Rechtsextremismusforscher Quent: Die AfD ist rechtsradikal

Matthias Quent (Foto: SWR)

Rechtsextremismusforscher Matthias Quent sieht in der AfD eine rechtsradikale Partei. Die Erklärung, die AfD werde nur aus Protest gewählt, greife zu kurz.

Rechtsextremismusforscher Matthias Quent fordert dazu auf, die AfD als rechtsradikale Partei zu bezeichnen. Im Interview der Woche sagte Quent, er als Wissenschaftler sei an analytischer Klarheit interessiert. Die Grenze zum Radikalismus oder Extremismus sei überschritten, „wenn eben Grundrechte und Menschenrechte in Frage gestellt werden. Das passiert bei der AfD.“

SWR Aktuell Interview der Woche mit Matthias Quent

24:21 min

Das Problem der Partei sei nicht ihr Populismus, populistisch seien auch andere Parteien. „Das Problem ist das politisch Radikale“, sagte der Wissenschaftler. Das müsse man auch benennen, damit sich Wählerinnen und Wähler nicht mehr herausreden könnten, im Sinne von „ich wollte aber doch nur meinen Protest äußern,“ sagte Quent.

Keine Protestwähler, sondern solche, die wissen was sie tun

Die Erklärung, es handle sich bei AfD-Wählerinnen und -Wählern in Thüringen hauptsächlich um Protestwähler, die der Regierung einen Denkzettel verpassen wollten, greift nach Ansicht des Rechtsextremismusforschers zu kurz. Matthias Quent verweist auf Studien, die das Institut für Demokratieforschung und Zivilgesellschaft zu diesem Thema durchgeführt habe.

„71 Prozent der AfD-Wählenden in Thüringen sagen, sie wählen die AfD, weil sie sie genau richtig finden – also nicht zu rechts.“

Rechtsextremismusforscher Matthias Quent

Und nur 29 Prozent hielten die AfD für eine rechte Partei. „Es ist also tatsächlich auch eine ideologische Übereinstimmung“, sagte der Forscher.

Rechte Mentalität tief verankert

Er habe nicht den Eindruck, dass es in Deutschland jemals eine „Stunde Null“ gegeben habe, dass es einen Bruch mit antisemitischem, rassistischem und nationalistischem Denken gab. Diese Mentalitäten seien tief verankert.

In Ostdeutschland habe die liberale Demokratie nur 30 Jahre Zeit gehabt, sich durchzusetzen, in Westdeutschland dagegen 70 Jahre, auch durch den Kulturkampf der 68er-Generation. „Das passiert in Ostdeutschland gerade alles so nebenbei“, analysierte Quent.

Nicht jeder in der AfD ist ein Rechtsradikaler

Quent ist skeptisch, ob es in der AfD sogenannte gemäßigte Parteivertreter gibt, In der „Selbstverortung und der Selbstwahrnehmung“ sei das zwar noch immer so. Doch diese Mitglieder täuschten vielleicht sich selbst. Sie unterstützten eine Partei, bei der eben auch verfassungswidrige Forderungen im Programm stünden. Es handle sich nicht nur um einzelne Äußerungen von „besonders exzentrischen Figuren wie einem Herrn Höcke“.

„Das bedeutet, nicht jeder, der in der AfD ist, ist ein ideologisch Rechtsradikaler, aber jeder der da drin ist oder sogar die Partei wählt, unterstützt eine Partei mit einer Rechtsaußenzielsetzung.“

Rechtsextremismusforscher Matthias Quent

Manuskript Interview der Woche mit Matthias Quent

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