McKinsey regiert durch

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Handschuhe an, Scheine zählen. Krisen sind gute Geschäfte für Klinikkonzerne

Gesundheit ist in Deutschland zu einem Milliardengeschäft geworden. Und die Regierung schützt die Profite der Klinikkonzerne und Aktionäre. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte am Dienstag die von der Bundesregierung tags zuvor erlassenen »Hilfsmaßnahmen«: In den Kliniken müsse das System der Dokumentation und Abrechnung nach diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) ausgesetzt werden, forderte Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.

Krankenhäuser müssten endlich konsequent alle medizinisch nicht unmittelbar nötigen Operationen verschieben, um Kapazitäten für die zu erwartenden Covid-19-Patienten freizumachen und das Personal auf die neuen Aufgaben vorbereiten zu können. Wenn die Betreiber aus wirtschaftlichen Gründen weiter operieren ließen, sei dies »unverantwortlich«. Wie systemrelevant ein funktionierendes Gesundheitswesen sei, müsse inzwischen jedem klargeworden sein, so Bühler.

Doch in Berlin scheint der Groschen noch nicht gefallen. Das über Jahre kaputtgekürzte Gesundheitssystem steht in der Krise vor dem Kollaps. »Die Versorgung von rund 300.000 alten und kranken Menschen in Deutschland droht aufgrund der Coronakrise zusammenzubrechen«, warnte der Branchenverband für Betreuung in häuslicher Gemeinschaft am Dienstag. Bisher würden diese Menschen durch Betreuungskräfte aus Osteuropa versorgt. Doch aus Angst vor Covid-19 seien Betreuungskräfte nicht mehr bereit, nach Deutschland zu fahren.

Rosa-Luxemburg-Konfernez-Broschüre

Die Regierung hat ihr »Hilfsprogramm« bei den Unternehmensverbänden abgeschrieben. Private Klinikbetreiber werden freigekauft. Einer der großen Fische in der Branche, die Rhön-Klinikum AG, teilte am Dienstag mit, sie habe im vergangenen Jahr einen Nettogewinn in Höhe von 44,5 Millionen Euro erwirtschaften können. Vorstandschef Stephan Holzinger sagte, es sei noch nicht ausgemacht, »welche wirtschaftlich negativen wie auch positiven Folgen die Coronakrise für das Unternehmen haben könnte«.

Um als Gewinner aus der Krise hervorzugehen, brauchen die Konzerne einen engen Draht zur Regierung. Dafür sind »Berater« wie McKinsey da. Die Manager hatten schon im April 2016 in einer Studie die Vision vom »Krankenhaus der Zukunft« entworfen, in der es heißt: »Das kleine unabhängige Rundum-Service-Krankenhaus ist ein Auslaufmodell.« Vorbehalte gegen Auslagerungen sollten »mit der Überwindung von Kosten- und Qualitätsbedenken allmählich wegfallen«, lautete die realistische Prognose. Der Deutschland-Chef des Beratungsunternehmens, Cornelius Baur, begrüßte im Handelsblatt vom Dienstag das beschlossene Rettungspaket der Regierung als einen »richtigen Schritt«. In der Wirtschaftswoche hatte Chefredakteur Beat Balzli bereits am 14. Februar gefordert: »Der Berliner Betrieb braucht eine Art McKinsey-Truppe, die während eines Nothalts die wichtigen Dossiers abarbeitet.«

Das Kabinett Merkel IV kommt dieser Aufgabe nach und paart Neoliberalismus mit Großmachtambitionen. Der Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte kritisierte am Dienstag: »Wir können es nicht nachvollziehen, dass sich Deutschland als einziges Land Europas weigert, Hilfe aus China anzunehmen. Hier werden außen- und handelspolitische Erwägungen im internationalen Konkurrenzkampf höher bewertet als die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten im Gesundheitswesen.«

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