Keine Rettung unterm Kapital

Von Christopher Wimmer

Bolsorano wird Präsident Brasiliens, ein Antisemit tötet Jüd*innen in einer Synagoge, Trump macht aus einer Demokratie eine Autokratie, Merkel tritt wegen ihrer vermeintlich liberalen Flüchtlingspolitik ab. Stehen wir vor einem neuen Faschismus?

Der Faschismus ist eine Herrschaftsform, die die bestehenden Ausbeutungsformen sichern will – die Formen sind unterschiedlich. Mit dem Faschismus verbinden wir in Deutschland die Nazis, die offene Gewalt, den Antisemitismus. Vor kurzem bin ich auf den Begriff des »suizidalen Faschismus« gestoßen. Im Faschismus gibt es einen immanenten Zwang, durch die Zerstörung, die er mit sich bringt, am Ende auch sich selbst zu zerstören. Zwölf Jahre Nationalsozialismus sind geschichtlich ein Nichts und doch stand am Ende die Verwüstung der gesamten europäischen Welt – aber auch der Faschismus ging daran zugrunde.

Zur Person

Karl-Heinz Dellwo, Jahrgang 1952, wuchs in Nordrhein-Westfalen auf. Er besuchte die Wirtschaftsschule ohne Abschluss. Als Mitglied der Roten Armee Fraktion war er 1975 an der Besetzung der bundesdeutschen Botschaft in Stockholm beteiligt, bei der zwei Geiseln und zwei Geiselnehmer getötet wurden. 1977 wurde er zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt und 1995 entlassen. Heute lebt Dellwo als Autor, Filmemacher, Verleger und Kurator in Hamburg. Er ist Mitgründer des Laika-Verlags und Herausgeber der Dokumentarfilmserie »Bibliothek des Widerstands«. Mit ihm sprach für »nd« Christopher Wimmer.

Aber doch nicht wegen der Widersprüche im Faschismus selbst.

Nein, natürlich verstehe ich das nicht evolutionär oder als Automatismus.

Was hilft uns das für heute?

Die postfaschistische Zeit war zunehmend bestimmt durch einen technokratischen Herrschaftsapparat. Aber er trat in gewisser Weise unideologisch auf, Weiterlesen Keine Rettung unterm Kapital

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