Das geplante Zusammengehen von Bayer und Monsanto bedroht nicht nur Kleinbauern, sondern auch Konsumenten.

https://www.jungewelt.de/m/artikel/306424.es-geht-nicht-darum-afrika-zu-ern%C3%A4hren.html
 Gespräch mit Stephen Greenberg

Foto: Siphiwe Sibeko/Reuters

Stephen Greenberg koordiniert das Forschungsprojekt zu Nahrungsmittelsicherheit, Saatgut und Bodenfruchtbarkeit im südlichen und östlichen Afrika am African Centre for Biodiversity in Johannesburg
Das African Centre for Biodiversity hat kürzlich in einer Studie festgestellt, »dass ein potentielles Zusammengehen von Bayer und Monsanto signifikant negative Auswirkungen auf den Saatgut- und Pestizidsektor sowie für Bauern und Konsumenten in Südafrika haben würde«. Der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann spricht dagegen von einer »phantastischen Kombination für die moderne Landwirtschaft«, die »die Werkzeuge bereitstellt, um eine schnell wachsende Bevölkerung zu ernähren«. Was ist daran negativ?
Ich bin mir nicht sicher, ob die Agenda dieser Konzerne wirklich darin besteht, die Bevölkerung Afrikas zu ernähren oder ob es nicht doch darum geht, Profite aus der afrikanischen Landwirtschaft zu ziehen. Wir haben große Probleme damit, wie diese Fusionen – es ist ja nicht nur Bayer-Monsanto, sondern es sind auch ChemChina und Syngenta sowie Dow und DuPont – vonstatten gehen. Diese Konzerne kontrollieren zusammen etwa 75 Prozent der privaten Agrarforschung und -entwicklung. Damit sind Landwirte im Prinzip gezwungen, gewisse technologische Pakete anzunehmen, um weiter auf kommerzieller Basis Landwirtschaft treiben zu können.
In der Studie liegt ein Hauptaugenmerk auf Kleinbauern. Warum kaufen diese überhaupt Produkte von Bayer und Monsanto?
Kleinbauern sind in mehrfacher Hinsicht betroffen. Wenn sie Zugang zu kommerziellem Anbau haben möchten, sind sie gezwungen, Pakete von Saatgut, Chemikalien und Dünger zu kaufen. Es gibt nur eine limitierte Auswahl, hauptsächlich Mais und etwas Soja. In Afrika sind diese Kleinbauern stark darauf angewiesen, Saatgut aufzubewahren, also ihre selbst gewonnene Saat erneut zu verwenden. Wenn die Unternehmen aber genetisch verändertes Hybrid-Saatgut anbieten, kann daraus kein Saatgut gewonnen werden, das wieder ähnliche Erträge hervorbringt. Also kaufen sie das nicht und setzen auf andere Saaten und Pflanzenarten. Wenn aber das gesamte Forschungs- und Entwicklungssystem von einer Handvoll sehr großer Konzerne beherrscht wird, steckt niemand mehr Geld in diese Alternativen, in diese Diversität. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und damit sehr schwieriger Anbaubedingungen bedeutet dies zudem, dass unser gesamtes System in Gefahr ist, weil wir von einigen wenigen Pflanzenarten, die im Grunde die gleiche Keimplasmabasis haben, abhängen. Wenn dann eine Plage kommt, kann man die ganze Ernte verlieren.
Momentan frisst sich die Heerwurmeule, eine Nachtfalterart, durch Sambia und Simbabwe. Der dem US-Militär nahestehende Analysedienst Stratfor berichtete, dass vor allem Kleinbauern gefährdet seien, die keinen Zugang zu Pestiziden hätten.
Ich war gerade in Sambia, und das ist dort definitiv ein Problem. Die Pestizidhersteller sagen nun, dass sie die Lösung haben. Wenn die Bauern dann diese Chemikalien anwenden, ist eines garantiert: Es entwickeln sich Resistenzen. Darum müssen diese Unternehmen ständig neue Produkte entwickeln, weil die alten nicht mehr wirken. So geraten die Bauern auf den Technologiepfad und sind auf die Konzerne angewiesen. Die Alternative wäre eine diversifizierte landwirtschaftliche Produktion anstelle von Monokulturen. Dann könnte sich auch die Heerwurmeule nicht so schnell verbreiten. Das ist aber für die Konzerne nicht lukrativ. Es geht nicht darum, Afrika zu ernähren, es geht darum, so schnell wie möglich soviel Geld wie möglich zu machen.
Was sind die Folgen für die Konsumenten?
Die Unternehmen konzentrieren sich auf wenige lukrative Pflanzenarten wie Mais, Soja und Weizen. Das sind industrielle Monokulturen, die industriell geerntet und von Maschinen verarbeitet werden können. Damit werden standardisierte, kohlenhydratreiche Massenprodukte erzeugt, was ernste Gesundheitsfolgen hat.
Um auf Bayer-Chef Baumann zurückzukommen, der angeblich eine wachsende Bevölkerung ernähren will: Welche Auswirkungen haben die Marktkonzentrationen auf die Lebensmittelpreise?
Zunächst werden die Saatgutpreise steigen. Das ist ein Problem für die Landwirte. Mit der Zeit werden diese Preise dann aber an die Verbraucher weitergereicht werden. Durch die hohe Marktkonzentration vom Saatgutverkauf über die Produktion und die Verarbeitung bis zum Einzelhandel haben große Konzerne die Möglichkeit, die Preise zu bestimmen. Die Lebensmittelpreise steigen permanent und machen einen immer größeren Teil der Ausgaben insbesondere ärmerer Haushalte aus.

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