Reaktion auf Rezo-Video Die Selbstzerstörung der CDU

Reaktion auf Rezo-Video Die Selbstzerstörung der CDU

Fünfeinhalb Millionen Klicks in fünf Tagen: So viel Aufmerksamkeit hat das Video „Die Zerstörung der CDU“ des YouTubers Rezo bekommen. Das als populistische Privatmeinung abzutun, vertiefe nur die Spaltung zwischen Jugend und Politik, kommentiert Ann-Kathrin Büüsker.

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( Youtube | Videostills „Die Zerstörung der CDU“ | Channel Rezo ja lol ey)
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Die CDU lernt in diesen Tagen viel über moderne politische Kommunikation. Denn offensichtlich hat die Partei dort ein eklatantes Defizit. Leuten im Internet zuhören? Da könnte ja jeder kommen. Ja. Genau. Das hat Internet so an sich. Da kommt jeder. Soziale Medien haben den Diskursraum erweitert. Heute sind es nicht journalistische Gate-KeeperInnen oder Politiker, die die Agenda vorgeben. Jeder und jede kann am Diskurs teilnehmen, zu einer relevanten Stimme mit Reichweite werden. Genau das hat Rezo getan. Eine informierte, wenn auch durchaus polemische Wortmeldung. Aber eben das, was in einer demokratischen Gesellschaft passiert: Ein Bürger, der sich äußert.

Nachhilfe in moderner politischer Kommunikation

Das ist Alltag: Auf Youtube, Facebook, Twitter, Instagram, Tiktok – auf allen möglichen Plattformen. Alle können senden. Und dennoch scheint die CDU davon vollkommen überrascht zu sein. Und unfähig oder unwillig zuzuhören. Einer digitalisierten Gesellschaft, die sich nicht länger berieseln lässt, sondern Dinge hinterfragt. Die „Fridays-for-future“- Demonstrationen sind Ausdruck dessen, bringen diese Entwicklung auf die Straße. Doch die Mobilisierung geschieht im Netz. Die Plattformen bilden die Infrastruktur dafür, auf denen sich Communities bilden, die sich austauschen. Nicht immer rein faktenbasiert – das haben die Diskussionen von Menschen so an sich. Neu ist der Radius dieser Diskussionen. Und das setzt Politikerinnen unter Druck, sich diesen zu stellen. 

Mobilisierung passiert im Netz

Das nicht zu tun, ist politisches Versagen. Denn das Bedürfnis nach Erklärung ist ja da – die Chance mit den eigenen WählerInnen ins Gespräch zu kommen, enorm. Politik zu erklären. Und vielleicht auch die Notwendigkeit des Kompromisses zu betonen. Zwar will die CDU jetzt Rezo einladen für ein Gespräch, aber…was wird aus den Millionen Zuschauerinnen seines Videos? Erst raunten Unionspolitiker bei Twitter etwas von möglicherweise gekauften Klicks für das Video, warfen Rezo gar Populismus und Meinungsdiktatur vor.

Als die Aufmerksamkeit so groß war, dass eine Antwort notwendig schien, kündigte man eiligst ein Reaktionsvideo an. Mit Philipp Amthor, jüngster Bundestagsabgeordneter der CDU, bisher in Sachen Digitalkompetenz eher unauffällig. Das Video wurde dann prompt von der Parteiführung kassiert. Vielleicht Angst vor der eigenen Courage. Die Antwort der CDU auf ein millionenfach geklicktes, gut produziertes Youtube-Video wurde ein elfseitiges PDF-Dokument, das heute Mittag auf der CDU-Webseite veröffentlicht wurde und wegen Serverproblemen stundenlang nicht erreichbar war.

Auch das Internet ist sozialer Raum

Würde dieses stümperhafte Kommunikationsverhalten nicht schon genug über die digitale Hilflosigkeit der Partei ausdrücken, so tut es ein Satz der Erklärung. Darin heißt es: „Die Währung von YouTubern sind Klickraten. Die Währung einer Volkspartei wie der CDU ist Vertrauen.“

Diese Aussage offenbart das digitale Totalversagen einer Partei, die nicht versteht, dass das Internet nicht aus Klicks besteht, sondern eine Gemeinschaft von Menschen ist. Ein Raum menschlicher Beziehungen, in denen es massiv um Vertrauen geht. Denn nur, wer mir vertraut, hört mir zu. Also liebe CDU: Fang an zuzuhören.

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