Serie „Mord im Böhmerwald“ auf Arte: Mit Rassisten leben in Tschechien

taz.de

Jens Müller

Serie „Mord im Böhmerwald“ auf Arte

„Mord im Böhmerwald“ will mehr sein als eine Krimiserie. Das gelingt – nicht zuletzt deswegen, weil sie so explizit ist.

Schnee im Böhmerwald

Kalt ist’s im Böhmerwald – auch menschlich kalt manchmal Foto: dpa

Die erste Folge beginnt damit, dass eine junge Frau vor der Leiche eines jungen Mannes steht, der offenbar aufgehängt wurde – gelyncht. „B. ist eine ganz normale Stadt mit ganz normalen Bürgern“, sagt die Bürgermeisterin in die Kamera. Und ein Mann erklärt: „Ich bin kein Rassist, weißt du. Es sind nicht alle so. Ein paar sind ganz anständig – aber wie viele? Es wurmt mich einfach, dass Leute, die nicht von hier sind, behaupten, dass wir alle Rassisten sind! Aber die leben auch nicht mit denen!“

„Lynč“ heißt die Miniserie im tschechischen, im englischen „The Lynching“. Die Programmmacher von Arte behaupten zwar im Pressetext, „The Lynching“ sei „die erste tschechische Serie, die Arte auf dem Serien-Sendeplatz zeigt“ – allerdings gab es vor fünf Jahren ebendort, am Donnerstag, die Miniserie „Burning Bush“ – über die Nachwirkungen der öffentlichen Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach nach der Niederschlagung des Prager Frühlings.

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„Lynč“ jedenfalls läuft auf Deutsch als „Mord im Böhmerwald“ – und in Frankreich als „Le Village des secrets“ (Das Dorf der Geheimnisse), zwei typisch nichtssagend-beliebige Krimititel. Offenbar wollte man bei Arte weg vom Englisch. Dabei wäre „The Lynching“ schon präziser.

Zurück zur Szene: Wenn der Mann von „denen“ spricht, dann meint er die, die in der deutschen Synchronfassung von der Mehrheit im Dorf „die Zigeuner“ genannt werden. Der Ermordete war einer von ihnen. Die Interviews führt der Blogger Lukas (Matej Andel), der dafür in den Ort zurückgekehrt ist, in dem er als Kind seine Ferien bei der Großmutter verbracht hat.

Sechs Jungautoren

In der normalen Stadt mit ganz normalen Bürgern stößt er auf Inzest in der Bürgermeisterfamilie und illegalen Medikamentenhandel. Lukas – und mit ihm der Zuschauer – gewinnt so „einen tiefen Einblick in soziale Verhältnisse, die an der Spaltung der tschechischen Gesellschaft Anteil haben“, so Arte.

„Mord im Böhmerwald“, acht Folgen, diesen und nächsten Donnerstag, 21 Uhr, Arte.

„Lynč“ ist aus einem Wettbewerb im Rahmen einer Masterclass hervorgegangen und wurde, ganz zeitgemäß, von sechs Jungautoren im Writersroom geschrieben – unter der Anleitung des Amerikaners Harold Apter, der für „Golden Girls“ und „Walker, Texas Ranger“ geschrieben, sich seinen Namen also nicht als Meister des Subtilen gemacht hat.

Tatsächlich wirkt die gezeigte Diskriminierung der Minderheit zunächst plakativ. Aber vielleicht ist auch das nur zeitgemäß. Auch hierzulande agieren die Rassisten, etwa von der AfD, bekanntlich immer unverhohlener.

https://www.arte.tv/de/videos/080082-001-A/mord-im-boehmerwald-1-8/

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Wie raus aus der Eskalationsspirale? Daniel Walter über den Konflikt Iran – USA

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US-Amerikanisches Militäraufgebot in der Straße von Hormus (April 2019)  CC BY 2.0, U.S. Navy / flickr

Die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den USA ist nicht gebannt. Die unnachgiebige Haltung beider Seiten lässt wenig Spielraum für eine gesichtswahrende Lösung erkennen. Viel hängt daher davon ab, ob Europa es schafft, Zeit zu gewinnen.

Daniel Walter hat Politikwissenschaft und Middle Eastern Studies in Bonn, Schweden und Teheran studiert. Derzeit promoviert er am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) zu internationaler Wirtschaftsgeschichte der 1980er-Jahre mit einem Schwerpunkt auf Iran. Twitter: @kahabka07

Explosionen an Öltankern, eine abgeschossene Drohne und in letzter Sekunde abgewendete Militärschläge. Die Lage zwischen Iran und den USA ist so dramatisch wie seit den 1980er-Jahren nicht mehr. Fünfzehn Monate nach der einseitigen Aufkündigung des Atomdeals durch die USA haben Washington und Teheran sich in eine Lage manövriert, die den Spielraum aller beteiligten Akteur*innen immer weiter einschränkt. Wie also kann ein Ausweg aussehen, wenn «maximaler Druck» auf «maximalen Widerstand» stößt?

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