Vor dem Virus sind nicht alle gleich

Deutschland Sozialer Status und Gesundheit hängen bekanntermaßen zusammen. In Zeiten von Covid-19 zeigt sich dies besonders deutlich

Von Nelli Tügel

Das erste Corona-Opfer der Bundesrepublik war ein Streik: Die Beschäftigten der Charité-Tochterfirma CFM waren gezwungen, ihre Anfang März geplante Arbeitsniederlegung abzublasen – wegen erster bestätigter Fälle in Berlin. Seit Jahren kämpfen sie für Tariflöhne, ebenso wie die Pflegekräfte der Bundesrepublik seit langem für verbindliche Personalbemessungen, denn zu wenige von ihnen müssen sich um zu viele Patient*innen kümmern. Das durch das profitorientierte Fallpauschalen-System auf den Rücken von Beschäftigten und Patient*innen heruntergewirtschaftete Gesundheitswesen der Bundesrepublik sieht sich nun mit einer Epidemie konfrontiert – und es fehlt schon jetzt an allen Ecken und Enden. Die Folgen werden neben den dort Arbeitenden vor allem Menschen tragen, die nicht über finanzielle Ressourcen verfügen.

Denn Infektionskrankheiten diskriminieren zwar nicht, dennoch sind sie immer auch Krankheiten der Armen: Nicht alle Menschen sind vor einem Virus gleich. Wer etwa in beengten räumlichen Verhältnissen lebt, ist verletzlicher als Personen, die sich in ihre großzügigen Häuser zurückziehen können. Wer darauf angewiesen ist, mit dem öffentlichen Nahverkehr zum Ort der Lohnarbeit zu fahren, ist wesentlich anfälliger für eine Ansteckung als andere. Gerade auch unter den besonders vulnerablen alten Menschen sind viele, die arbeiten gehen müssen, um ihre Rente aufzustocken. Und wer in einem irregulären Beschäftigungsverhältnis steckt, kann sich nicht einmal krankmelden und eine Lohnfortzahlung beziehen. Wer keine Krankenversicherung hat oder unter das Asylbewerberleistungsgesetz fällt, dem sind hohe Hürden für eine Behandlung gesetzt. Auch die viel besprochenen Hamsterkäufe setzen voraus, dass dafür Mittel vorhanden sind. ALG-II-Bezieher*innen beispielsweise können keine Vorräte anlegen, dafür ist der Regelsatz in keinster Weise angelegt, der es ja kaum ermöglicht, unter normalen Umständen über die Runden zu kommen. Eine der ersten Institutionen, die die Folgen der Corona-Krise zu spüren bekamen, waren die Tafeln und damit Menschen, die auf die dortigen Lebensmittelausgaben angewiesen sind. Die Berliner Erwerbsloseninitiative BASTA! fordert vor diesem Hintergrund sofortige Corona-Sonderzahlungen an Menschen mit Sozialleistungen und niedrigen Einkommen.

Arme Menschen sterben früher

Auch die vielen sich von Auftrag zu Auftrag hangelnden Freischaffenden – Künstler*innen, Autor*innen oder Journalist*innen – Weiterlesen Vor dem Virus sind nicht alle gleich

Video: Gibt Andreas Kalbitz (AfD) versehentlich zu, rechtsextrem zu sein?

Kalbitz ist rechtsextrem

Nachdem bereits Höcke und Kalbitz überwacht wurden, wird jetzt der gesamte, rechtsextreme “Flügel” der AfD vom Verfassungsschutz als “erwiesen extremistisch” eingestuft. Diese Einstufung bedeutet, dass die Bewegung mit dem ganzen Instrumentarium nachrichtendienstlicher Mittel beobachtet werden darf (Quelle). Die AfD, die regelmäßig die Realität verleugnet, wenn sie ihr schadet, behauptet natürlich, dass sei alles nur politisch motiviert und der “Flügel” und Faschist Höcke und Kalbitz seien gar nicht rechtsextrem.

Doch wisst ihr, wer der AfD widerspricht? Andreas Kalbitz selbst – aus dem Jahre 2019. In einem Interview mit Tilo Jung (Hier volle Länge) erklärte er, wer die einzige Autorität sei, festzustellen, wer rechtsextrem ist und wer nicht: Der Verfassungsschutz. Welcher just festgestellt hat, dass Andreas Kalbitz (Mitglied im Vorstand der AfD!) rechtsextrem ist. Den Videozusammenschnitt hat Jung hier gepostet:

Und der Verfassungsschutz behauptet das nicht einfach so, das ist offensichtlich. Andreas Kalbitz hat eine rechtsextreme Vergangenheit, wirkte an verherrlichenden Filmen zu Hitler und der Wehrmacht mit und ist eng verknüpft mit der Neonazi-Szene. Er war und ist in Weiterlesen Video: Gibt Andreas Kalbitz (AfD) versehentlich zu, rechtsextrem zu sein?

Sozialverbände für Enteignung

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Mindestens 100.000 Sozialwohnungen mit dauerhafter Bindung müssen jährlich gebaut werden

Angesichts des flächendeckenden Mangels an bezahlbarem Wohnraum in der Bundesrepublik hat sich ein Bündnis aus acht Wohlfahrts-, Sozial- und Fachverbänden zusammengefunden und am Dienstag die Gründung der gemeinsamen »Sozialen Plattform Wohnen« bekanntgegeben. »Wohnen ist ein Menschenrecht und keine Ware. Die Realität sieht leider anders aus, besonders für Ärmere, Ältere und Kranke«, erklärte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführder des Paritätischen Gesamtverbandes, in einer Mitteilung vom Dienstag.

Um dem Menschenrecht auf Wohnen in der BRD zur Durchsetzung zu verhelfen, fordert das Bündnis die Schaffung von mindestens 100.000 Sozialwohnungen jährlich mit dauerhafter Sozialbindung. Am Gemeinwohl orientierte Wohnbauprojekte sollen staatliche Förderung erhalten. Zudem seien »als Ultima ratio« Grundstücke von Privateigentümern, die »mit Wohnraum spekulieren, horrende Mietpreissteigerungen durchsetzen oder Wohnraum verwahrlosen lassen« zu vergesellschaften, wie es in der Handreichung zur Plattform heißt, welche der Paritätische Gesamtverband veröffentlicht hat.

Zudem setzt sich das Bündnis Weiterlesen Sozialverbände für Enteignung

Mitten im Staatsapparat

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Sascha Steinach/dpa-Zentralbild

In Verwaltungen und Gerichten: Vertreter des völkisch-nationalistischen »Flügels« der AfD

Nach der Entscheidung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), den völkisch-nationalistischen »Flügel« der AfD zum »Verdachtsfall« hochzustufen und damit zum Beobachtungsobjekt zu machen, fordert die SPD-Vorsitzende Saskia Esken Konsequenzen. Es sei »höchste Zeit«, dass der Staat dafür sorge, dass Angehörige »rechtsextremer Vereinigungen wie der AfD und ihrem ›Flügel‹« nicht mehr im öffentlichen Dienst beschäftigt würden, sagte Esken dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). Diese sollten, führte die SPD-Kochefin weiter aus, »in diesem Land keine Kinder unterrichten, keine Straftäter ermitteln, nicht für unsere Sicherheit sorgen und nicht in Verwaltungen oder Gerichten über das Schicksal von Menschen entscheiden«.

Politiker von Union, FDP und Bündnis 90/Die Grünen äußerten sich in ähnlicher Weise. Beamte genössen einen vielfältigen Schutz des Staates bei ihrer Tätigkeit, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg. Im Gegenzug erwarte man von ihnen, dass es an ihrer Verfassungstreue keine Zweifel gebe. »Eine Mitgliedschaft im ›Flügel‹ ist damit unvereinbar«, so Sensburg. Es müsse aber auch bei Beamten, die der AfD, aber nicht dem »Flügel« angehören, geprüft werden, ob Zweifel an ihre Verfassungstreue bestünden. Da der »Flügel« die Partei präge, müssten sich die Dienstherren »in naher Zukunft wohl jeden Beamten anschauen, der in der AfD ist oder mit der AfD offen sympathisiert«, sagte der CDU-Politiker.

Die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic wies darauf hin, dass Beamte einen Eid geleistet hätten und nicht den geringsten Zweifel an ihrer Verfassungstreue aufkommen lassen dürften. Sie halte die Zugehörigkeit zum »Flügel« mit diesem Eid für unvereinbar, sagte die Bundestagsabgeordnete dem Handelsblatt. Es sei darum folgerichtig, dass eine Zugehörigkeit zum »Flügel« im konkreten Einzelfall auch dienstrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könne. Wie Sensburg ist Mihalic der Ansicht, dass eine AfD-Mitgliedschaft für Beamte »auch insgesamt zum Problem wird«.

teste die beste

Der FDP-Innenexperte Benjamin Strasser erklärte gegenüber der Welt am Sonntag, dass niemand im Staatsdienst arbeiten sollte, »der diesen demokratischen Staat täglich bekämpft«. Angesichts der »regelmäßigen Entgleisungen der extremistischen Flügel-Anhänger« müsse genau hingeschaut werden, »ob diese Leute aus dem öffentlichen Dienst entlassen werden müssen«, so Strasser.

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hatte die Union bereits am Montag vor jeder Kooperation mit der AfD gewarnt. Er erwarte, dass die Partei in absehbarer Zeit vom »Flügel«-Frontmann und Thüringer Landeschef Björn Höcke geführt werde, sagte Söder den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es sei »für die Union daher völlig unvorstellbar, sich von der AfD wählen zu lassen oder irgendeine Form der Kooperation einzugehen«, so der CSU-Chef. Da dürfe es »kein Laissez-faire geben«.

Höcke übernehme »die Methoden seiner Vorbilder aus den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts«, erklärte Söder. Das umfasse etwa, »das Diskreditieren von Personen« oder »Missbrauchen von demokratischen Regeln für seine Zwecke«. Der »Flügel« übernehme immer mehr das Sagen in der AfD und die gemäßigten Kräfte würden verdrängt. Daher sei es auch richtig, dass der Verfassungsschutz den rechten Flügel beobachten wolle, sagte der CSU-Chef.

Der von AfD-Politikern gegründete »Flügel« wurde vom BfV am vergangenen Donnerstag als rechtsextremistisch eingestuft und gilt damit offiziell als Beobachtungsfall. Damit hat der Verfassungsschutz künftig mehr Möglichkeiten zum Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel. Nach einem Bericht der Welt am Sonntag lassen sich knapp 30 Prozent der AfD-Abgeordneten im Bundestag dem »Flügel« zuordnen. Das ergab den Angaben zufolge eine Analyse der Zeitung basierend auf Merkmalen, die auch vom Verfassungsschutz betrachtet wurden. Mindestens 25 der insgesamt 89 Bundestagsabgeordneten seien danach Teil des »Flügels« oder stünden ihm sehr nahe. Mindestens drei von ihnen seien Beschäftigte im öffentlichen Dienst.

Soziale Plattform Wohnen fordert Wende in der Wohnungspolitik

Viele Menschengruppen haben auf dem Wohnungsmarkt kaum Chancen. Das heute gegründete Bündnis „Soziale Plattform Wohnen – Für eine menschenorientierte Wohnungspolitik“ will das sichtbar machen.

<a rel="lightbox" href="https://www.vdk.de/sys/data/16/img/h_00017379B1584384815.jpg&quot; title="Bild vergrössern: Das Bild zeigt Mietshäuser" data-title="© Unsplash“ style=“color: rgb(65, 110, 210); max-width: 100%; text-decoration: underline“>Das Bild zeigt Mietshäuser 

© Unsplash

Die heute gegründete „Soziale Plattform Wohnen – Für eine menschenorientierte Wohnungspolitik“ ist ein Bündnis von acht Verbänden. Ihr Ziel ist eine sozialere Wohnungspolitik für alle, die von den steigenden Mietpreisen am stärksten getroffen sind.

„Als Verband kommen wir an unsere Grenzen“, erklärt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK über die Motivation, an der Plattform mitzuwirken. „Alle Erfolge, die wir für unsere mehr als zwei Millionen Mitglieder errungen haben wie die Grundrente oder höhere Rentenansprüche, werden wieder aufgefressen durch rasant steigende Mieten und zu wenig barrierefreien Wohnraum. Wir brauchen eine Wende in der Wohnungspolitik.“

Die eigenen vier Wände werden kontinuierlich teurer. Besonders in Städten steigen die Mieten – und sind damit nicht mehr bezahlbar für Menschen, die ohne Arbeit sind. Auch wer eine Behinderung oder Krankheit hat, in einem bestimmten Alter ist, Schulden hat oder alleinerziehend ist, hat schlechte Chancen. Diese Menschen möchte die Soziale Plattform Wohnen sichtbar machen.

Die Initiatoren fordern von den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft

  • stärkere Investitionen der Öffentlichen Hand für bezahlbaren Wohnraum
  • die Stärkung nicht-profitorientierten Bauens
  • Schutz vor Verdrängung besonders gefährdeter Menschen
  • die Förderung von barrierefreiem und inklusiven Wohnen.

Pressemitteilung und Broschüre Soziale Plattform Wohnen zum Download

Pressemitteilung – Soziale Plattform Wohnen: Bündnis fordert wohnungspolitischen Kurswechsel (262,50 KB, PDF-Datei)

Broschüre – Soziale Plattform Wohnen: Menschen im Schatten des Wohnungsmarktes (920,75 KB, PDF-Datei)

Unterzeichnende Organisationen:

  • Sozialverband VdK Deutschland
  • Der Paritätische Gesamtverband
  • Der Kinderschutzbund Gesamtverband
  • Volkssolidarität
  • Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen
  • Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V.
  • SoVD
  • Verband alleinerziehender Mütter und Väter

Pressekontakt: Philipp Meinert, Telefon: 030 / 24636-339

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Corona-Quarantäne: Wohnfläche je Person 0 – 36,7 – 49,0 Quadratmeter

Auch in Berlin sollen die Menschen aufgrund der Corona-Gefahr zu Hause bleiben. Zunächst bis zum 19. April gilt die Verordnung des Senats, mit der Schulen und Kitas geschlossen und weitere Einschränkungen verhängt werden. Aber wie groß sind die Wohnungen, in die wir uns jetzt zurückziehen sollen? Die Parks sind noch zugänglich, anders als in Rom. Ärzte ohne Grenzen fordert die Evakuierung der Flüchtlingslager auf Lesbos, wo 42.000 Geflüchtete sich nicht vor Infektionen schützen können. (Die deutsche Bundesregierung will bis zu 1.500 unbegleitete oder kranke geflüchtete Kinder aufnehmen.)

Bleiben wir beim Naheliegenden, bleiben wir in Berlin. Da sind zunächst diejenigen, die keine Wohnung haben. In den Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete waren Ende Februar (nach Angaben der Betreiber) 20.576 Plätze belegt. In der „Nacht der Solidarität“ am 7. Februar ergab die Zählung 1.976 erfasste Obdachlose, davon 807 auf der Straße, 158 im Öffentlichen Personennahverkehr, 15 in Rettungsstellen, 12 im Polizeigewahrsam, 42 im Wärmeraum Gitschiner Straße und 942 in der Kältehilfe. Diejenigen, die in Kellern oder auf Dächern übernachtet haben oder die irgendwie bei Bekannten untergekommen sind, sind in dieser Auflistung nicht enthalten.

Die allermeisten Berlinerinnen und Berliner wohnen zur Miete. Nach den amtlichen Erhebungen entfielen in einer Mietwohnung im Jahr 2018 auf eine Person 36,7 Quadratmeter, in einer Eigentümerwohnung waren es 49 Quadratmeter. Im Durchschnitt machte das 39,2 Quadratmeter pro Durchschnittsperson, die zu 80 Prozent Mieter und zu 20 Prozent Eigentümer wäre.

In Zeiten von Corona handelt es sich nicht um rein theoretische Erwägungen, sondern darum, wer sich wohin wie zurückziehen kann. Wohnungspolitik mag gerade nicht die Schlagzeilen bestimmen. Und Wohnungspolitik ist nicht alles. Die Lebenssituation der Leute bestimmt sie aber auch jetzt.

„Jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muß scheitern.“
Friedrich Dürrenmatt

PS, das Problem gibt es auch woanders:
Jenny Schuetz: America’s inequitable housing system is completely unprepared for coronavirus

For far too long, policymakers at all levels of government have failed to provide decent-quality, stable, and affordable housing to millions of Americans. In COVID-19, we’re only starting to see the devastating consequences of that failure.

Aufnehmen statt Sterben lassen! Die Faschisierung Europas stoppen!

Gem. Pressemitteilung, 17.3.2020

Gem. Pressemitteilung, 17.3.2020

Es war zu erwarten: 4 Jahre Zuschauen zeigen jetzt ihre katastrophale Wirkung. Der Corona-Virus hat auch die griechischen Inseln erreicht. 40.000 Menschen, zusammengepfercht in völlig überfüllten EU-Hotspot Lagern wie Moria, unter desaströsen Hygiene-Bedingungen und fast ohne medizinische Versorgung, könnten schon bald der tödlichen Krankheit ausgeliefert sein. Während Europäische Staaten zum Schutz vor der Pandemie ihre Grenzen schließen und selbst soziale Begegnungen von Kleingruppen unterbinden, ist das von der Austeritätspolitik und Wirtschaftskrise schwer angeschlagene griechische Krankensystem in keiner Weise in der Lage, bei einem großflächigen Krankheitsausbruch die notwendige medizinische Versorgung der Geflüchteten sicherzustellen. Und die EU versperrt sich weiterhin allen Appellen, die Lager zu räumen und die Menschen sicher zu evakuieren. Vielmehr wird verstärkt abgeriegelt. Dies passt dazu, was wir in den letzten zwei Wochen an der griechisch-türkischen Grenze beobachten konnten: Eine beispiellose Brutalisierung der EU-Migrationspolitik, gepaart mit der skrupellosen Verletzung grundlegender Menschenrechte, Europarecht und der Genfer Flüchtlingskonvention.

Menschen, die in Europa Schutz suchen, werden mit Tränengas beschossen, zusammengeschlagen, ausgezogen und illegal über die Grenze zurückgeschoben. Im ägäischen Meer werden Fliehende aggressiv von der griechischen Küstenwache attackiert, Motoren zerstört und Schlauchboote aufgestochen. Auch was 2015 noch unsagbar war, ist nun Realität geworden: Mit scharfer Munition wird die Grenze verteidigt und mehrere Menschen wurden an der griechisch-türkischen Evros-Grenze erschossen. Damit hat sich die europäische Grenzpolitik von einem passiven Sterbenlassen an den Außengrenzen zu einer Politik aktiven Tötens gewandelt. Freiwillige Helfer_innen und Mitarbeiter_innen internationaler Organisationen auf den griechischen Inseln wurden in rechtsradikalen Netzwerken zur Verfolgung ausgeschrieben und von faschistischen Mobs gejagt und brutal zusammengeschlagen. Faschist_innen aus ganz Europa treffen auf den griechischen Inseln ein, soziale Zentren und Solidaritätsstrukturen wurden in Brand gesetzt.

Zudem wurde das Asylrecht für alle Personen, die seit dem 1. März in Griechenland eingereist sind, ausgesetzt. Die griechische Regierung Weiterlesen Aufnehmen statt Sterben lassen! Die Faschisierung Europas stoppen!

«Unsere Vernunft, unser Herz füreinander»

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«Wir haben alle Waffen auf den Tisch gelegt», sagte Finanzminister Olaf Scholz über die staatlichen Maßnahmen zur Rettung der Wirtschaft in der Corona-Krise. Die Waffe der Solidarität gehört mit ins Arsenal.  13. März 2020, Bayern, Pullach, picture alliance/Matthias Balk/dpa

Sechs Wochen nachdem der erste Corona-Fall in Deutschland vermeldet wurde, stellte sich Kanzlerin Angela Merkel erstmals den Fragen der Öffentlichkeit und erließ einen dringenden Appell an die Bevölkerung. Sie rief auf zu Solidarität: «Unsere Vernunft, unser Herz füreinander», sagte sie, sei auf eine Probe gestellt. Und: Sie wünsche sich, dass wir diese Probe bestehen. Doch wie solidarisch kann eine Gesellschaft sein, deren sozialen Beziehungen auf Konkurrenz beruhen, deren Credo lautet: jeder für sich, jedem ums Seine? Und über welche Solidarität reden wir?

  Zum Zeitpunkt des Kanzlerin-Appells kletterte die Zahl der Infizierten in Deutschland schon über die 2.000er-Marke. Nicht wenige der Angesprochenen hatten da bereits unter Beweis gestellt, dass sie sich mit der Solidarität schwer tun: Atemmasken und Desinfektionsmittel waren schnell ausverkauft, obwohl in den Medien gebetsmühlenartig wiederholt wurde, dass Krankenhäuser dringend darauf angewiesen seien und diese Schutzmittel für Privatleute nicht nötig wären, weil handelsübliche Masken keinen ausreichenden Schutz bieten und 20 Sekunden Händewaschen ausreichen würde. Sogar von Diebstählen in Krankenhäusern wurde berichtet. Schlagzeilen machten auch Geschäftsleute, die mit dem Handel mit Mundschutzmasken zu absurd hohen Preisen reich wurden. Am Finanzmarkt konnten Anleger darauf wetten, dass Fluggesellschaften und Hotels ins Straucheln geraten, oder darauf, dass Menschen wegen des Virus zu Hause am Computer bleiben und viel Netflix schauen. Der Hegdefonds, der entsprechende Wetten im Portfolio hatte, machte damit hohe Gewinne. Des einen Leid, des anderen Freud.

Sabine Nuss ist Autorin und Geschäftsführerin des Karl Dietz Verlag in Berlin.

Als gäbe es kein Morgen

Hamsterkäufe gab es auch in Supermärkten: Nudeln, Reis, Toilettenpapier, Seife – manchmal stand man vor geplünderten Regalen und fragte sich, ob man irgendwas falsch macht, weil man selbst nur das Nötigste im Einkaufswagen hatte. Oder Weiterlesen «Unsere Vernunft, unser Herz füreinander»

Der marktgerechte Patient

Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts

Ein „FILM VON UNTEN“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, 82 Min.

Premiere am 8. November 2018 war eingroßer Erfolg!

Helfen Sie mit, dass der Film „Der marktgerechte Patient“ sich nun noch weiter verbreiten kann und eine optimale Aufklärungsfunktion erfüllt!

Es gibt zwar bereits zahllose Berichte über skandalöse Zustände in den deutsche Krankenhäusern. Erstaunlicherweise fehlt dabei aber fast immer der Bezug auf die wesentliche Ursache dieser Zustände: Die seit 2003 verbindliche Vergütung der

Krankenhäuser durch sog. Fallpauschalen (jede diagnostizierbare Krankheit hat einen fixen Preis – wer mit möglichst geringen Personal-, Sach- und Organisationskosten den Patienten optimal schnell abfertigt, macht Gewinn – wer sich auf die Patienten einlässt und Tarife zahlt, macht Verlust). Die Einführung der sog. DRGs (Diagnosis Related Groups) war der radikale Schritt zur kompromisslosen Kommerzialisierung eines Bereichs, der bis dahin vom Gedanken der Empathie und Fürsorge getragen wurde. Seither wird der Mensch dort, wo er am Verletzlichsten ist, nämlich als hilfsbedürftiger Patient, den gnadenlosen Prinzipien von Gewinn und Verlust untergeordnet.

Wir sind nicht an der Zurschaustellung von Skandalen interessiert. Uns kommt es bei der Aufdeckung von Folgen vor allem auf die Ursachen  der unhaltbaren Zustände in den deutschen Krankenhäusern an. Nur so Weiterlesen Der marktgerechte Patient

Coronavirus: „Schon für das normale Tagesgeschäft sind Kliniken aus pflegerischer Sicht nicht gewappnet“

Personalmangel, spärliche Ausstattungen und Pflegekräfte, die an ihrem Limit arbeiten: In Zeiten der Coronakrise dürfte so manchem langsam dämmern, dass die seit langem bekannten Probleme in unserem Gesundheitssystem und in der Pflege sich irgendwann bitter rächen werden. Monja Schünemann, ausgebildete Krankenschwester und Historikerin, findet auf ihrem Blog mypflegephilosophie.com immer wieder klare Worte zum Thema Pflege. Im NachDenkSeiten-Interview verdeutlicht sie, wie schlimm es um die Pflege bestellt ist. Von Marcus Klöckner.

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Frau Schünemann, dass in unserem Gesundheitssystem im ganz normalen Tagesbetrieb schon vieles aus dem Ruder läuft, ist bekannt. Nun aber ist das Coronavirus im Land. Sind unsere Krankenhäuser gewappnet? 

Das kommt darauf an, aus welcher Perspektive man es betrachtet. Theoretisch scheint das, glaubt man denjenigen, die gerade nicht vor Ort sind, gegeben. Es wurden noch Beatmungsmaschinen gekauft. Doch schon jetzt haben viele kein Isomaterial mehr zur Verfügung. Es gibt Berichte, wonach nur noch eine Maske pro Schicht an eine Person ausgeteilt wird und diese Person muss dann alle versorgen. Woanders werden Testungen von Kontaktpflegekräften verweigert, weil „sie ja nicht in China waren“. Die Personaluntergrenzen wurden ausgesetzt. Das birgt eine erhebliche Gefahr, gerade auf Intensivstationen. Oder kurz: Schon für das normale Tagesgeschäft sind Kliniken aus pflegerischer Sicht nicht gewappnet , stattdessen erklärt man ihnen Weiterlesen Coronavirus: „Schon für das normale Tagesgeschäft sind Kliniken aus pflegerischer Sicht nicht gewappnet“