Bundeswehr kauft teure Nano-Drohnen und billige Quadrokopter

https://netzpolitik.org/2017/bundeswehr-kauft-teure-nano-drohnen-und-billige-quadrokopter/
Matthias Monroy09.08.2017
Das Verteidigungsministerium verfügt mittlerweile über rund 600 unbemannte Luftfahrzeuge, weitere sind längst in der Pipeline. Das kleinste Dröhnchen wiegt derzeit 18 Gramm, die größten Drohnen sollen bis zu sieben Tonnen schwer sein. Nicht immer geht die Beschaffung schnell genug, deshalb werden Übergangslösungen besorgt.

Ein Gesamtsystem der winzigen „Black Hornet“ besteht aus jeweils drei Drohnen. All rights reserved Prox Dynamics

Die Bundeswehr hat ihren Drohnenfuhrpark um zwei neue Systeme in der Gewichtsklasse unter fünf Kilogramm aufgestockt. Insgesamt beschafft sie dazu 36 weitere Drohnen. Das geht aus der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Markus Grübel auf eine schriftliche Frage hervor. Demnach wurden wie geplant zehn Systeme des Typs „PD-100 PRS Black Hornet“ gekauft. Das Fluggerät des norwegischen Herstellers Prox Dynamics hat ein Gewicht von 18 Gramm, der Rotordurchmesser beträgt 120 Millimeter. Das Verteidigungsministerium gibt die Flugzeit mit 25 Minuten und die Reichweite mit 1.600 Metern an.
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Das Kürzel „PRS“ steht für „Personal Reconnaissance System“. Es soll die Fähigkeit zur „personengebundenen, geräuscharmen und verdeckten Aufklärung im Ortsbereich“ mit einer Aufklärungsreichweite bis zu 500 Metern ermöglichen. Die Bundeswehr will damit beispielsweise im urbanen Raum Häuser vor deren Stürmung aufklären. Die Dröhnchen könnten bei derartigen Einsätzen leicht verlustig gehen. Jedes Gesamtsystem besteht deshalb aus drei Fluggeräten (geplant waren ursprünglich zwei). Navigiert und ausgewertet werden sie über eine Basisstation, ein Steuergerät und ein Display. Der Preis wird in der Antwort nicht genannt, der Informationsdienst Flugrevue spricht von 50.000 Dollar pro System.
600 Drohnen aller Gewichtsklassen
Ebenfalls neu hat die Bundeswehr sechs Drohnen des Typs „Phantom IV“ vom chinesischen Hersteller DJI beschafft. Sie sollen im Rahmen der EU-Militärmission EUNAVFOR MED zur Schleuserbekämpfung auf dem Mittelmeer bei Boardingoperationen eingesetzt werden. Die Maßnahme der Marine firmiert als „Sofortinitiative Seegestützte Aufklärung aus der Luft“, die Bundeswehr bezeichnet das System als „fliegendes Auge“. Medienberichten zufolge hat das US-Militär Sicherheitsbedenken beim Einsatz der DJI-Drohnen, da diese womöglich getrackt werden können. Die Bundeswehr hat damit jedenfalls kein Problem.
Mit den „Black Hornet“ und den „Phantom IV“ verfügt die Bundeswehr über rund 600 Drohnen aller Gewichtsklassen. In den nächsten Jahren stehen jedoch weitere Beschaffungen im Segment der mittelgroßen und großen Drohnen an. Das Verteidigungsministerium spricht von einer weiteren „Sofortinitiative“ für drei Drohnen in der Gewichtsklasse bis 25 Kilogramm. Für welche der Teilstreitkräfte diese angeschafft werden sollen, bleibt offen.
Am Ende kommt die EURODROHNE
Für die Marine hatte ein Staatssekretär im vergangenen Jahr die „Sofortinitiative Befähigung zur automatischen luftgestützten Aufklärung für Korvetten K-130“ angekündigt. Das Verteidigungsministerium nennt die Beschaffung „Vordringlicher Bedarf Marine Unmanned Aircraft System“ (VorMUAS). Das System soll laut der nun vorliegenden Antwort auf die schriftliche Frage aus zwei Drohnen bestehen. Allerdings handelt es sich dabei nur um eine Zwischenlösung bis das Projekt „Aufklärung und Identifizierung im maritimen Einsatzgebiet“ (AimEG) realisiert ist. Dann sollen die drei Korvetten endgültig mit jeweils zwei Helikopterdrohnen bestückt werden.
Hinzu kommt ein Nachfolgesystem für die „Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung“ des Heeres (LUNA), wofür vier Gesamtsysteme mit insgesamt 20 Drohnen vorgesehen sind. Ebenfalls in der Pipeline ist die Bestellung von drei riesigen Spionagedrohnen bei einem US-Hersteller, die mittlerweile als „Persistent German Airborne Surveillance System“ (PEGASUS) bezeichnet werden. Schließlich plant die Bundeswehr die Beschaffung von sieben Kampfdrohnen als Übergangslösung, die ab 2027 durch eine europäische Eigenentwicklung (EURODROHNE) ersetzt werden sollen.
Über den Autor/ die Autorin
Matthias Monroy
Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP. In Teilzeit Mitarbeiter des MdB Andrej Hunko. Publiziert in linken Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien, bei Telepolis, Netzpolitik und in Freien Radios. Alle Texte und Interviews unter digit.so36.net, auf englisch digit.site36.net, auf Twitter @matthimon. Viel zu selten auf der Straße (dafür im Internet) gegen Faschismus, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus. Kein Anhänger von Verschwörungstheorien jeglicher Couleur. Freut sich nicht über Kommentare von AnhängerInnen der genannten Phänomene. Benutzt das (altmodische) Binnen-I trotz Gepolter nervtötender Maskulisten.

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