Die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitswelt

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#003 |

Cornelia Jentzsch im Gespräch mit Dr. Markus Helfen

#003 | Die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitswelt – Cornelia Jentzsch im Gespräch mit Dr. Markus Helfen

Zur aktuellen und prognostischen Wirtschaftlichen Situation in unserem Land führte die URANIA ein umfangreiches Gespräch mit Dr. Markus Helfen von der FU Berlin. Sind Online-Giganten wie Google und Amazon die großen Gewinner der Krise? Wie sieht unser wirtschaftliches Leben nach der Krise aus? Ist die Arbeitswelt noch dieselbe? Was sind Vor- und Nachteile von Home-Office und führt der Zwang zur Nutzung von digitalen Strukturen am Ende sogar zu einer Modernisierung der Arbeitswelt? Ist Kurzarbeit das ideale Wirtschaftsmodell um auf die Krise zu reagieren oder gibt es auch alternative Lösungswege? Diese und andere Fragen im Interview!

 

Dr. Markus Helfen, Privatdozent an der Freien Universität Berlin mit Schwerpunkt auf globalen Arbeitsstandards, Personal- und Arbeitspolitik in interorganisationalen Netzwerken sowie Nachhaltigkeit und Arbeit.

Cornelia Jentzsch, Programmleitung der Urania Berlin für den Fachbereich Mensch und Natur

Die vermeintlich unpolitischen Krisen

Jetzt geht es darum, mithilfe von wissenschaftlicher Beratung Politik gegen Corona zu machen – dann ist der Klimawandel dran. Eines haben beide Krisen gemeinsam: Sie sind ungerecht, obwohl scheinbar alle im selben Boot sitzen.

Junge Frau mit ernstem Blick und geblümtem Mundschutz

Ob Covid-19 oder Klimawandel: Krisen sollte die Politik wie Krisen behandeln, meint Elena Balthesen. (Foto: Christo Anestev/Pixabay)

Die CO2-Emissionen sinken – aber bei Fridays for Future freut sich niemand. Dass Deutschland sein Klimaziel für 2020 jetzt vielleicht doch erreichenkann, kommt nicht durch das Klimapäckchen der Bundesregierung, sondern wird jetzt vor allem durch eine andere Krise begünstigt: die Corona-Pandemie.

Diese Tragödie ist selbstverständlich kein Anlass zur Freude. Außerdem: Der Lockdown, der gegen die rapide Ausbreitung des Virus hoffentlich helfen wird, liefert fürs Klima wohl keine nachhaltige Lösung.

Seitdem das Coronavirus alles beherrscht, taucht auch die Klimakrise nur noch im Zusammenhang mit diesem Thema auf. Die Gegenüberstellung ist tatsächlich interessant: Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftler:innen vereint vor der Klimakrise und mahnen politische Steuerung an, doch die Mächtigen dieser Welt interessieren sich kaum dafür.

Bei dieser Pandemie ist das anders. Expert:innen sprechen Empfehlungen aus und die Politik reagiert mehr oder weniger schnell. Persönliche und demokratische Rechte werden massiv eingeschränkt. Sogar in der heiligen Wirtschaft scheint plötzlich Veränderung möglich zu sein.

Es zeigt sich also, dass nun vieles umgesetzt wird, was vorher angeblich unmöglich war. Vielleicht, weil für alle ein Virus viel greifbarer erscheint oder weil es eben eine akute Bedrohung ist, während das Klima sich vergleichsweise langsam wandelt. Es gibt genug Erklärungen. Unvernünftig ist es trotzdem, den Klimawandel nicht als Krise zu behandeln.

Elena Balthesen

ist 18 Jahre alt und geht in die 12. Klasse einer Waldorf­schule in München. In ihrer Kolumne „Balthesens Aufbruch“ macht sie sich auf die Suche nach Wegen für ihre Generation, aus der Klimakrise heraus­zu­kommen. Sie ist bei „Fridays for Future“ in München aktiv.

Viele Politiker:innen freuen sich vermutlich gerade Weiterlesen Die vermeintlich unpolitischen Krisen

Die Vergessenen von Pazarkule

Flüchtlingsdrama ohne Öffentlichkeit


Für tausende Flüchtlinge endete dieser Tage der Traum von Europa. Am leeren Versprechen der Türkei. An der Abschottungspolitik der EU. Und an einer Öffentlichkeit, die in Sorge um eine mögliche Notlage hierzulande jene vergaß, die längst in größter Not waren.


Über diesen Text

Dies hier ist keine klassische Übermedien-Geschichte. Und doch handelt sie auch von Medien. Sie handelt davon, was passiert, wenn die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit plötzlich verschwindet, weil sie sich fast vollständig auf ein anderes Problem verlagert. Wir veröffentlichen diese Reportage auch, um einen winzigen Beitrag dazu zu leisten, dem Thema ein bisschen Aufmerksamkeit zurückzugeben.

Die Szene würde gut als Symbolbild für eine Geschichten über Hamsterkäufe taugen, über die dieser Tage so viel berichtet wird. Wären da nicht die Tränengaswolken ein paar Hundert Meter weiter. Diente der Einkauf im einzigen Supermarkt im Sperrgebiet nicht tatsächlich dem Überleben. Und wären die meisten Fotografen, die das Bild festhalten könnten, nicht schon vergangene Woche abgereist.

Jeden Tag schiebt sich der Treck aus Mohammad und den anderen Männern mit Plastikbeuteln den Weg entlang. Mindestens zwei, teils bis zu fünf prall gefüllte Tüten tragen sie über den Feldweg. Was er dabei habe, will ein Polizist mit Mundschutz von Mohammad wissen und stochert unmotiviert zwischen Babynahrung und Fladenbrot herum.

Offene Grenzen nach Europa hatte ein Sprecher der türkischen Abendnachrichten Mohammad und tausenden anderen vor zwei Wochen versprochen. Nun sind zwei Kilometer staubiger Feldweg die maximale Bewegungsfreiheit, die den Menschen an der türkisch-griechischen Grenze bei Pazarkule noch bleibt. Bald werden sie nicht einmal mehr die haben.

„Aber natürlich, natürlich“, antwortet Mohammad auf die Frage, ob er wirklich daran geglaubt habe, es nach Europa zu schaffen. „Wir waren uns sicher, dass sie es ernst meinen“, sagt er, vergewissert sich, dass er aus Sichtweite der Polizisten ist und stellt seine Einkaufstüten in den Straßengraben. Der 33-Jährige wirkt auf den ersten Blick wie jener Klischee-Migrant, den Rechte vor Augen haben, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen Stimmung machen: jung, sportlich, die Seiten kurz rasiert; die Pause am Straßenrand verbringt er am Smartphone. Dann zeigt er, was ihn da an den Bildschirm fesselt: Zwischen Plastikplanen und Filzdecken liegt ein schlafendes Baby, kaum ein halbes Jahr alt. Dahinter lächeln zwei Mädchen in die Selfiekamera.

Mohammads Reise nach Europa begann knutschend im Auto seines Vaters. Im Nachbardorf seiner afghanischen Heimatstadt Herat habe er ein Mädchen kennengelernt. „Ihr Vater war ein Taliban und wollte sie einem alten Mann geben. Also Weiterlesen Die Vergessenen von Pazarkule

Mehr Vielfalt: Öko-Landwirtschaft bietet Heimat für 60% mehr Schmetterlingsarten

SNSB Pressemitteilung
Zoologische Staatssammlung München

München, 02.04.2020

Begriffe wie „Artenschwund“ und „Insektensterben“ sind derzeit in der Gesellschaft angekommen. Breit angelegte wissenschaftliche Untersuchungen und Langzeitmessungen zur Auswirkung der Landnutzung auf Insektendiversität fehlen jedoch bisher. Mit freundlicher Unterstützung der Fa. HIPP und des Bayerischen Pakts für Forschung und Innovation („SNSB-innovativ“) haben Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) die Insektenvorkommen auf ökologisch sowie konventionell bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen untersucht und verglichen. Die Ergebnisse einer Pilotstudie wurden nun in der Fachzeitschrift Ecology and Evolution veröffentlicht.

Für die Vergleichsstudie installierten die Forscher Insektenfallen auf einem ökologisch und einem konventionell betriebenen Hof. Die Ergebnisse sind eindeutig: In Bezug auf Biomasse, Artenvielfalt, Vorkommen stark gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Arten bietet die ökologisch bewirtschaftete Fläche klare Vorteile für die Insektenfauna.
Insgesamt konnten in beiden Untersuchungsgebieten knapp 4.000 Arthropoden-Arten und 604 Schmetterlingsarten nachgewiesen werden. Allein bei den Schmetterlingen enthielten die Fallen des Öko-Bauernhofes circa 60% mehr Arten als die des Vergleichs-Hofes. Zudem fand sich auf den ökologisch bewirtschafteten Flächen mit 30 Arten die doppelte Menge an gefährdeten Schmetterlingsarten der Roten Liste wieder. Der Vergleich der insgesamt gesammelten Biomasse auf beiden Höfen ergab für den Ökohof die 2,6-fache Menge.

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