Marcel Fratzscher ad absurdum geführt: Isch over! – Von Christian Christen*

http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2017/01/marcel-fratzscher-ad-absurdum-gefuhrt-isch-over-von-christian-christen/
Da fahre ich gestern auf der Autobahn und höre durch Zufall beim Deutschlandfunk rein. Ich traue meinen Ohren nicht. Im Interview geben der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratscher, und, als sein Stichwortgeber, Jasper Barenberg eine der vielen seichten Wortmeldungen zu Trump und dessen Handelspolitik zum Besten.

Als ob die narzistischen Störungen und Schübe des neuen US-Präsidenten nicht schon schlimm genug wären. Viele der hiesigen Medienvertreter und geistigen Eliten hinken den bisherigen Ankündigungen und Handlungen des 45. US-Präsidenten hoffnungslos hinterher. Wer so irrlichtert, wird weder die möglichen Entwicklungen der kommenden Monate einordnen, noch dem viel und zurecht gescholtenen Rechtspopulismus auch nur ansatzweise begegnen können.
Ich will es kurz machen und nur einige der absurdesten Aussagen von Marcel Fratzscher zugespitzt kommentieren. Wer mag, soll sich darüber hinaus das ganze Interview anhören bzw. durchlesen und sich ein eigenes Bild machen.
Hier zunächst einige Auszüge aus dem Interview:
Jasper Barenberg: Donald Trump hat gesagt, der Ausstieg aus TPP ist eine großartige Sache für die Arbeitnehmer in den USA. Ist das eine gute Nachricht für Arbeitnehmer dort?
Marcel Fratzscher: Nein. Protektionismus, Handelsbarrieren, da gewinnt keiner von, weder die Amerikaner, noch in diesem Fall die Asiaten. Man muss ja erst einmal betonen: TPP ist ja nichts, was schon umgesetzt war, sondern umgesetzt worden wäre. So gesehen ändert sich jetzt überhaupt nichts. Es kommen da keine neuen Jobs in die USA zurück. Ganz im Gegenteil! Mit den Androhungen, die Donald Trump gemacht hat, wird er viele nicht nur ausländische, sondern auch amerikanische Unternehmen verschrecken, die sagen, ich orientiere mich lieber in eine andere Volkswirtschaft. Also Mittel- bis langfristig wird es genau das Gegenteil bewirken. Das ist billiger Populismus, was Donald Trump macht, was Weiterlesen Marcel Fratzscher ad absurdum geführt: Isch over! – Von Christian Christen*

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30 Sekunden näher am Weltuntergang

https://www.ippnw.de/
Weltuntergangsuhr vorgestellt

Nach der Wahl von Donald Trump als neuem US-Präsident haben die Wissenschaftler der „Bulletin of Atomic Scientists“ (BAS) entschieden: Die Gefahr eines Weltuntergangs ist gestiegen, vor allem aufgrund von Atomwaffen und dem Klimawandel. Seit Anfang 2015 stand die so genannte Weltuntergangsuhr (englisch: Doomsday Clock) bei drei Minuten vor Zwölf. Diese Uhr soll zeigen, wie nah die Welt am Abgrund steht. Nun wurde der Zeiger der Uhr auf 2 ½ Minuten vor 12 vorgerückt. Das erste Mal seit 64 Jahren, dass die Uhr so nah an Mitternacht steht.

Die IPPNW teilt die Einschätzung, die Uhr vorzurücken, und äußert große Besorgnis, dass die globalen Bedrohungen weiter gestiegen sind. Die Ärzteorganisation fordert den neuen Außenminister Sigmar Gabriel auf, sich dringend für ein Atomwaffenverbot stark zu machen.
Als Begründung für ihre Entscheidung nennen die Wissenschaftler der Bulletin of Atomic Scientists, dass der neue US-Präsident aufgrund seiner Äußerungen über eine Aufrüstung, den Einsatz und die Verbreitung von Atomwaffen, eine bereits instabile Lage verschlimmert habe. Hinzu komme seine Ablehnung des wissenschaftlichen Konsenses zum Klimawandel. Zum anderen bewerten sie den weltweiten Aufstieg des Nationalismus im letzten Jahr als weitere Bedrohung.
Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin der IPPNW erklärt: „Langsam wachen die Menschen aus ihrem Dornröschenschlaf auf und erkennen, dass die Atomwaffen uns nach wie vor bedrohen. Wenn jemand wie Donald Trump die Macht hat, 4.000 Atomwaffen einzusetzen, verunsichert dieses Wissen viele Menschen. Wir spüren eine neue Angst. Es ist jedoch nicht zu spät zu Handeln. Bereits im März beginnt die Mehrheit der Staaten weltweit Verhandlungen über ein Atomwaffenverbot. Wir fordern Deutschland auf, diese Initiative zu unterstützen.“
Die IPPNW sieht ein Atomwaffenverbot als einen wichtigen Schritt, um die Abrüstung wieder in Gang zu bringen. „Wie damals der Atomwaffensperrvertrag die Verbreitung von Atomwaffen stark eingegrenzt hat, so hoffe ich, dass ein Atomwaffenverbot als völkerrechtliche Norm eine neue Aufrüstungswelle verhindert. Rund 130 Staaten, die weltweit die Atomwaffen genauso ächten wollen, wie biologische und chemische Waffen, stehen 38 Staaten gegenüber, die sich weiterhin an diesen Waffen klammern – darunter auch die deutsche Bundesregierung. Ein Atomwaffenverbot würde einen globalen Paradigmenwechsel in der Sicherheitspolitik darstellen,“ so Hall weiter.
2017 wird die IPPNW mit der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (kurz: ICAN) den Verbotsprozess, der am 27. März 2017 in New York beginnt, mit vielen Aktionen begleiten.

Wir stehen 30 Sekunden eher vor der Weltungergang

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abendzeitung-muenchen.de

Wir stehen 30 Sekunden eher vor der Weltungergang. Zumindest, wenn man der „Doomsday Clock“ Glauben schenken mag. Grund für die Verschärfung: Der Amtsantritt Donald Trumps.
Washington – Unter anderem wegen der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sehen führende Wissenschaftler eine wachsende Gefahr für den Untergang der Menschheit. Das Wissenschaftsmagazin „Bulletin of Atomic Scientists»“ stellte seine „Weltuntergangsuhr“ am Donnerstag um 30 Sekunden vor auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht.
Damit drückte das Bulletin die gesunkenen Chancen aus, einem Atomkrieg oder der Klimakatastrophe zu entgehen. „Das ist historisch. Die Uhr ist in 64 Jahren nicht näher an Mitternacht gewesen“, sagte Physiker und Bulletin-Vorstandsmitglied Lawrence Krauss. 1953, nach den ersten Wasserstoffbomben-Tests, stand sie auf zwei Minuten vor Zwölf. Seit 2015 hatte die Uhr auf drei Minuten vor Mitternacht gestanden.
Nach dem Fall der Mauer um 10 Minuten zurückgestellt
Trump habe im Wahlkampf besorgniserregende Bemerkungen über den Einsatz und die Weiterverbreitung von Atomwaffen gemacht und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel infrage gestellt. „Obwohl er gerade erst das Amt aufgenommen hat, haben die zügellosen Aussagen, der Mangel an Offenheit für den Rat von Experten und fragwürdige Kabinett-Nominierungen eine bereits schlechte Lage der internationalen Sicherheit verschlimmert“, heißt es in der Stellungnahme, die sich an „Anführer und Bürger der Welt“ richtet.
Krawall unter Nachbarn: USA und Mexiko zerstritten
Die Uhr erscheint seit 1947 und soll symbolisieren, wie dicht die Menschheit an der Vernichtung durch Atomwaffen und Umweltgefahren ist. Bei ihrer Einführung stand sie auf sieben vor zwölf. Nach dem Fall der Berliner Mauer hatten die Forscher ihre Uhr deutlich – und zwar auf 17 Minuten vor Mitternacht – zurückgestellt.

Gesellschaft: Kapitalismus auf der Zielgeraden?

http://www.deutschlandfunk.de/gesellschaft-kapitalismus-auf-der-zielgeraden.1184.de.html?dram:article_id=377145
Gesellschaft Kapitalismus auf der Zielgeraden?

Die Krisenherde werden bedrohlicher. Hunderte Millionen Menschen wollen aus ihren Heimatländern fliehen, die Kriegsgefahren wachsen. Das hat viel mit der globalen Marktwirtschaft zu tun. Welche Rolle spielen alternative Demokratiekonzepte für eine Gestaltung der Zukunft?
Von Raul Zelik
Eine Grafik die Menschen verbunden in einem sozialen Netzwerk zeigt. (imago / Ikon Images)

Lässt sich größere soziale Gleichheit ohne eine Veränderung der Eigentumsverhältnisse erreichen? (imago / Ikon Images)

Denn das „Weltsystem Kapitalismus“ hat auf ganzer Linie gesiegt und ist doch am Scheitern. Immer mehr Gesellschaftschaftstheoretiker fordern vor diesem Hintergrund, wieder über Alternativen zum Kapitalismus nachzudenken. Doch in welche Richtung kann überhaupt diskutiert werden? Der Sozialismus ist nachhaltig diskreditiert. Soll man auf die Möglichkeiten des technischen Fortschritts setzen, wie es etwa die Akzelerationisten fordern?
Weist die von Feministinnen formulierte Care-Ethik (die „Sorge“ umeinander und die Natur) einen Ausweg? Lässt sich größere soziale Gleichheit ohne eine Veränderung der Eigentumsverhältnisse erreichen? Und wer könnte eine tiefgreifende Gesellschaftsveränderung überhaupt durchsetzen wollen?

Anhören: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2017/01/29/kapitalismus_auf_der_zielgeraden_postkapitalistische_dlf_20170129_0930_535fe9e2.mp3

Der marktgerechte Mensch

http://marketable-people.org/index.php/de/
Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts  
Der neue „FILM VON UNTEN“ von Leslie Franke, Herdolor Lorenz, Alexander Grasseck und Stefan Corinth, 90 Min.
Helfen Sie mit, dass ein Film entsteht, der zeigt, wie Solidarität verloren geht und wir alle Gefahr laufen, in Konkurrenz zueinander zu versinken, während die Reichen immer reicher werden. 
Europa ist im Umbruch. Seit dem neuen Jahrtausend und nach der Finanzkrise wurden neue Weichen gestellt. Die soziale Marktwirtschaft, gesellschaftliche Solidarsysteme, über Jahrzehnte erstritten, werden ausgehebelt. Besonders der Arbeitsmarkt verändert sich rasant. Hier setzt der Film „Der marktgerechte Mensch“ an.
Noch vor 20 Jahren hatten in Deutschland knapp zwei Drittel der Beschäftigten einen Vollzeitjob mit Sozialversicherungspflicht. 38% sind es nur noch heute. Aktuell befinden sich bereits knapp die Hälfte der Beschäftigten in Praktika, wiederholtbefristeter Arbeit, in Werkverträgen und Leiharbeit!! Altersarmut vorprogrammiert. Völlig ungesicherte Arbeit wie die der „Crowdworker“ (Internet-Arbeiter) und der Auftragsarbeit per App breiten sich schnell aus und unterlaufen den Mindestlohn. Manch gut Gebildete haben 3 Jobs, um zu überleben. JedeR ist sein/ihr eigener „Arbeitnehmer-Unternehmer“. Wer in dieser Gesellschaft mitspielen will, muss sich von klein auf dafür rüsten. Diese Konkurrenz ist uns meist sogar schon eigen.
Diese Entwicklung ist nicht gottgegeben, sie ist menschengemacht! Zuerst wurden in den USA und England die neoliberalen Vorstellungen vom schlanken Staat und einem schrankenlosen, globalen Markt umgesetzt. In Deutschland wurde diese Politik von der rot-grünen Regierung Schröder/Fischer übernommen. Mit einer Senkung der Unternehmenssteuern und der Deregulierung der Arbeit erreichte sie es, deutschen Konzernen nachhaltig enorme Kostenvorteile zu verschaffen. Gleichzeitig sanken die Realeinkommen zwischen 2000 und 2010 im Mittel um 4,2 Prozent. Die Beschäftigten an der unteren Einkommenshälfte mussten sogar Reallohnverluste zwischen 13,1 und 23,1 Prozent verkraften.
Ruinöser Wettbewerb Die Senkung der Arbeitskosten als einseitige deutsche Maßnahme im taufrischen Euro-Währungsverbund hatte katastrophale Folgen. Sie hat der deutschen Exportindustrie entscheidende Wettbewerbsvorteile gebracht – für alle anderen Länder der Eurozone dagegen zunehmende Nachteile ihrer eigenen Industrien. Mit dem Argument wieder wettbewerbsfähig zu werden, sind die anderen Länder seither unter enormen Druck geraten, es Deutschland gleich zu tun. Und in der Finanzkrise wurden Griechenland Spanien, Portugal und Italien sogar gezwungen, die Arbeitsrechte aufzuweichen. „Ich habe geliefert“, sagte Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi bei seinem Staatsbesuch in Berlin. Er hatte die Deregulierung des Arbeitsrechts geliefert. Griechenland, Portugal und Spanien hatten bereits geliefert. Doch die Arbeitslosigkeit ist dadurch nirgendwo gesunken. Aber fast alle Menschen in Europa haben an sozialer Sicherheit verloren und wurden in einen Konkurrenzkampf geschickt, der zunehmend alle Lebensbereiche umfasst.
Viele Menschen ahnen, dass da etwas schief läuft. Sie fühlen sich ausgeliefert, weil sie das Menschenwerk hinter der Deregulierung nicht verstehen. Doch diese Entwicklung ist mitnichten „alternativlos“. Die Demokratie hat nur eine Chance, wenn Bürger anfangen, ihre Interessen zu erkennen. „Der Marktgerechte Mensch“ wird ein Werkzeug dazu sein.
„Der Marktgerechte Mensch“ entsteht als „Film von unten“ – finanziert von denen, die ihn sehen und zeigen wollen. Die letzten Projekte der Filmemacher wie „Wer Rettet Wen?“ „Water Makes Money“ und „Bahn unterm Hammer“ haben gezeigt, wie mit Aufklärung und Mobilisierung Einfluss genommen werden kann.
Deshalb rufen wir auf: Helfen Sie mit, dass dieser Film zustande kommt.
Investieren Sie in den Film „Der marktgerechte Mensch“! Helfen Sie mit, ein Stück Ihrer Zukunft zu sichern. 
110.000 EURO bis um 01.07.2017
180.000 EURO bis zum 31.12.2018
ist die Filmförderung von unten, die das Fundament des Films errichten soll

Die Armen sind gar nicht arm

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1039984.die-armen-sind-gar-nicht-arm.html
1. »Die Armen sind gar nicht arm«

Manche Medien und Forscher behaupten seit einiger Zeit, die Armen seien eigentlich gar nicht arm. »Ein statistischer Trick macht es möglich, dass die Armut auf dem Papier zunimmt, obwohl sich die Lebensverhältnisse in Wirklichkeit seit Jahren günstig entwickeln«, schreibt zum Beispiel die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«. Das Wochenblatt »Die Zeit« spricht von einem »Armutsschwindel«. Und der Statistikprofessor Walter Krämer erklärt, die Armutsquote habe »mit Armut nichts zu tun«. Ihr Argument: Ob jemand als »armutsgefährdet« gilt oder nicht, bemisst sich am sogenannten mittleren Einkommen. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hat, der gilt als arm oder armutsgefährdet.
Das bedeutet: Wenn das mittlere Einkommen steigt, steigt auch die Armutsschwelle. Konkret: Im Jahr 2008 galt ein Single in Deutschland als arm, wenn er weniger als 917 Euro pro Monat zur Verfügung hatte. 2015 lag dieser Wert bei 1033 Euro. Die Kritiker wenden nun erstens ein, dass es zwar mehr Armutsgefährdete geben mag – gleichzeitig bedeute dies aber nicht, dass es den Menschen schlechter gehe. Zweitens gehe es den deutschen Armen doch gar nicht so schlecht, schließlich muss ein armer Mensch zum Beispiel in Bulgarien mit 325 Euro und weniger auskommen.
Gegenargument
Die hierzulande verwendete Armutsdefinition ist international üblich und das ist kein Zufall. Schließlich ist sie sachgerecht. Denn ob jemand in einer Gesellschaft arm ist oder nicht, misst sich vernünftigerweise an einem Normaleinkommen – also an dem Einkommen, das in einer Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt üblich ist. Arme in Deutschland mögen viel mehr haben als Bettler und Bettlerinnen in Kalkutta, die nichts zu essen haben. Arme in Deutschland im Jahr 2014 mögen viel mehr haben als Arme in Deutschland 1890, die zu fünft in einem Zimmer hausten. Aber derartige Vergleiche sind maßlos: Denn auf der ganzen Welt und in der gesamten Menschheitsgeschichte wird man immer Menschen finden, die noch weniger haben oder hatten.
Sinnvoll für die Armutsmessung ist nur der Vergleich aktueller Einkommen mit dem, was eine Gesellschaft aktuell produziert. Wenn ein Mensch extrem geringe Anteile am produzierten Reichtum erhält, ist er arm. Arme Menschen sind eingeschränkt bei der Wahl der Wohnung, der Kleidung, der Lebensmittel, der Zahnbehandlung oder des Urlaubsziels, sie haben weniger Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, sie sind häufiger krank und sterben früher.
Die Armutsquote sagt also nicht nur etwas darüber aus, wie viel Geld ein einzelner Menschen zur Verfügung hat. Sondern auch darüber, wie der Reichtum verteilt ist. Sie ist ein Verteilungsmaß, an dem auch abzulesen ist, ob die Ungleichheit im Laufe der Jahre größer oder kleiner geworden ist. In Deutschland ist die Armutsquote seit Beginn der Messung durch das Statistische Bundesamt im Jahr 2005 größer geworden. Das ist interessant, weil im gleichen Zeitraum die Zahl der registrierten Arbeitslosen um zwei Millionen gesunken ist. Die Entwicklung widerspricht also der These: »Sozial ist, was Arbeit schafft.«
Und was ist aus Sicht der Kritiker dann Armut? Die FAZ bleibt vage und spricht von »wirklich Armen«. Professor Krämer von der Technischen Universität Dortmund nennt als Beispiel die Definition der Weltbank, die Menschen als arm einstuft, die von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag leben müssen. Würde man dies auf Deutschland übertragen, wäre zum Beispiel eine Bettlerin, die hierzulande ohne Papiere lebt, keine Sozialhilfe erhält und täglich zwei Euro einsammelt, nicht arm. So lässt diese Armutsdefinition Armut nahezu vollständig aus Deutschland verschwinden – ganz ohne Umverteilung des Reichtums. Wie praktisch.

Richard David Precht – Folge 293

http://www.jungundnaiv.de/2017/01/22/richard-david-precht-folge-293/
Richard David Precht – Folge 293

Er ist ein bekannter und noch erfolgreicherer Buchautor, er lehrt Philosphie und hat seine eigene Gesprächssendung im ZDF: Richard David Precht ist zu Gast bei Jung & Naiv und hat sich eine Menge Zeit genommen. Mit Richard geht’s u.a. um:
– Wer ist Richard? Biografie & Werdegang (ab 1:40 min)

– Superhelden & Bösewichte in der Philosophie (ab 18:00 )

– wie bildet Richard sich eine eigene Meinung zu einem Thema? (ab 21:35 min)

– Ist Veränderung/Wandel durch die Politik überhaupt noch möglich? (ab 26:30 min)

– Bürgerkrieg in Deutschland? (ab 30:40 min)

– Worauf sind die Parteien nicht vorbereitet? (ab 35:40 min)

– Gibt es seriösen Populismus? (ab 40:56 min)

– Was wird man von Trump lernen? (ab 44:25 min)

– befinden wir uns in einem moralischen Niedergang? (ab 52:27 min)

– leben wir in einer Hasskultur? Pazifisierung der Gesellschaft (ab 57.15 min)

– ist Angela Merkel eine gute Politikerin? (ab 1:03:00 min)

– Gründe für & Chancen durch Trump (ab 1:07:05 min)

– müssen wir Angst davor haben, dass Putin & Trump sich gut verstehen? (ab 1:13:25 min)

– Was ist mit Assad & Syrien? (ab 1:23:12 min)

– Der „Krieg gegen den Terror“ (ab 1:27:15 min)

– Zukunft von Demokratie (ab 1:35:10 min)

– eure Fragen an Richard: Veganismus, Bedingungsloses Grundeinkommen, etc (ab 1:40:20 min)
Diese Folge haben wir am 18. Januar 2017 in Berlin aufgenommen.
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Tilo Jung

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(Wer mindestens €20 gibt, wird im darauffolgenden Monat in jeder Folge als Produzent gelistet)