Coronavirus und Wirtschaftskrise


Festzuhalten ist, gegen alle Beschwichtigungen einer „Corona-Wirtschaftskrise“, dass die Krise bereits Mitte des letzten Jahres in den Bilanzbüchern der Industrie angekommen war; angekündigt hatte sie sich schon viel länger. Erinnert sei an die noch bei schönstem Wetter im Herbst 2019 angekündigten Entlassungen in der deutschen Automobilindustrie, die sich in Summe auf ca. 100.000 Jobs beliefen; ferner auch daran, dass die deutsche Automobilproduktion 2019 auf den niedrigsten Stand seit 1997 gesunken war. Die Arbeitslosenzahlen und der DAX mussten früher oder später folgen.

Die Stilllegung der überflüssigen Produktionskapazitäten, für die kein Absatz zu finden war, stand Anfang 2020 auf der Tagesordnung. Ein langsamer, linearer Schrumpfungsprozess ist aus keiner der bisherigen Krisen bekannt, immer erfolgte die Vernichtung des keinen Profit mehr produzierenden Kapitals als großer Krach. Je labiler das System wird – je geringer die Profitmargen der Industrie, je geringer ihre aufgeschatzen Bargeldreserven –, ein desto kleinerer externer Störfaktor genügt, um die Kettenreaktion auszulösen. Etwa zeitgleich mit dem Anwachsen des Corona-Viruses zur globalen Pandemie fand z.B. ein großer Zwist in der OPEC+ statt, in der Russland die anvisierte Senkung der Förderquoten blockierte. Der weiter sinkende Ölpreis führte dazu, dass die milliardenschweren Anlagen der amerikanischen Frackingindustrie, die auf einen wesentlich höheren Ölpreis angewiesen war, wertlos wurden. Wäre es nicht der Corona-Virus gewesen, hätte sich ein anderer politischer oder ökonomischer Zwischenfall gefunden.

Der aktuelle Absturz der kapitalistischen Profitwirtschaft beendet die Epoche der Ruhe seit 2009. Alle wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen, die den kapitalistischen Staaten seitdem eine Ruhepause bescherten, haben sich in wenigen Tagen als wirkungslos erwiesen. Die erneuten weltweiten Leitzinssenkungen aller Zentralbanken, zusammen mit der Ankündigung unbegrenzter Kredite für die Industrie, konnten den Absturz der Börsenkurse nicht aufhalten. In den Börsenkursen spiegeln sich die Gewinnerwartungen der kapitalistischen Konzerne wider, und wo diese Null sind, helfen keine Null-Prozent-Kredite an die deutsche Industrie. Gleichzeitig endet mit dem Ausstieg Erdogans aus dem 2015 ausgehandelten Flüchtlingsdeal auch politisch die Ruhe der letzten Jahre.

Einen Ausweg aus der gegenwärtigen Krise wird es nur geben, wenn das Kapital es schafft, neue Anlagefelder für profitable Investitionen zu eröffnen, die eine erneute Nachfrage nach Maschinen und anderen Produktionsmitteln ankurbeln und die Profite wieder fließen lassen. Aktuell gibt es dafür keine Anzeichen. Zu erwarten ist in jedem Fall, dass die Krise zu einer Umverteilung des globalen Kapitals führen wird. Die letzte große Wirtschaftskrise von 1929 dauerte bis Ende der 1930er Jahre und ging einher mit der Ablösung des auf sein riesiges Empire gestützten Großbritanniens durch die USA als kapitalistisches Zentrum; mit Beginn des zweiten Weltkriegs war ein Großteil des in Großbritannien angehäuften Kapitals entwertet oder in die USA geflossen. Denkbar ist eine große Kapitalabwanderung aus Europa nach China und in die USA. Die lange Weigerung der europäischen Staaten, dem Corona-Virus mit effektiven Maßnahmen nach chinesischem Vorbild zu begegnen, begründete sich in der Angst um die wirtschaftlichen Folgen für die bereits unter Druck stehenden Volkswirtschaften. Dafür nahm man auch einen Anstieg der Infektionen in Kauf. Im Resultat wurde der Absturz nur noch stärker, während aus China gemeldet wird, dass die Fließbänder bereits wieder laufen.

 

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