welt ändert – Kolumne – DER SPIEGEL

Dieser Rest des Sommers ist doch hervorragend geeignet, um nachzudenken, was einen wirklich glücklich macht, findet Sibylle Berg.

Dieser Rest des Sommers ist doch hervorragend geeignet, um nachzudenken, was einen wirklich glücklich macht, findet Sibylle Berg.

Foto: Kathrin Ziegler / Getty Images

Gleich ist er zu Ende, der Sommer. Die ersten Blätter werden schon braun und das Jahr, nun ja. Das bedeutete für viele Menschen Trauer. Weil jemand, den man liebt, krank war oder verstarb. Oder weil der Traum endete, unverletzlich zu sein.

Erstaunlich, dieses Gefühl der Unsicherheit, auf einmal. Dabei könnte es uns ständig begleiten, dieses Wissen um die Fragilität der Welt, der Gesundheit, der Gewohnheiten. Und weil das keiner aushält, verdrängt man es meist und tut, als wäre alles für immer. Als wäre alles ein Naturgesetz. Unser Leben, die Familie, der Job, der Garten, der Urlaub.

Dieses angebrochene Jahr zeigt uns die eigene Ohnmacht. Nichts wurde versprochen, nichts ist sicher. Ein Virus, ein Krieg, eine Naturkatastrophe, ein Unfall, ein Blitz – kann einem alles nehmen. Das ist doch kaum auszuhalten, dass nichts Unzerstörbarkeit besitzt.

Und wollten wir nicht reduzieren, alles?

Die einen verdrängen, die anderen sind voller Sorgen und viele wollten sich für ihre neu gewonnene Erkenntnis so gern belohnen. Verreisen müsste man. Aber – wohin? Und womit? Und wollten wir nicht reduzieren, alles? Weg von Konsum, der nicht glücklich macht, so hieß es. Aber macht es glücklich, mit den eigenen Leuten auf den Brocken zu tigern, oder zum Murtensee, oder ins Weinland, und alles, was man sieht, sind Leute wie man selbst, und was man hört dito. Dann doch lieber zu Hause bleiben, auf dem Balkon: Komm, wir machen es uns auf Balkonien nett.

Doch da geht es nicht weg, das Gefühl, nur ein Mensch unter Milliarden zu sein, der Natur ausgeliefert, als deren Teil sich zu betrachten die meisten verlernt haben, so schön versiegelt und eingezäunt hatten wir sie. Und nun soll das alles sein? Der Blick auf den Parkplatz, den Schatten der Bäume, die man immer sieht, und nun werden sie schon gelb?

Irgendjemand schrieb irgendwo in die Weiten des Netzes, dass ich immer moralisch überlegen tue. Ja nun, dachte ich. Was soll sein? Soll ich in den Untiefen meiner Gedanken kramen, um sie hier aufzuschreiben? Das machen doch schon genug andere Kolumnist*innen. Lame, wie wir Britinnen sagen.

Ich tue nicht überlegen, ich versuche herauszufinden, wie man mit diesem kurzen Leben zurechtkommt, ohne allzu viel Schaden anzurichten und ohne zu unglücklich zu sein. Sich gegen die Welt, wie sie einem scheint, aufzulehnen, ist ein Weg. Aber er ist unsicher, denn keinem ist es vergönnt, mehr als einen winzigen Bruchteil des Ganzen zu begreifen.

Maybe ja, vielleicht nein, eher nein

Der Bruchteil, den ich verstehe, ist: Weiterlesen Nach der Pandemie ist vor der Krise: Warum sich die Welt ändert – Kolumne – DER SPIEGEL