»Mindestens 80.000 Menschen haben sie das Leben gerettet«

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Mediziner der Ärztebrigade »Henry Reeve« während einer Abschiedsfeier in Kuba (Havanna, 10.2.2010)

Sie setzen sich dafür ein, die kubanische Henry-Reeve-Medizinbrigade für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Weshalb hat sie ihn verdient?

52 Ärzte und Krankenpflegerinnen flogen kürzlich in die vom Coronavirus bedrohte Lombardei in Norditalien, um dort im Auftrag des kubanischen Gesundheitsministeriums zu helfen. In Turin im norditalienischen Piemont landeten weitere 38 Mediziner der Brigade. Italienische Regierungsvertreter und die Bevölkerung begrüßten sie dort am Flughafen begeistert, weil sie ein tatsächliches Zeichen der Solidarität setzten. Eine weitere Brigade mit elf Intensivmedizinern, Epidemiologen und Krankenschwestern landete in Togo, um die Ausweitung der Pandemie in Afrika verstärkt zu bekämpfen.

Die Sonderbrigade »Henry Reeve« mit Ärztinnen, Ärzten und Pflegepersonal wurde 2005 vom kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro für internationale Hilfseinsätze gegründet. In vielen Ländern der Welt hat sie in Fällen von Katastrophen und schweren Epidemien einmalige Leistungen erbracht. Mindestens 80.000 Menschen haben Kubaner mit ihren medizinischen Einsätzen, die schon seit den 1960er Jahren laufen, das Leben gerettet.

Wer war Henry Reeve?

Er kämpfte im US-amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Nordstaaten gegen die Sklaverei. 1869 setzte er seinen Kampf im kubanischen Freiheitskrieg fort. Er fiel dort durch verwegene, mutige Einsätze auf, wurde als Nationalheld gefeiert, und erhielt die höchsten Auszeichnungen, die je ein ausländischer Kämpfer in Kuba bekommen hat.

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Was brachte Sie auf die Idee der Nominierung für den Nobelpreis?

Ich arbeite derzeit an einem neuen Buch über die Brigade. Es gibt erstaunliche Zahlen über deren Wirken. Seit 1963 waren insgesamt 400.000 Kubaner in 164 Ländern im Einsatz, allein 2019 waren es 28.000 kubanische Gesundheitshelfer in 61 Ländern. Die Brigade half 2005 im pakistanischen Kaschmir, das von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde. Der Ebola-Einsatz der Henry-Reeve-Spezialisten in Westafrika ist bekannt. 2014 hatten sich mehr als 22.000 Menschen mit dem tödlichen Virus infiziert.

Die US-Regierung aber investiert neuerlich Millionen Dollar in eine Desinformationskampagne, um das Ansehen dieser Ärztegruppe weltweit zu schmälern. Behauptet, Kuba mache dies nur, um Devisen zu gewinnen und die Ärzte auszunutzen. Sie legt sich mächtig ins Zeug, um die Ärzte und Krankenpflegerinnen zu diffamieren, weil sie ihr ein Dorn im Auge sind. Dahinter steckt, dass das internationale Ansehen Kubas weitaus besser ist als das der USA.

Für wie realistisch halten Sie eine Preisverleihung an die Sonderbrigade?

Wir wollen bewusst ein Zeichen setzen, um zu zeigen, wer wirklich etwas für den Frieden tut. Fidel Castro sagte »Wir bringen keine Waffen in die Welt, sondern medizinische Hilfe«. Selbst wenn die Brigade am Ende keinen Nobelpreis erhält: Unsere monatelange Kampagne steht dafür, die kubanische Leistung international zu würdigen. Kuba leistet großartige Arbeit, obgleich der Karibikstaat unter dem Joch der amerikanischen Sanktionen leidet.

Wer unterstützt Sie bei Ihrer Kampagne?

Ich knüpfe Kontakte zu internationalen Netzwerken, unter anderem in Frankreich, Österreich, der Schweiz und Italien. Ich kann mir vorstellen, dass gerade aus Italien aufgrund der aktuellen positiven Erfahrungen viel Unterstützung kommt.

Für den Vorschlag für den Friedensnobelpreis brauchen wir eine antragsberechtigte Vertrauensperson, einen Wissenschaftler oder einen Bundestagsabgeordneten. Februar 2021 ist Einsendeschluss der Vorschläge, die Preisverleihung erfolgt im Oktober des Jahres.

Geert Platner ist Schriftsteller. Während der Arbeit an seinem Buch »Die Brigade Henry Reeve« ergriff er die Initiative, die kubanische Brigade für den Friedensnobelpreis 2021 vorzuschlagen

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