Gedenken in Hanau : „Als würde mein Sohn ein zweites Mal ermordet“

Zwei Wochen nach dem Anschlag von Hanau wendet sich die Mutter eines Opfers an die Bundeskanzlerin. In einem Brief formuliert sie klare Forderungen.

Gedenken in Hanau: Angehörige halten sich bei einem Trauermarsch das Foto von Ferhat Unvar vor die Brust. Er war am 19. Februar von einem rechtsextremen Terroristen in Hanau getötet worden.
Angehörige halten sich bei einem Trauermarsch das Foto von Ferhat Unvar vor die Brust. Er war am 19. Februar von einem rechtsextremen Terroristen in Hanau getötet worden. © Odd Andersen/​AFP/​Getty Images

Zwei Wochen nach dem rassistischen Anschlag von Hanau hat sich die Mutter eines der Opfer in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt, der ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt. Darin kritisiert Serpil Temiz, der Täter habe „seinen Wunsch nach dieser Tat nie verheimlicht, hat in den sozialen Netzwerken seine Absicht, ein Massaker zu begehen, bekundet und seine rassistische Gedankenwelt in Briefen den Behörden mitgeteilt“. Den Namen des Rechtsterroristen erwähnt sie nicht.

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Dennoch sei nichts unternommen worden, das müsse die Bundeskanzlerin zum Umdenken zwingen. „Es war nicht das erste Malund ich fürchte, es wird nicht das letzte Mal sein, wenn sich nicht schnell etwas ändert“, schreibt Temiz.

Sie stellt drei Forderungen. Erstens eine vollständige Aufklärung der Tat. Es dürften nicht die gleichen Fehler gemacht werden wie nach der NSU-Mordserie. Es brauche einen offiziellen Ansprechpartner, der sicherstellen soll, dass die Sorgen der Angehörigen ernst genommen werden. Temiz schreibt: „Wenn es keine lückenlose Aufklärung gibt, ist es, als würde mein Sohn ein zweites Mal ermordet.“ Zweitens bräuchten die Familien der Opfer lebenslange Unterstützung, etwa durch ehrenamtliche Partnerschaften des Bundespräsidenten oder Geschwister-Stipendien. Und drittens brauche es eine staatlich geförderte Stiftung zur Aufklärungsarbeit gegen Hass und Rassismus. Als Mitglieder dieser Stiftung schlägt Temiz sich selbst und andere Angehörige vor. 

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Der Brief schließt mit den Worten: „Die Opfer von Hanau dürfen nie vergessen werden. Die Namen müssen in der Schule gelernt werden und auf den Straßen lesbar sein.“ Serpil Temiz übergab ihn am heutigen Mittwoch während der Trauerfeier für die Opfer in Hanau der Bundeskanzlerin.   

Temiz‘ Sohn Ferhat Unvar und acht weitere Personen waren am Abend des 19. Februar von einem rassistischen Terroristen in Hanau erschossen worden.

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