Stehen wir vor einer neuen Finanzkrise?

18. Dezember 2018 Joachim Bischoff

Foto: flickr.com/Rafael Matsunaga (CC BY 2.0)

Die ehemalige amerikanische Notenbankchefin, Janet Yellen, hat Mitte Dezember 2018 vor der Gefahr einer neuen Finanzkrise gewarnt. Grund dafür sei die derzeit vorangetriebene Deregulierung des Finanzsektors.

»Ich denke, die Dinge haben sich gebessert – aber dann denke ich wieder, dass es gigantische Löcher im System gibt«, sagte die ehemalige Fed-Chefin dem Sender CNBC. »Die Werkzeuge, um mit aufkommenden Problemen umzugehen, sind in den Vereinigten Staaten nicht großartig.« Sie sei insbesondere besorgt über die hohen Schulden von Unternehmen. Amerikanische Unternehmen seien zur Zeit mit 9,1 Bio. US-Dollar verschuldet. 2007, ein Jahr vor der Finanzkrise, lag die Unternehmensverschuldung bei lediglich 4,9 Bio. US-Dollar. 

»Die Unternehmensverschuldung ist derzeit ziemlich hoch – und ich denke, die Gefahr besteht, dass wenn etwas anderes einen Abschwung verursacht, diese Schulden den Abschwung verlängern und für viele Unternehmenspleiten außerhalb des Finanzsektors sorgen könnten«, sagte die Ökonomin.

Die Beunruhigung über die Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten teilt auch Claudio Borio von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). »Die Marktanspannungen im vergangenen Quartal waren kein isoliertes Ereignis.« Mehr noch: Die Turbulenzen an den Finanzmärkten – auch an den Wertpapierbörsen der letzten Monate – sind ein deutliches Warnsignal. Die US-Aktienindizes haben ihre Talfahrt der letzten Wochen fortgesetzt und sind auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2017 zurückgefallen.

Was steht hinter der Nervosität?

Zum einen bewegt sich die Kapitalakkumulation in der Spätphase des laufenden Konjunkturzyklus und es herrscht wenig Optimismus, ob der allfällige Periodenwechsel wirtschaftspolitisch moderiert werden kann. Daran, dass der laufende Wirtschafts- oder Konjunkturzyklus in die Endrunde eingebogen ist, gibt es wenig Zweifel. Zum anderen änderte sich die Wahrnehmung des geldpolitischen Kurses der Federal Reserve. Wird die amerikanische Notenbank Weiterlesen Stehen wir vor einer neuen Finanzkrise?

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Solidarität mit Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız RAV fordert umfassende Aufklärung

Kategorie: Grundrechte 

Pressemitteilung Nr. 7 vom 18. Dezember 2018

Unsere RAV-Kollegin, Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız, ist aufgrund ihrer anwaltlichen Tätigkeit immer wieder Ziel schwerwiegender und rassistisch aufgeladener Anfeindungen. Diese Angriffe mündeten im August dieses Jahres in widerlichen Morddrohungen gegenüber ihrer Tochter und haben damit eine neue Dimension erreicht. Frau Başay-Yıldız ist eine engagierte Rechtsanwältin, die sich vorbehaltlos für die Interessen und Rechte ihrer Mandantschaft einsetzt – und damit die Kernaufgabe der Anwaltschaft im Rechtsstaat erfüllt. Die Angriffe richten sich gegen diese Arbeit.

Wir Anwältinnen und Anwälte im Republikanischen Anwältinnen- und Anwälteverein erklären uns solidarisch mit unserer Kollegin. Zum wiederholten Mal wird eine Rechtsanwältin im Zusammenhang mit ihrer Berufsausübung Ziel von Hassmails, Anfeindungen und Verleumdungen. Wir nehmen diese konkreten Bedrohungen und Diffamierungen als Ausdruck einer politischen Entwicklung wahr, in der völkisch-aggressives und antidemokratisches Gedankengut wieder hoffähig wird. Beispielhaft sei an dieser Stelle erinnert an die Äußerungen von Alexander Dobrindt zur angeblichen »Anti-Abschiebe-Industrie« der Anwaltschaft.(1)

In diese gesellschaftliche Entwicklung passt es auch, dass gerade die Kolleginnen und Kollegen, deren Namen keinen ›deutschen‹ Klang haben, zum Objekt besonders heftiger Anfeindungen gemacht werden. »Wir begreifen dies nicht nur als Angriff auf die Anwaltschaft, sondern als Angriff auf die humanistischen, demokratischen Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens«, erklärt Rechtsanwalt Dr. Stolle, Vorsitzender des RAV. 

Als besonders alarmierend Weiterlesen Solidarität mit Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız RAV fordert umfassende Aufklärung

»Nationalisten und Patrioten sind Idioten«

Konstantin Wecker über Kapitalismus, Neoliberalismus und einen neuen Faschismus

Konstantin Wecker: »Nationalisten und Patrioten sind Idioten«

Foto: imago/Lindenthaler

Herr Wecker, Sie haben aus aktuellem Anlass ein neues Album herausgebracht, eine Sammlung »antifaschistischer Lieder«. Wie faschistisch ist unsere Gesellschaft?

Ich habe die Befürchtung, dass es sehr schnell gehen könnte, dass Europa faschistisch wird. Viele Anzeichen deuten gerade darauf hin, nicht zuletzt die Ausschreitungen in Chemnitz vor wenigen Wochen. Das total Erschreckende für mich ist, dass ich mir noch vor zwei Jahren nicht hätte vorstellen können, dass so etwas möglich ist. Dass es so plötzlich passierte, macht mir Angst. Mein Aufruf an alle demokratisch gesinnten Menschen ist daher: Wir müssen jetzt zusammenhalten!

Konstantin Wecker

Als Reaktion auf eine von Rechtsextremen dominierte Demonstration im sächsischen Chemnitz hat Konstantin Wecker das Album »Sage Nein!« veröffentlicht. Darauf versammelt sind »antifaschistische Lieder« aus der langen Karriere des Münchener Musikers und Komponisten, zum Teil textlich aktualisiert oder auch mehrsprachig übersetzt. Im Interview mit Ralf Krämer spricht Wecker über den Erfolg von AfD und FPÖ, die Verbindung von Kapitalismus und Faschismus und erklärt, warum er mit dem Wort »Stolz« nicht viel anfangen kann. Foto: imago/Lindenthaler

Es gab schon in den letzten 30 Jahren immer wieder Ausschreitungen und Anschläge, die Anlass gaben, gegen Neonazis und Rassismus zu demonstrieren. Was macht den Unterschied aus?

Jetzt geht es um Menschen, die eigentlich von sich weisen würden, Nazis zu sein. Sie haben aber trotzdem dasselbe Gedankengut und kein Problem damit, sich mit Nazis abzugeben. Vor zehn Jahren gab es die bekennenden Neonazis, und der Rest der Gesellschaft hat sich von denen distanziert.

Sie halten nichts von der These, dass es auch in Deutschland schon lange ein größeres Spektrum potenzieller Wähler einer rechtspopulistischen Partei gibt, die sich aber jetzt erst zunehmend an die Öffentlichkeit trauen?

Doch, mittlerweile bin ich leider auch davon überzeugt.

Innerhalb der AfD scheint die Frage, wie rechts die Partei nun wirklich sein will, immer wieder umstritten.

Bei der AfD gibt es vielleicht noch ein paar, die sagen, dass sie sich nicht mit Nazis abgeben wollen. Aber Weiterlesen »Nationalisten und Patrioten sind Idioten«