Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker

2018 (6. Auflage)

http://www.goldmann-verlag.de

Die in diesem Beitrag aus dem Zusammenhang herausgerissenen Zitate wurden unter selbst gewähte Überschriften gestellt. Die Zitate können (und sollen) das Buch nicht erklären, sondern Lust auf die Lektüre machen.

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Zitat Anmerkungen

Erste bis vierte industrielle Revolution

S. 17 bis 18 „Die erste verwandelte im 18. und 19. Jahrhundert Agrar- in Industriestaaten, die zweite schuf Anfang des 20. Jahrhunderts die Moderne Konsumgesellschaft. … Aber die befeuerten zugleich Überforderung, Abwehrbewegungen und nationalistischen Hass, eskaliert in zwei Weltkriegen.

Einzig die dritte, die mikroelektronische Revolution der Siebziger- und Achtzigerjahre, ging vergleichsweise glimpflich über die Bühne. Doch die vierte wird, so viel scheint gewiss, erheblich gröpere Ausschläge auf der Richterskala verzeichnen. Denn nicht die Produktionsmaschinen ändern sich diesmal, sondern vor allem die Informationsmaschinen.“

S. 29 „Denn die Digitalisierung – und das unterscheidet sie von früheren industriellen Revolutionen – erobert kein neues Terrain, sondern sie macht bestehendes effektiver.“

S. 31 „Ohne staatliche oder – besser noch – überstaatliche Ordnungspolitik und kluge politische Entscheidungen verstärkt die Digitalisierung vor allem Armut und Reichtum! … die Teilung der Mittelschicht in eine obere und eine untere Mittelschicht – fein geschieden durch Kapitalerträge, Erbschaften und ungleiche Bildungschancen ihrer Kinder. Und … wirbelt … braunschwarzen Bodensatz auf.“

S. 40 bis 41 „Die Digitalisierung ist nicht einfach eine weitere Effizienzsteigerung unseres Wirtschaftens auf einem bekannten Pfad. Es ist die gröpte Veränderung unseres Wirtschaftens seit zweihundert Jahren! Es ist ein Lebens- und Wertewandel in welthistorischer Dimension. Und es ist ungebremst, der größte flächendeckende und kulturübergreifende Anschlag auf die Freiheit des Individiums in der Moderne. Auf dem Spiel steht die Zukunft unserer Privatspäre. Infrage gestellt ist, wie und ob unsere Demokratie im Zeitalter ungebremster Manipulierbarkeit erhalten bleiben kann.“

S. 54 „Wenn wir eines aus der Geschichte der ersten industriellen Revolution gelernt haben, dann dies: Der rein ökonomische Maßstab als Maß aller Dinge ist unmoralisch. Er führt unweigerlich in die Inhumanität.“

„Bei früheren technologischen Innovationen und großen Schüben war das übergreifende Moment, dass neue Produkte auf den Markt kamen und damit neue Felder der Vernutzung lebendiger Arbeit entstanden. Ein klassisches Beispiel wäre die Autoindustrie – eine der Industrien, die den legendären Nachkriegsboom getragen haben. Bei der mikroelektronischen Revolution ist entscheidend, dass ihr Einsatz quer durch alle Produktionsfelder primär prozess-innovativ wirkt und als Rationalisierungsfaktor in allen Bereichen lebendige Arbeit eliminiert. Das ist das Problem, das der Kapitalismus mit dieser Art von Innovation hat.

Warum?

Weil die Basisware des kapitalistischen Systems die Arbeit ist. Die Vernutzung lebendiger Arbeit wird zum Auslaufmodell. Mit dieser Innovation schießt sich das Kapital den Boden unter den Füßen weg.“

„Sie, Ihr Ko-Autor Norbert Trenkle und der verstorbene »nd«-Kolumnist Robert Kurz wurden als Teil der Theoriegruppe »Krisis« bekannt. Ihr wird vorgeworfen, zu sehr über Grenzen des Kapitalismus zu sprechen und einen Systemzusammenbruch herbeizureden. Was bedeutet Grenze für Sie?

»Grenzen« bedeutet nicht, dass es scheppert und der Kapitalismus ist weg, sondern dass die Ausdehnungsfähigkeit des kapitalistischen Systems und die Fähigkeit, seinen eigenen Zweck zu erfüllen – nämlich aus Kapital immer mehr Kapital zu machen – sich in dieser Expansionsbewegung langfristig selbst ad absurdum führen. Dieser Ausdehnungsprozess, der die letzten 200 Jahre gekennzeichnet hat, dass immer mehr lebendige Arbeit ins kapitalistische System hinein gesogen wurde und immer höhere Kapitalberge akkumuliert wurden, muss zu einem Umkipp-Punkt führen, wo dieser Prozess nicht mehr möglich ist und dieses System dann kontrahiert.“

Quelle: Interview mit Ernst Lohoff über Ursache und Folgen der aktuellen Wirtschaftskrise

Kapitalismus (Geld)

S. 20 bis 21 „Der Kapitalismus kennt kein Endstadium, sondern immer nur neue Grenzen, die er überwinden muss, … Spätestens seit der zweiten industriellen Revolution gilt uns die Zeit als Geld. … „… die digitale Revolution … möchte Gewinne optimieren! und >>Optimierung<< beim Menschen bedeutet, ihn maschinenähnlicher zu machen – also nicht etwa humaner, sondern weniger human!“

„Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: daß das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint; daß die Produktion nur Produktion für das Kapital ist und nicht umgekehrt die Produktionsmittel bloße Mittel für eine stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses für die Gesellschaft der Produzenten sind. Die Schranken, in denen sich die Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf der Enteignung und Verarmung der großen Masse der Produzenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher beständig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden muß und die auf unbeschränkte Vermehrung der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit lossteuern. Das Mittel – unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte – gerät in fortwährenden Konflikt mit dem beschränkten Zweck, der Verwertung des vorhandnen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der beständige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen. “

Quelle: MEW 25, S. 260

Problem der Technologie

S. 34 bis 35 „Zum Problem wird Technologie also nicht schlichtweg dadurch, dass sie Lohnberufe ersetzt. Sondern vor allem dann, wenn sie unkontrolliert und zu unsittlichen Zwecken angewendet wird. … Die Informatiker, Programmierer und Netzwerkdesigner der Gegenwart arbeiten nicht an einer besseren Zukunft, sondern für den Gewinn weniger. Und sie verändern unser Leben und Zusammenleben ohne jede demokratische Legitimation.“

„Industrie 4.0« wird nicht nur Arbeitsplätze kosten. Es ist der staatlich orchestrierte Versuch, Gewinne zu sichern und den »Standort Deutschland« vor der Degradierung zur Werkbank zu bewahren“
Theo Wentzke in der Jungen Welt Ausgabe vom 01.09.2016, Seite 12 / Thema https://www.jungewelt.de/artikel/292870.abstiegs%C3%A4ngste.html?sstr=kapitalistisches%7CPrinzip

Geld (Kapitalismus)

S. 35 „… Geld – der einzigen Sache, der Qualität sich allein nach der Quantität bemisst. … das Geld macht keine Unterschiede, außer Arm und Reich.“

S. 90 „Unsere Vorstellung von Deutschland – ein ethnisches Volk, ein gesichertes Staatsgebiet, ein geschlossener Wirtschaftsraum – stammt dagegen aus dem 19. Jahrhundert. In der bildschirmflachen Welt des 21. Jahrhunderts hat dieses Bild seine Konturen verloren. Der Markt ebnet alles ein. Geld kennt keine Vaterländer und keine Muttersprache“

S. 95 „Der Kapitalismus ebnet halt alles traditionellen und emotionalen Werte ein, indem er alles an einem einzigen rationalen Wert bemisst: dem Geld. Wo das Effizienzdenken waltet, steigt der Wohlstand (wenn auch nicht aller) und stirbt das Althergebrachte.“

S. 101 „Sie hatten den Faustkeil erfunden und später das Rad und den Pflug, und irgendwann Feuer spuckende und dampfende Maschinen, aber nichts davon hatte sie von der Plackerei befreit. Im Gegenteil: statt für sich selbst arbeiteten sie irgendwann für Geld.“

S. 112 bis 113 „Gegenwärtig jedenfalls begegnen sie uns als Abhängige, beseelt von der Gier nach och mehr Geld, angefeuert durch ihre an nichts nderem interessierten Aktionäre. … Noch sind ie Treiber des Fortschritts also selbst etriebene eines alten ökonomischen Modells, as nur ein >>Mehr<< kennt und keine ufriedenheit. Anerkennung drückt sich darin in ichts anderem aus als Geld, obwohl ein Mehr avon nicht smehr in ihrem Leben zum Guten erändert.“

S. 165 „Dabei wird kaum hinterfragt, dass der Leitspruch >>Zeit ist Geld<< ziemlich iurrig ist. Mit Geld lässt sich die menschliche Lebenszeit oft genug nicht verlängern. Und auch sonst haben Zeit und Geld äußerst verschiedene Eigenschaften. Geld halbiert sich, wenn man es teilt – Zeit nicht!“

krisis.org „Die bürgerliche Ökonomie betrachtet das Geld seit jeher als eine außerhalb der Warenwelt angesiedelte Größe. Die Marx’sche Kritik der Politischen Ökonomie brach mit dieser Zweiweltentheorie und begreift das Geld als die ausgesonderte allgemeine Ware und damit als einen Bestandteil des Warenuniversums. … Der Marx’sche Ansatz ist nicht nur in der Lage die Irrationalität des Geldwesens aus der Irrationalität der kapitalistischen Produktionsweise zu erklären; gerade die allgemein anerkannte Zweiweltenvorstellung ist für das geldtheoretische Totalversagen der VWL verantwortlich. Erst die Rückbesinnung auf das Marx´sche Geldkonzept erlaubt eine kategorial fundierte Analyse des zeitgenössischen Geldwesens und seiner inneren Gliederung.“

Download von Krisis 2/2018 als PDF

Dota Geld: https://youtu.be/ev4GZya5zgY

Politik, Wirtschaft, Kapitalismus

S. 44 „Sie [die Politik] scheint nicht zu sehen, dass die Digitalisierung wenn man sie nur ihren wirtschaftlichen Profiteuren überlässt, die Welt nicht so reich macht, wie sie von ihrem Potenzial her könnte, sondern arm und leer – leer an Sinn, Arbeit, Erfahrung und Gefühl, arm an Überraschung und Authentizität; das sie droht, den Raum der Sozialnormen zugunsten der Marktnormen zu verkleinern. … Besteht nicht die Gefahr, dass durch die Digitalisierung, so wie sie sich gegenwärtig vollzieht, immer Menschen an immer weniger Lebensprozessen beteiligt sind? … regiert in Deutschland seit Langem die Taktik: die kurzfristige Überlegung, was situativ einen Vorteil beim Wähler verspricht. Der Triumpf der Taktik über die Strategie hat unser Land gelähmt.“

S. 57 „>>Die Politik<< hat keine Adresse, nicht einmal einen Briefkasten, an die man seine Kritik senden könnte; das teilt sie im Übrigen mit >>der Wirtschaft<< und dem >>Kapitalismus<<. Politiker reagieren nur, wenn die kritische Öffentlichkeit sie dazu nötigt. Und die kritische Öffentlichkeit entsteht nur durch einen Bewusstseinswandel. Für diesen aber reichen Ängste und Befürchtungen nicht aus. Benötigt wird ein positives Zukunftsszenario. Man muss zeigen, dass eine Gesellschafts- und Wirtschaftsform möglich ist, die Menschen von sturen und oft unwürdigen Arbeiten befreit. Und dass sie uns möglicherweise sogar das stumme Wissen nimmt, der Wert eines Menschen sei messbar an seiner geldwerten Entlohnung. … Die “

Glaube und Wissen

S. 46 „Jahrtausendelang haben Menschen nicht gewusst, was sie glauben – heute glauben sie nicht, was sie wissen.“

Technischer Fortschritt

S. 48 „Der technische Fortschritt ist der einzige Fortschritt in der Geschichte der Menschheit, der unumkehrbar ist.“

S. 182 „Und ersonnen wird, was die Technologie hergibt, und nicht, was viele Menschen oder die Gesellschaft dringend btrauchen.“

Wer regiert ist egal

S. 53 „Verglichen damit ist die Frage, wer in Deutschland Bundeskanzler ist, nicht einmal eine Fußnote wert. … Erstaunlicherweise aber wird die Digitalisierung von vielen Politikern kaum ernsthaft moralisch bewertet oder auch nur ausgedeutet.“

Freiheit und Überwachung, „1984“

S. 63 „Auf das Versprechen der ungehinderten Kommunikation im Internet folgte jedenfalls kein Frühling der Freiheit, sondern der lange winter der totalen Überwachung. Die Demokratien des Westens fanden sich damit erstaunlich schnell ab. … das allmähliche Verschieben einer Sache in eine ganz neue Dimension in tausend kleinen und für sich genommen kaum bemerkenswerten Schritten. So waren die Deutschen mal Nazis geworden …“

S. 74 „Das alles geschieht so oft und so alltäglich in kleinen Schritten, dass es irgendwann keinen mehr stört. Die Anoralität von gestern ist die Normalität von morgen. … Unser Leben ist nicht Sein, sondern Design, eine an unseren Errechneten Bedürfnissen angepasste Benutzeroberfläche.“

S. 67 ““Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger, worüber du nachdenkst“ – die Worte des Google-Topmanagers Eric Schmidt sorgten 2011 noch für etwas Verstörung. 15

S. 69 ““Mündig“ sind nicht meine Vernunft, mein sogenannter Wille und mein Wissen um mich selbst. Viel mündiger, weil kundiger, ist die Summe meines Verhaltens, in Algorithmen erfasst, erzählt es mir nicht nur, was ich getan habe und wer ich bin, sondern auch, was ich als Nächstes tun werde.“

S. 71 „Durch Informationsauswahl oder Kaufempfehlungen, mitunter geschickt versteckt, lässt sich dieses Verhalten zugleich steuern. Auf diese Weise wird Verhalten derart manipuliert, dass es den Wünschen des Unternehmens seiner Werbekunden oder im Zweifelsfall auch den von Geheimdiensten entspricht.“

Mensch und Computer

S. 73 „Wenige Menschen sagen Computern, was sie tun sollen. Viele tun das, was Computer ihnen sagen.“

 

 

 

Grenzen und Tote

S. 77 „Die durchfiktionalisierte Gesellschaft lässt Elend, Armut und Umweltkatastrophen als Informationen unter anderen erscheinen, eine Wischbewegung weiter wird es wieder bunt und lustig. Die Hunderttausende von Toten die jedes Jahr an den Grenzen der privilegierten Welt erschossen werden, weil auch sie ins grundversorgte digitale Nirwana drängen, sind bekannt, kommen aber im moralischen Bewusstsein so wenig wie etwa im Jahr 2018 die Gräuel der industriellen Tierhaltung; nicht schön, aber es geht wohl nicht anders.“

DOTA – Grenzen (live Session) https://youtu.be/txanYnZgsWI

Angst

S. 84 „Viele Ängste des Menschen mögen zwar im Wortsinne zwar nicht rational sein, sondern eben emotional – aber sie sind durchaus vernünftig. Ängste sichern das menschliche Überleben seit den Anfängen unserer Spezies. Ein Dach über dem Kopf, ein überschaubares Terrain und Lebensvorgänge, die ich deuten und verstehen kann, sind biologisch wichtig und damit auch psychologisch. In einer Wirtschaftsform, die allen Raum auf unserem Planeten entgrenzt, Kulturen im Eiltempo entwurzelt, Tradition durch Neues ersetzt, flache Gesellschaften in Arm und Reich spaltet und überall Bedürfnisse und Bedarf weckt, sind solchen Seelenheimaten belanglos.

Geflüchtete

S. 88 „Die bunten Gesellen, vom Sturmwind verweht, die Glückissucher mit Plastiktüten, Kopftüchern und Kunstlederjacken, die ihre üblen Erfahrungen und unerfüllten Träume mitbringen, sind keine Ursache von irgendwas, sondern die Folge unseres Wirtschaftens, sind Folge von ungleichen Lebenschancen und Ressourcen.“

„Hans-Dieter Schütt: Fürchtest du dich vor den Armen dieser Welt?

Gerhard Gundermann: Im Bergbau gibt es den Begriff der Standsicherheit. Eine Sandböschung beispielsweise ist stabil bis 27 Grad; alles, was steiler ist, gilt als rutschungsgefährdet. Das Wohlstandsgefälle schon in Europa schätze ich auf 76 Grad. Der Moment, in dem sich diese Böschung auf einen stabilen Winkel ausgleicht, wird uns den Zweiten Weltkrieg als harmloses Geländespiel erscheinen lassen.“

Quelle: Tankstelle für Verlierer: Gespräche mit Gerhard Gundermann. Eine Erinnerung Taschenbuch – von Hans D Schütt (Autor)

Nationalisten

S. 92 „In ihrer Sehnsucht nach Heimat, traditionellen Werten, religiösen Bindungen, kulturellen Identitäten und Autoritätsglauben sind sich konservative Nationalisten und islamische Fundamentalisten erstaunlich eins. Beide misstrauen sie dem Fremden, beide glauben, zu den tapferen Aufrechten in feindlicher Umgebung zu gehören und fühlen sich vom libertinären Mainstream überrollt, nicht wertgeschätzt und missverstanden. … Zumal schon allerorten patriotische Islamisten gegen die Europäisierung des Morgenlandes unterwegs sind, sei es als IS, als al-Qaida oder sonst wer.“

AfD

S. 94 „Denn aus dieser Sicht ist das krakeelende Unbehagen in der Kultur, das sich AfD nennt, nur eines: ein Vorbeben, dem viele gro0e Erschütterungen folgen werden.“

„Der Verfassungsschutz sieht Anhaltspunkte dafür, dass die AfD verfassungsfeindlich ist. Das geht aus einem detaillierten und geheimen Gutachten hervor, das wir in voller Länge veröffentlichen.

Quelle: https://freihandelpressespiegel.com/2019/01/29/wir-veroeffentlichen-das-verfassungsschutz-gutachten-zur-afd/“

Konservatives Denken

S. 96 bis 97 „… – tatsächlich ist konservatives Denken schon lange kein Identitätsmerkmal von >>rechts<<. Gewerkschaften, die Besitzstandswahrung betreiben, Linke, die den Lauf der Weltökonomie pauschal verdammen, und der letzte kleine Rest Ökofundamentalisten bei den Grünen – sie alle sind Gegner des global entfesselten Liberalismus und damit konservativ.“

Wut

S. 97 „Und mit Aristoteles ergänzen: >>Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.<<“

„Diese Wut hat lange, tiefe Wurzeln. Auf meiner Wanderung sprach ich mit Immobilienmaklern, die mir erzählten, dass Investoren aus wohlhabenderen Gegenden ganze Häuserreihen aufkauften, bar bezahlten und Ortsansässige einfach überboten. Mieter auf dem privaten Markt mussten jetzt 52 Prozent ihres Einkommens für Miete aufbringen, verglichen mit sieben Prozent im Jahr 1981. Dank des „Vorkaufsrecht für Mieter“-Programms der Tories ist die Zahl der Immobilien in öffentlicher Hand von fünf Millionen Anfang der 1980er auf 1,7 Millionen gesunken und wird es wohl weiter tun.“

Quelle: https://freihandelpressespiegel.com/2019/03/31/die-wurzeln-der-wut/

Leben in Freiheit

S. 102 „… einem Leben als freie Gestalter ihres Charakters, als unabhängige Regisseure des eigenen Films und erfüllt in tätiger Sorge um sich und die anderen.“

S. 170 „Seinem Leben selbst einen Rahmen zu setzen und gute Pläne für den Tag zuz entwickeln ist die Herausforderung der Zukunft!“

S. 186 „Frei zu sein bedeutet, Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen zu übernehmen, nicht, sich betreuen zu lassen.“

S. 218 „Intransparenz im menschlichen Verhalten, Grauzonen und die Möglichkeit, gegen Regeln und Normen zu verstoßen, sind ein elementarer Bestandteil der menschlichen Freiheit.“

S. 224 „Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Daten freiwillig hergeschenkt werden – denn vielen digitalen Kommunikationsmitteln wie einem Smartphone, einer Schuchmaschine oder einem Instant-Messenger wie WhatsApp kann man sich kaum entziehen. Die Freiwelligkeit ist also so freiwillig nicht, sondern sie geschieht unter sozialem Zwang bei Gefahr sozialer Isolation.“

S. 235 „Das Freiheitsparadox unserer Zeit besteht also darin, die Freiheit des Personendatengebrauchs scharf zu beschneiden, um die Freiheit der Bürger weiterhin zu sichern beziehungsweise zurückzugewinnen. Je liberaler sich der Staat in dieser Frage zeigt, umso mehr lässt er zu, dass unsere Werte unterspült und unsere Freiheit abgeschafft wird. Ordnungspolitik zu betreiben und unsere Grundordnung zu verteidigen bedeutet, die verfassungsmäßig garantierten Persönlichkeitsrechte vor allem das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zurückzuerlangen!“

S. 236 „Es ist bestürzend, dass sich in der Bundesrepublik Deutschland jemand allein schon dadurch verdächtig macht, dass er seine Daten unkenntlich macht. Deutlicher dürfte sich kaum zeigen lassen, wie sehr die Dinge aus dem Lot geraten sind.“

S. 242 „… mehr und mehr Menschen davon befreit, aus existenzieller Abhängigkeit, Angst und Erpressbarkeit langweilige und wenig würdige Arbeit tun zu müssen.“

„An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für freie Entwicklung aller ist. [1*]“

Quelle: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1848/manifest/2-prolkomm.htm

Befreiung von Arbeiten

S. 104 bis 105 „Oscar Wilde … >>Der Sozialismus und die Seele des Menschen<< … Erst wenn der Mensch sich von den niederen Lohnarbeiten befreit, wird er seinen Individualismus verwirklichen können: >>Jede rein mechanische, jede eintönige und dumpfe Arbeit, jede Arbeit, die mit widerlichen Dingen zu tun hat und den Menschen in abstoßende Situationen zwingt, muss von der Maschine getan werden.<< … >>Jetzt verdrängt die Maschine den Menschen. Unter richtigen Zuständen wird sie ihm dienen. …. Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen ..<<“

„1. Die Herrschaft der toten Arbeit

 

Ein Leichnam beherrscht die Gesellschaft – der Leichnam der Arbeit. Alle Mächte rund um den Globus haben sich zur Verteidigung dieser Herrschaft verbündet: Der Papst und die Weltbank, Tony Blair und Jörg Haider, Gewerkschaften und Unternehmer, deutsche Ökologen und französische Sozialisten. Sie alle kennen nur eine Parole: Arbeit, Arbeit, Arbeit!“

Quelle: krisis.org „Manifest gegen die Arbeit

Macht im Netz

S. 110 „Die Macht im Netz, so mussten die Piraten 2014 schmerzhaft feststellen, haben nicht eine Handvoll junger Leute, die dort Demokratie spielen dürfen, sondern die großen Digitalkonzerne und die NSA.“

Leistungsgesellschaft

S. 115 „Und wenn heute in Deutschland pro Jahr 400 Milliarden Euro schlichtweg vererbt werden, ist der Begriff >>Leistungsgesellschaft<< kaum mehr als ein Euphemismus.31

„Damit wird wieder einmal deutlich, wie verdreht sich die menschliche Gesellschaftsstruktur nach gut 200 Jahren Kapitalismus präsentiert. Gut 2.000 Figuren tanzen bildlich gesprochen den meisten der restlichen sieben Milliarden Erdenbürgern auf der Nase herum. Dieses Regiment der Oligarchen bestimmt die globale wirtschaftliche und damit politischen Agenda und beweist zugleich, wie asozial die Kernthese der »Marktwirtschaftspropheten« von der »Leistungsgesellschaft« ist, in der jeder die Chance habe aufzusteigen. Dabei ist ein Jackpot im Lotto vermutlich leichter zu erlangen.“

Dieter Schubert in der Jungen Welt Ausgabe vom 08.03.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit https://www.jungewelt.de/artikel/328629.die-drei-typen-von-ganz-oben.html?sstr=Leistungsgesellschaft

von der Arbeit zum tun

S. 118 „Nach Auswertung von zweihundertneundundachtzig Expertenmeinungen fällt alles weg, was mittel- oder langfristig durch Technik ersetzbar ist. Übrig bleiben vor allem jene Berufe, in denen >>Empathie<< gefragt ist, in denen man sich um etwas kümmert, jemanden umsorgt, ihn pflegt, ihm zuspricht, ihn coacht, ihn bildet, ihm individuell Sorgen und Nöte lindert und ihm hilft, Probleme zu lösen. Auf die Frage, was die meisten Menschen tun, meint Delphi: >>Alle Menschen werden irgendetwas tun. Aber vieles davon geschieht eben nicht mehr im Rahmen von Erwerbsarbeit. Aber alle produzieren eetwas: sei es Freude oder Lärm.<<34

„Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat Jeder einen bestimmten ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der ihm aufgedrängt wird, aus dem er nicht heraus kann; er ist Jäger, Fischer oder Hirt oder kritischer Kritiker und muß es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will – während in der kommunistischen Gesellschaft, wo Jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“

Quelle: Marx/Engels, Feuerbach – Gegensatz von materialistischer und idealistischer Anschauung http://mlwerke.de/me/me03/me03_017.htm

Bildung

S. 119 „Wer Bildung als Allheilmittel gegen die Arbeitslosigkeit der Zukunft sieht, hat nicht recht verstanden, was Bildung ist: die Befähigung zu einem gedankenreichen und hoffentlich erfüllten Leben, nicht die genaue Anpassung an den Arbeitsmarkt. … Und zweitens brauchen auch und gerade jene Menschen ein hohes Maß an Bildung und Kreativität, die zeitweilig oder länger keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Seinen Tag frei zu gestalten, sich freiwillig für eine Sache einzusetzen, Pläne zu gestalten, sich freiwillig für eine Sache einzusetzen, Pläne zu machen und Ziele zu entwickeln, die einem niemand vorgibt – all diese Fähigkeiten unterscheiden den glücklicheren Menschen ohne Brotberuf vom abgespeisten, der sich nutzlos fühlenden unglücklicheren.“

S. 168 bis 169 „Maßstab für ein neues Bildungssystem kann nicht ein gemutmaßter Arbeitsmarkt sein, sondern das Ziel, unsere Kinder dazu zu befähigen, sich in der zukünftigen Welt gut zurechtzufinden. Dabei müssen sie nicht nur lernen, Technik zu beherrschen (das können sie meist schon von selbst). sondern sie müssen lernen, sich in einer Gesellschaft, in der die Technik eine immer größere Rolle spielt, orientieren zu können. Sie müssen das, was sie als Mensch und als Individuum ausmacht, kultivieren. Wer jedem äußeren Reiz sofort nachgibt, wer verlernt hat, sich lange auf eine einzige Sache zu konzentrieren, wer seine Sprache nicht pflegt, wer keinen Bedürfnisaufschub verträgt, wird dies gewiss nicht tun.“

S. 171 „Wer zu viele Dinge auf einmal erledigt, betreibt kein Multitasking, sondern schädigt dauerhaft sein Gedächtnis.“

Grundsicherung (BGE)

S. 123 bis 124 „Die erste Bedingung, um die neue Welt des digitalen Zeitalters nicht zu einer menschenverachtenden Systopie werden zu lassen, ist also eie materielle Grundsicherung.

S. 137 „Von allen Fragen, die das BGE aufwirft, ist die Finanzierung mithin das kleinste Problem. Viel spannender sind die psychologischen Fragen, denn hier geht es um das Menschenbild der Gegenwart und der Zukunft. Weltanschauungen treffen hier aufeinander, Glaubensgrundsätze, lieb gewordene Vorurteile, kulturelle Prägungen und Mentalitäten.“

S.147 „Denn wie hoch mü+sste ein Grundeinkommen sein, das den Verlust an Kaufkraft durch digitale Rationalisierung tatsächlich auffängt? Die bisher angeführten 1500 Euro wären dafür gewiss noch viel zu niedrig. Ein deutlich höheres Grundeinkommen zu zahlen aber führt unweigerlich zuu einer völligen Neuordnung des Arbeitsmarkts und möglicherweise – wir diskutieren das am Ende des Buches – in ein anderes gesellschaftliches System.“

S. 149 „Um Menschen zu ermöglichen, frei zu leben, müssen ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden.“

„Die Geschichte war zum ersten Mal auf ihre wirkliche Grundlage gestellt; die handgreifliche, aber bisher total übersehene Tatsache, daß die Menschen vor allem essen, trinken, wohnen und sich kleiden, also arbeiten müssen, ehe sie um die Herrschaft streiten, Politik, Religion, Philosophie usw. treiben können – diese handgreifliche Tatsache kam jetzt endlich zu ihrem geschichtlichen Recht.“ Quelle: http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_096.htm Friedrich Engels, Karl Marx Geschrieben Mitte Juni 1877. Nach: „Volks-Kalender“, Braunschweig 1878.

„Macheath: Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben, Und Sünd und Missetat vermeiden kann, Zuerst müsst ihr uns was zu fressen geben, Dann könnt ihr reden, damit fängt es an. Ihr, die ihr euren Wanst und unsre Bravheit liebt, Das eine wisset ein für allemal, Wie ihr es immer dreht, und wie ihr’s immer schiebt, Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Erst muss es möglich sein auch armen Leuten, Vom grossen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.“ Quelle: http://dreigroschenopersongtext.blogspot.com/2009/04/ballade-uber-die-frage-wovon-lebt-der.html http://dreigroschenopersongtext.blogspot.com/ Bertolt Brecht Ballade über die Frage „Wovon lebt der Mensch“

KATJA KIPPING – Grundeinkommen ist mit links zu machen Die Debatte um ein Grundeinkommen rührt an den großen Fragen unserer Zeit. Wie soll künftig Arbeit und Soziales organisiert werden? Katja Kipping, Vorsitzende der Linkspartei, wirft einen Blick in die linke Ideengeschichte des Grundeinkommens und wirbt für ihr Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens. Eine Streitschrift

Quelle: https://www.cicero.de/wirtschaft/grundeinkommen-ist-mit-links-zu-machen/52358

Linke und Utopie

S. 130 „Dass viele Linke heute >>Utopie<< für einen negativen Begriff halten, ist traurig genug – immerhin stand gerade die Linke historisch stets für neue, sozialere Gesellschaftsideen.“

Finanztransaktionssteuer

S. 135 „Kein Wunder, dass angesichts der globalen Finanzmarktkrise die EU-Kommission die Idee einer Finanztransaktionssteuer 2011 aufgriff – unter heftigen Widerstand Großbritanniens, das wie kein anderes EU-Land vom Finanzsektor lebt. Als der Entwurf 2013 fertig war, war nur noch von elf EU-Ländern die Rede. Doch je länger die Krise zurücklag, umso weniger wurde das Konzept weiterverfolgt. Die Lobbys der Finanzindustrie gewannen wieder die Oberhand und fluteten die Wirtschaftsseiten der großen Zeitungen und Zeitschriften mit fadenscheinigen Argumenten. Was auch immer an Einwänden über den volkswirtschaftlichen Nachteil vorgebracht wurde, der Vorteil überwiegt sie bei Weitem. Eine Finanztransaktionssteuer macht die Finanzmärkte stabiler und verringert die Zockerei im Börsencasino. Verlierer sind nur die Extremzocker und niemand sonst.45

S. 146 „Bezahlen müssen diesen Schritt nicht die normalen Erwerbstätigen, sondern Menschen, Firmen, Banken und Institutionen, die mit weit mehr Geld ausgestattet sind, als sie ausgeben können, und damit an der Börse spielen. Ihre Riesengfewinne werden ein bisschen kleiner, und manches blitzschnelle Geschäft lohnt sich nicht mehr; die >>Leidtragenden<< werden es überleben“

„Die Finanztransaktionssteuer gehört zu den Gründungsforderungen von Attac. Die Oppositionsparteien sind dafür, auch die Bundesregierung hat sich deutlich bewegt. Inzwischen geht selbst die Bundeskanzlerin mit der Forderung weltweit hausieren. Das Thema ist also auf der höchsten politischen Ebene angelangt. Doch die Bundesregierung hält sich bei dem Thema noch ein paar Hintertürchen offen. „ Quelle: https://www.attac.de/index.php?id=7415

Zukunft

S. 136 „Der Motor des sozialen Fortschritts war noch nie das bessere Argument, sondern immer waren es der Affekt und die Katastrophe. Die Pläne dafür aber müssen jetzt geschmiedet werden und nicht im Zustand des Dramas, der Überforderung und der Schnellschüsse.“

Produktivität Einkommen Konsum

S. 146 bis 147 „Produktion zu rationalisieren verspricht volkswirtschaftlich mehr Gewinn; Konsum zu rationalisieren hingegen nicht – jedenfalls dann nicht, wenn nicht gleichzeitig die Kaufkraft steigt. … In Deutschland ist die Produktion weit höher als die Kaufkraft. Die Folge dieser Entwicklung ist bekannt. Je geringer die Kaufkraft im eigenen Land in Vergleich zur Produktion, umso wichtiger wird er Export“

Das Statistik-Portal: Saldo der Außenhandelsbilanz (Differenz zwischen Exporten und Importen von Waren) von Deutschland von 1991 bis 2018 (in Milliarden Euro) s. Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37793/umfrage/exportueberschuss-in-deutschland-seit-1999/

Technikfortschritt und Menschenglück

S. 150 bis 151 „Dass die Technik dem Menschen im Laufe der Zivilisation viel gute Dienste geleistet hat, werden nur wenige bestreiten. Doch dass Technik und Glück deshalb im Gleichschritt durch die Welt marschieren, ist eine steile Behauptung. … Nach Ansicht derjenigen, die den World Happiness erstellen, liegt das Glück in der sozialen Fürsorge, der Gesundheit, der Freiheit, dem Einkommen und an einer guten Regierungsführung. … Für sich genommen garantiert sie [die Technik] aber weder Freiheit noch soziale Fürsorge noch eine gute Regierungsführung. … Seit den Neunzigerjahren hat sich das BIP in China verfünffacht. Und fast jeder städtische Haushalt verfügt heute über Waschmaschine, Fernseher und Kühlschrank. Gleichwohl steht China mit Platz neunundsiebzig im Glücksranking nicht besser da als vor fünfundzwanzig Jahren! Das Glück, das durch Technik und Komfort hinzukam, frisst die soziale Vereinzelung und die Unsicherheit wieder auf.“

S. 154 „Und so wie die erste industrielle Revolution die Arbeiterbewegung als Korrektiv brauchte, um Menschen trotz erklärter Menschenrechte nicht länger als nützliche Werkzeuge zu betrachten, so braucht es auch heute eine starke Bewegung gegen die Schattenseiten der vierten industriellen Revolution. … Die Aufgabe ist damit klar markiert: in einer Zeit radikalisierten Effizienzdenkens das Andere der Effizienz wiederzuentdecken! Denn die technische Entwicklung, so wie das Silicon Valley sie erträumt und predigt, macht uns nicht zu >>Supermenschen<< sondern zu Wesen, die ohne Hilfsmittel nicht mehr können.“

S. 163 „Ein Zustand des ultimativen Komforts ist ein Zustand des Stillstandes. Und dass der Mensch als ein Bewegungstier – er ist kein Steinfisch, keine Spinne, kein Polyp – am glücklichsten sein soll, wenn es außer Knopfdruck und Wischbewegung nichts mehr zu machen gibt, ist eine schräge Interpretation.“

Facebook

S. 156 „Wer sich auf Facebook austauscht, trägt parallel zu einer gewaltigen Machtverschiebung von der Sphäre der Politik in die der Technikkonzerne bei.“

Was den Mensch vom Tier unterscheidet

S. 158 „Ständig das nützliche zu tun charakterisiert dagegen die niederen Tiere. Ameisen und Termiten machen jeden Tag nur das Nützliche. Gerade die bunte Vielfalt des biologisch Verzichtbaren macht Menschen zu Menschen.“

Fortschritt und Gott

S. 159 „In jedem Fall scheint das Hegen und Pflegen von Bewährtem ebenso zum menschlichen Bedürfnis zu gehören wie das Wegwerfen, ablegen, Veralten-Lassen, Entsorgen und Entwerten des Vergangenen. Die Jugend liebt die Sessel ihrer Urgroßeltern ebenso wie ihr Tablet. Das Werden ist nicht in jedem Fall wertvoller als das Sein; die Disruption hat keinen selbstverständlichen Mehrwert vor der Kontinuität. Dass Menschen in Westeuropa im Laufe des 19. Jahrhunderts, je weniger die an Gott glaubten, umso mehr den Fortschritt anbeteten, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Fortschritt kein Gott ist.“

Obsoleszenz

S. 160 „Keine Zufriedenheit eines Kunden darf lange währen, ansonsten ist er nicht bereit, Neu zu kaufen. Aus der Bedarfsdeckungsgesellschaft ist eine Bedarfsweckungsgesellschaft geworden.“

Bedarfsweckungsgesellschaft und nachhaltiger Ressourcen- und Rohstoffeinsatz ist in der kapitalistischen Wirtschaftsweise ein Widerspruch, der innerhalb dieser Wirtschaftsweise, die auf immer neuen Profit ausgerichtet ist, nicht lösbar ist.

Beschleunigung u. Achtsamkeit

S. 166 „Die Lebenswelt weiter beschleunigen zu wollen ist kein Versprechen, sondern eine Drohung. … Und statt alles steigern zu wollen, benötigen wir eine Kultur der Achtsamkeit, die den Wert all der Beziehungen wahrnimmt, die Menschen zu ihrer Mit- und Umwelt aufbauen.“

Kunst und Kreativität

S. 179 „Alles perfekt und nichts mehr überraschend – wenn es wirklich so kommt, braucht niemand mehr Kunst.“

S. 181 „Dabei ist Kreativität in den meisten Fällen des Lebens das, was man einsetzt, wenn man eben nicht ganz genau weiß, was dabei herauskommen soll. Eqw Schema >>Problem<< und >>Lösung<< bringt uns in vielen Fragen menschlicher Kreativität nicht weiter. … Alle reden von Lösungen – Philosophen nicht!“

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern“ Quelle: http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_533.htm Karl Marx Thesen über Feuerbach

SUV

S. 191 „Es scheint, als tanzten die SUV-Fahrer ein letztes Mal auf dem Vulkan, indem sie Autos fahren, deren Energieverbrauch die Lebensgrundlage ihrer Kunden ruiniert.“

ÖPNV“

S. 193 „Um preislich eine echte Alternative zu sein und auch um Staus zur Rushhour zu vermeiden, sollte der OPNV steuerfinanziert sein und nicht durch den Verkauf von Fahrausweisen. Die Benutzung ist damit für jedermann frei, und keiner ist von einem bestimmten Geschäftsmodell abhängig.“

„Kostenloser ÖPNV – und die Stadt verdient daran … den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. Den hat die estnische Hauptstadt vor mehr als fünf Jahren eingeführt. Seitdem erklärt Alaküla regelmäßig Journalistinnen und Journalisten weltweit das Modell in Tallinn.“

Quelle: https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-02/kostenloser-nahverkehr-oepnv-tallinn-estland

Der innere Kompass

S. 195 „Bekommt derjenige einen besseren Tarif, der sich auch ohne höheres Gesundheitsrisiko permanent selbst überwacht? Die Folge könnte aus einer Gesellschaft bestehen, in der Menschen einen großen Teil ihrer Zeit mit Selbstmonitoring beschäftigt swind – einer reichlich egozentrischen Beschäftigung. Sie bringt Menschen hervor, die ohne ihr digitales Helferlein schon bald nicht mehr wissen, wie krank oder wie gesund sie sind, weil der innere Kompass verloren gegangen ist.“

S. 196 „Umso wichtiger ist es, die neue segensreiche Digitaltechnik in der Medizin mit einer ebenso großen Mobilisierung an Empathie zu begleiten. Je exakter und rationaler die Technik wird, umso wichtiger wird der einfühlende und mitfühlende Arzt.“

Aufklärung und Kybernetik

S. 202 „Die Aufklärer wollten die Urteilskraft der Menschen schulen, damit sie sich tugendhaft verhalten. Die Kybernetiker dagegen nehmen ihnen die Möglichkeit, sic untugendhaft zu verhalten. >>Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser<< – ein Jahrhundert lang stand der Lenin-Satz für das zynische Menschenbild des Stalinismus, heute steht er für die Sozialtechnik des Silicon Valley.“

Regelverstoß und Sozialleben

Seite 205 „Wo wirkliche Menschen leben, gehört der Regelverstoß zum Sozialleben dazu.“

Koch und Kellner

S. 212 „Der Britischen Ostindien-Kompanie konnte es ebenso gleich sein, wer unter ihr König war, wie heute Grußkonzernen, wer in Deutschland Bundeskanzler ist. Neu ist allerdings, dass die mit Abstand mächtigsten Grußunternehmen keine nationalen Unternehmen mehr sind. Die GAFAs operieren weitgehend staatenlos und überstaatlich.“

„Die Ablösung des liberalen Nachtwächterstaats durch einen in die ökonomischen Prozesse aktiv eingreifenden Staat bedeutet vor allem, dass die staatlichen Instanzen dazu übergingen, sich offensiv an der Schaffung von fiktivem Kapital zu beteiligen.“

Quelle: Ernst Lohoff, Norbert Trenkle

Die große Entwertung

Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind

Klassenkampf

S. 220 „Heute wissen wir, dass der allgemeine Volkswohlstand erst in dem Moment begann, als Gewerkschaften und Arbeiterbewegung die Regierungen zwangen, sie besser zu bezahlen.“

Die Frage nach der gesellschaftliche Kraft, die im 21. Jahrhundert die Vertreter der Kapitalinteressen zwingen kann, einen allgemeinen Volkswohlstand zu gewährleisten, wird nicht gestellt und nicht beantwortet.

Daseinsvorsorge

S. 232 „Der Staat stellt Eisenbahnschienen und Straße für den freien Verkehr in der Realwelt zur Verfügung und wartet sie. Und er garantiert die Energieversorgung und wartet sie. Und er garantiert die Energieversorgung seiner Bürger. All das ist >>Gegenstand der Daseinsvorsorge<<. Doch warum tut er nicht das Gleiche für den freien Verkehr im Netz? “

Daseinsvorsorge unter Globalisierungsdruck … Der Imperativ der Kapitalverwertung zwingt nicht nur zur weltweiten Erschließung neuerMärkte, der äußeren Landnahme, sondern zunehmend auch zur inneren Expansion. Ins Visierglobal operierender Konzerne geraten nicht nur die natürlichen Ressourcen vom Gen bis zumkompletten Lebewesen, sondern auch sämtliche öffentlichen Dienste: Infrastrukturen wieTelekommunikation, Post, Energie, Wasser und Verkehr, soziale Sicherungssysteme, dasBildungs- und Gesundheitswesen. „

Quelle s. http://www.attac.de/archive/GATS/www.attac.de/gats/hintergrund/fritz-eu-daseinsvorsorge.pdf

Grundrechte

S. 234 „Eine humane Zukunftsgesellschaft wägt das recht auf Privatsphäre nicht mit Wirtschaftsinteressen auf – so wenig wie wir dies heute in Fragen der Sklaverei oder der Kinderarbeit tun. Grundrechte sind Grundrechte.“

EU-Urheberrechtsreform: Fragwürdige Marktbereinigung statt fester Grundrechte

J Klute

Standpunkt von Martina Michels

Eine Reform und vor allem auch eine Harmonisierung des europäischen Urheberrechts wäre nötig gewesen und hätten wir auch sehr begrüßt, denn wir sind uns einig, dass das Urheber- und Urheberinnenrecht an das 21. Jahrhundert angepasst werden muss. Doch es votierte eine Mehrheit des Plenums dafür, sich weiterhin im 20. Jahrhundert zu verstecken: Naive Technikgläubigkeit und härtester Lobbyismus von Springer & Co. haben dazu geführt, dass wir jetzt mit einer Richtlinie konfrontiert sind, die die Meinungsfreiheit bedroht, die Medienpluralität einschränkt und den meisten Kreativen keinen Cent mehr bringen wird. Dass eine Mehrheit der Abgeordneten den Sinn von Memes oder Parodien infrage stellt, kann nicht der Weisheit letzter Schluss für ein Gesetz sein, das die künftige gesellschaftliche Kommunikation in Schranken weist. Am Ende werden die heute getroffenen Entscheidungen die großen Plattformen sogar noch reicher machen als sie ohnehin schon sind, weil sie ihre Uploadfilter-Technologien massenhaft in Lizenzen weiterverkaufen können und werden.“

Quelle: https://europa.blog/eu-urheberrechtsreform-fragwurdige-marktbereinigung-statt-fester-grundrechte/

„Grundrechte sind wesentliche Rechte, die Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber Staaten als beständig, dauerhaft und einklagbar garantiert werden. In erster Linie sind sie Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat, sie können sich jedoch auch auf das Verhältnis der Bürger untereinander auswirken („Drittwirkung“).“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Grundrechte

Krise

S. 243 bis 248 „Denn gleich drei große Krisen zeichnen sich heute am Horizont ab. … Die erste Krise ist die Konsumkrise. … Wenn ökonomische Blasen dadurch entstehen, dass leicht verfügbare Kredite übermäßig Investitionen ermöglichen, die anschließend nicht aufgehen – so könnte die Weltfinanzkrise von 2007 bis 2009 schon bald eine gewaltige Digitalkrise folgen. … Die digitale Ökonomie, zumindest dort, wo sie auf Konsum angewiesen ist, hat eine gewaltige Krux. Zu wenige Menschen verdienen in Zukunft noch genug Geld, um das System in bisheriger Weise am Leben zu erhalten. … die ökologische Krise, die in ihrer Gesamtdimension die beiden anderen weit übertrifft. Unser gesamtes, inzwischen immer globales Wirtschaftsmodell ist noch im Jahr 2018 auf unendliches Wachstum ausgerichtet und nach wie vor auf schonungslose Ausbeutung von Ressourcen und höchste Belastung des Klimas. … So treibt die Digitalisierung die Ressourcenausbeutung und den Klimawandel stets weiter voran.“

„In einer Gesellschaft, die den stofflichen Reichtum und die Befriedigung konkret-sinnlicher Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellte, könnten die Potentiale, die der Kapitalismus geschaffen hat, sicherlich dafür genutzt werden, allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen und die notwendige Arbeit auf ein Minimum zu reduzieren. Da aber der Zweck der kapitalistischen Produktion die Verwertung des Werts ist und aller stoffliche Reichtum durch diese Form abstrakten Reichtums hindurch muss, kehren sich die Produktivkräfte nun gegen die gesellschaftliche Form, die sei hervorgebracht hat. Kurz gesagt: Die Potentiale der stofflichen Reichtumsproduktion sind nicht mehr kompatibel mit dem engen und bornierten Selbstzweck der Kapitalverwertung.“

Quelle: Ernst Lohoff, Norbert Trenkle

Die große Entwertung

Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind

gesellschaftliche Unruhen

S. 249 „Wie bei jeder Zeitenwende sind große Unruhen zu befürchten, und bereits bestehende Unruhe wird weiter verstärkt. … Klimawandel … Migrationsbewegungen … blindwütiger völkischer Nationalismus … Separatismus … Protektionismus … Empörungs- und Hasskultur … Parteienverdrossenheit … Ablenkungskriegen … Verschwörungstheorien … Milizenbildung … Progromen“

S. 266 „Während die Industrienationen darüber nachdenken, wie sie weiterhin die Gewinner bleiben können, vergrößern sie den Abstand zu den armen Ländern und produzieren Verlierer. Die Folge sind Migrationsströme ungekannten Ausmaßes, denen gegenüber die Geflüchteten der letzten Jahre ein kleines Vorbeben waren.“

„Hans-Dieter Schütt: Fürchtest du dich vor den Armen dieser Welt?

Gerhard Gundermann: Im Bergbau gibt es den Begriff der Standsicherheit. Eine Sandböschung beispielsweise ist stabil bis 27 Grad; alles, was steiler ist, gilt als rutschungsgefährdet. Das Wohlstandsgefälle schon in Europa schätze ich auf 76 Grad. Der Moment, in dem sich diese Böschung auf einen stabilen Winkel ausgleicht, wird uns den Zweiten Weltkrieg als harmloses Geländespiel erscheinen lassen.“

Quelle: Tankstelle für Verlierer: Gespräche mit Gerhard Gundermann. Eine Erinnerung Taschenbuch – von Hans D Schütt (Autor)

Kapitalismus im 21. Jahrhundert

S. 233 „Und wie der grobe Manchester-Kapitalismus der grauen Herren mit den dicken Zigarren, so muss auch der freundliche Palo-Alto-Kapitalismus auf seinen leisen Sneakersolen als entfesselte Extremform erkannt und entsprechend zivilisiert werden.“

S. 250 bis 254 „Doch ob die Gesellschaft der Zukunft besser oder schlechter wird, ist nicht ausgemacht. … Doch dass der sich stets weiter entfesselnde Kapitalismus, der im 21. Jahrhundert mit Billionensummen in Geschäftsmodelle investiert, die unsere Freiheit bedrohen und unsere Umwelt rasant zerstören, nicht das Gutre ist, ist heute ziemlich breiter Konsens…. Warum sollten soziale Netzwerke, Suchmaschinen, Sprachassistenten und auch das Internet der Dinge nicht Gemeineigentum sein? Je mehr alles Wissen demokratisiert wird, umso weniger bedürfe es noch der Kapitalisten, die gewinnorientierte Geschäftsmodelle damit betreiben. Wissen und Kommunikation sollen, so hatte Marx bereits 1858 gefordert, nicht nur >>Mittel<< des Kapitals sein. Sie müssen allen gehören. Und wenn sie das tun, dann >>sprengen<< sie den Kapitalismus damit >>in die Luft<<. … Die zweite Frage ist, wer im Fall eines Crashs das Heft des Handelns in die Hand nehmen müsste, um kapitalistische Geschäftsmodelle in eine Gemeinwohlökonomie umzuwandeln. … Wir werden wieder mehr Sozialismus in den Kapitalismus implementieren müssen, um die aufsteigende Linie von Bismarck über die Freiburger Schule fortzusetzen – oder aber wir riskieren gewaltige ökonomische und gesellschaftliche Crashs. … Wie der Umweltschutz der Bio- und Ökobewegung bedurfte, so bedarf der Umgang mit der Technik einer Bewegung für humane Technologie und humanen Technologieeinsatz. … Gesellschaftliche Umbrüche bedürfen der Katastrophen – aber auf die dürfte auch diesmal Verlass sein.“

Dem Autor geht es nicht um die Überwindung des Kapitalismus.

 

 

 

„Bleiben die Zwangsmaßnahmen der sozialen Kämpfe in der Krise aus, dann können dem Staat keine Zugeständnisse abgerungen werden, dann bleibt die Politik die Politik des Kapitals – und auch bescheidene Ziele wie eine Vermögenssteuer Illusion. … Ob sich allerdings die Dinge in die richtige Richtung bewegen, darüber entscheiden nicht so sehr Besteller und Feuilletondebatten, sondern soziale Kämpfe.“

Quelle: Kapitalismus: Die ersten 200 Jahre: Thomas Pikettys „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ – Einführung, Debatte, Kritik (Kapital & Krise, Band 1) von: Stephan Kaufmann

Aufgeklärte Gesellschaft

S. 261 „Aufgeklärte Gesellschaften sind selbstbestimmt und nicht fremdbestimmt, ferngesteuert durch Gott, das Kapital oder die Technik.“

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