Der Bundespräsidentschaftskandidat der Linken

Christoph ist Armutsforscher und möchte Bundespräsident werden. Die Linken haben ihn für das Amt nominiert. Warum er antritt, warum er so oft in der SPD war, was gut und schief läuft im Land und ob er ein besserer Kandidat als Frank-Walter Steinmeier sein könnte, erfahrt ihr in Folge 296
 
Das Gespräch haben wir am 15. Januar 2017 in Berlin aufgenommen.

Zollschranken für den Freihandel

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1041448.zollschranken-fuer-den-freihandel.html

Foto: imago/UPI Photo

Donald Trump, so viel scheint klar, ist kein Freund des Freihandels. Damit verprellt der amerikanische Präsident viele seiner Klassenkameraden. Freihandel sei der Treiber von Wachstum und Wohlstand, kontert etwa ein deutscher Industrieverband. Politische Kommentatoren aus dem seit Jahrzehnten dominierenden Freihandels-Lager setzen populistisch hinzu: »Für alle!«

Nun mag man dieses Gerangel als Streit verschiedener Industrie-, Finanz- und Wirtschaftsgruppen begreifen. Doch auch im linken Spektrum ist das Verhältnis zum Freihandel ungeklärt. Dabei bietet ein gezähmter Handel großartige Lebenschancen für die Kernklientel der Linken, die »kleinen« Leute.
Der Kuddelmuddel beginnt bereits mit Karl Marx. Im Grunde interessierte er sich nicht für die Fragen des Freihandels. Der Analytiker hoffte lediglich, Freihandel würde den Kapitalismus von innen zersetzen. Ein halbes Jahrhundert später wird sein Freund Friedrich Engels diesen Gedanken noch einmal aufgreifen. Der Freihandel werde dem jetzigen Produktionssystem »eine möglichst rasche Ausdehnung« bescheren und damit die Spaltung der Gesellschaft in eine kleine Klasse großer Kapitalisten und eine große Klasse Lohnsklaven auf die Spitze treiben, bis zum Sozialismus. Mit dieser revolutionären Erwartung lagen beide nicht gänzlich daneben. Doch kam es anders.
Freiheit der Meere
Schon lange vor der »Globalisierung« wurde weltweit Handel getrieben – in der Antike, in der Hanse-Ära und, in ähnlichen Dimensionen wie heute, um 1900. Freier Handel benötigt die »Freiheit der Meere«. Die war durch Kartelle wie die Hanse und die Bildung von (National-)Staaten gefährdet. Der Niederländer Hugo Grotius hatte 1609 die Freiheit der Meere zum Völkerrecht erklärt, und es waren die Holländer, die das mare liberum dann faktisch durchsetzen. Gegen den Widerstand der Engländer: Die wollten die Meere in Interessensphären aufteilen und für sich das größte Stück. Für die Freiheit der Meere tritt das britische Empire erst ab 1840 an, als die Industrie des ersten Industriestaates ihre Produkte ungestört von kostspieligen Scharmützeln in die weite Welt exportieren will.
Auf hoher See wird der Grundsatz mittlerweile allgemein akzeptiert. Grotius’ Freiheit der Meere wurde so zur Basis der modernen Globalisierung. Heute macht der überaus preiswerte Transport in 400 Meter langen Frachtern den Irrsinn finanziell lukrativ, Sojabohnen, T-Shirts oder Smartphones über abertausende Kilometer rund um den Erdball zu schippern.
Dass der freie Handel den Wohlstand erhöht, gilt in der Ökonomik heute als Allgemeinplatz. Die Begründung hatte Adam Smith (»Unsichtbare Hand des Marktes«) geliefert. Für den Schotten war Weiterlesen Zollschranken für den Freihandel