Weißbuch – Arbeiten 4.0

http://www.axel-troost.de/article/9327.weissbuch-arbeiten-4-0.html
Bundesministerium für Arbeit und Soziales
November 2016

Der vorliegende Diskussionsentwurf für ein Weißbuch Arbeiten 4.0 ist das Ergebnis eines Dialogprozesses, den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im April 2015 mit der Vorlage eines Grünbuchs begonnen hat. „Arbeiten 4.0“ ist die notwendige Ergänzung der Diskussion über die Digitalisierung der Wirtschaft, die in Deutschland vor allem unter der Überschrift „Industrie 4.0“ geführt wird. Das BMAS hat Verbände, Gewerkschaften und Unternehmen um Stellungnahmen gebeten, zahlreiche Fachworkshops und Themenveranstaltungen durchgeführt, wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben und auch im direkten Dialog vor Ort mit Bürgerinnen und Bürgern – zum Beispiel im Rahmen der Kino-Reihe „Futurale“ – Meinungsbilder eingeholt. Die übergeordnete Frage lautete: Wie können wir das Leitbild der „Guten Arbeit“ auch im digitalen und gesellschaftlichen Wandel erhalten oder sogar stärken?

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Postfaktische Säuberungen

http://norberthaering.de/de/27-german/news/739-kein-geld-fuer-attac
21.12.2016
Hier die Meldung auf SWR.de:
„Abgeordnete der CDU fordern, dass die EU nur noch Organisationen unterstützt, die der EU nicht kritisch gegenüber stehen. Die oberste Haushaltskontrolleurin im Europaparlament, Grässle, sagte der „Welt am Sonntag“, die Dauerfinanzierung von Nichtregierungsorganisationen müsse beendet werden. Als Beispiele nannte sie die Kritiker der Freihandelsabkommen CETA und TTIP. Auch die CDU im Bundestag schloss sich der Forderung an. Dagegen sagte die Grünen-Fraktionschefin im EU-Parlament, Keller, Europa brauche eine pluralistische und kritische Zivilgesellschaft. “
Stichwortgeber ist ziemlich offenkundig ein Institut, über dessen jüngst vorgelegte verleumderische „Studie“ ich unter „Postfaktisches aus dem Wahrheitsministerium“ schrieb:
„Hinzu gesellt sich eine „Studie“ des von großen internationalen Konzernen finanzierten Brüsseler Instituts European Centre for International Political Economy ( ECIPE) mit dem Titel „Manufacturing Discontent: The Rise to Power of Anti-TTIP Groups“. Sie stellt fest, dass Organisationen wie Campact und Attac mittels „täuschender Kommunikation“ die Menschen aufgestachelt hätten, ihre angeborene Liebe für Investoren-Schiedsgerichte und gentechnisch veränderte Lebensmittel zu vergessen und massenhaft gegen TTIP auf die Straße zu gehen. Diese Initiativen seien wahrscheinlich von Moskau finanziert und gesteuert worden. Das ECIPE leitet daraus die Forderung ab, die EU-Kommission müsse durchsetzen, dass alle Organisationen, die EU-Geld erhalten, sich ausschließlich entsprechend der offiziellen Linie der EU-Kommission äußern und betätigen.“
Es wird ernst.
Dossier zur neuen Hetzjagd auf abweichende Meinungen.
Hinweis: Wie ich erst jetzt dank eines Hinweises feststellt, hat Unions-Fraktionsvize Fuchs bereits am 14.12. in einer atemberaubend unsachlich agitierenden Plusminus-Sendung die offen demokratieverachtende Forderung erhoben, Organisationen wie der Deutsche Naturschutzring dürften nicht weiter gefördert werden, wenn sie der Bundesregierung widersprechen. Die Sendung stammt offenkundig aus der gleichen abgestimmten Kampagne wie die ECIPE-Studie. Dazu in Kürze mehr.

Argyris Sfountouris‘ Leben mit der Grausamkeit

Argyris Sfountouris‘ Leben mit der Grausamkeit
Veröffentlicht am 22. Dezember 2016 von georgbrzoska      
Argyris Sfountouris„Argyris Sfountouris‘ Leben mit der Grausamkeit
Patric Seibel beschreibt die hochpolitische Biografie eines Überlebenden des NS-Massakers im griechischen Distomo.
Als Sohn einer Bauernfamilie wäre Argyris Sfountouris wohl am liebsten in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Er hätte den Hof am Fuße des Parnassgebirges übernommen, mit einer Tochter aus einem Nachbardorf eine Familie gegründet und er hätte vielleicht nie seine griechische Heimat verlassen – wären nicht die Nazis in sein Dorf eingefallen, hätten seine Familie ermordet und seine Heimat ausgelöscht.

Die Erinnerungen Sfountouris’ an jenen 10. Juni 1944 sind so wach wie sein Blick. Er hat überlebt. Und wie. Der heute 76-Jährige ist durch sein Engagement um Entschädigung für die NS-Verbrechen, wie sie in Distomo begangen wurden, auch in Deutschland bekannt. In der ZDF-Sendung »Die Anstalt« erzählte er einem Millionenpublikum seine Geschichte und warum er damit – anders als die Bundesrepublik – nicht abschließen kann.“ weiterlesen auf neues Deutschland.de

Andrej Holm : „Hätte ich das geahnt, hätte ich mir überlegt, ob ich den Job mache“

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-12/andrej-holm-berlin-senat-stasi-interview
Von Lorenz Maroldt und Christoph Twickel •23. Dezember 2016, 21:25 Uhr
ZEIT ONLINE: Herr Holm, bei Twitter haben Sie geschrieben: „Ich kann meine Biografie nicht nachträglich verändern, nur daraus lernen und einen offenen Umgang damit anbieten.“ Was haben Sie denn gelernt?
Andrej Holm: Ich habe gelernt, dass ein Land, das sehr autoritär und nur mit Druck und Hierarchien funktioniert, die schlechteste Lösung ist, Gesellschaft zu organisieren. Die Lehre aus meinen Jugendjahren in der DDR ist: Ich will nicht in einem autoritären, repressiven System leben. 
ZEIT ONLINE: In Ihrer Stasi-Akte lobt das MfS den gefestigten Klassenstandpunkt: „Als Agitator genoss er Achtung und Anerkennung.“ Wie waren Sie damals drauf?
Holm: Die Formulierungen sind teilweise meinem Schulzeugnis entnommen. Ich war aufgewachsen in einem SED-Haushalt: Vater bei der Stasi, Mutter in der Partei. Meine Urgroßeltern, die ich noch erlebt habe, waren Verfolgte des Naziregimes. Mein Opa hat das KZ Sachsenhausen überlebt. Für mich war der Antifaschismus keine hohle Phrase, sondern Familienrealität – in diesem Sinne war ich überzeugter Sozialist.
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ZEIT ONLINE: Und Ihre Eltern waren hundertfünzigprozentige SED-Kader?
Holm: Meine Eltern wollten die DDR verbessern. Die haben immer auf den nächsten Parteitag gehofft, freuten sich über Gorbatschow, Perestrojka und Glasnost, waren total schockiert, als in Peking die Proteste niedergeschlagen wurden. Die DDR schien mir nicht ein Ort zu sein, in dem man nicht für Veränderungen eintreten kann.
Andrej Holm
Jahrgang 1970, ist Sozialwissenschaftler und Politiker. Im neuen rot-rot-grünen Senat der Landesregierung Berlins wird er Staatssekretär für Wohnen. Seine Nominierung ist umstritten, da er als 18-Jähriger 1989 in den Dienst der Stasi eintrat. Vor seiner politischen Laufbahn machte er sich als Stadtsoziologe und Gentrifizierungs-Kritiker einen Namen. Bevor er zum Staatssekretär berufen wurde, arbeitete er am Lehrstuhl für Stadt- und Regionalsoziologie der Humboldt-Universität in Berlin.
ZEIT ONLINE: Und dann verpflichteten Sie sich ausgerechnet bei der Stasi, deren Aufgabe es war, Kritiker mundtot zu machen und wegzusperren?
Holm: In meinem Umfeld gehörten Überwachung und Diskussionen um IMs nicht zum Alltag. Ich war ein ganz normaler Jugendlicher in einem Neubaugebiet, der Fußball gespielt hat. Ich bin auch zu Punkkonzerten gegangen – aber nicht mit der Idee, dass das etwas Oppositionelles wäre, sondern weil es mir gefallen hat. Für mich war eigentlich relativ viel möglich. Man konnte andere Musik hören, zuhause wurde Westfernsehen geschaut…
ZEIT ONLINE: Bei Ihren systemtreuen Eltern lief Westfernsehen?
Holm: Klar. Ich erinnere mich an die Atomkatastrophe von Tschernobyl – zuerst haben meine Eltern Aktuelle Kamera geschaut, und danach Westfernsehen, um zu erfahren, was passiert. Die DDR, die ich kennengelernt habe, war nicht so geschlossen, wie sie in der historischen Betrachtung beschrieben wird.
ZEIT ONLINE: In Ihrem Alltag kam Überwachung und Repression nicht vor, obwohl Ihr Vater bei der Stasi war?
Holm: Mein Vater hat mir Volker Braun und Heiner Müller zum Lesen gegeben und hat mir Theaterstücke empfohlen: „Geh da rein, lies das, das ist gute Kunst!“ Er hat mir erklärt, dass der Stalinismus eine schlimme Sache sei. Das war mein Link zur Stasi. Es mag naiv und weltfremd sein, dass ich als Teenager noch nicht erkannt habe, was für ein Überwachungs- und Repressionsapparat die Stasi war – aber ich war auch damals noch nicht besonders politisch.
ZEIT ONLINE: Ihr Vater hat Ihnen die kritischen Autoren und Theater empfohlen?
Holm: Schlimmer noch, er hat ja die Bücher gehabt, weil er in der Abteilung arbeitete, die in Berlin die Schriftsteller überwachte und die Theaterleute. Das habe ich erst nach der Wende herausbekommen – und das hat auch zu Spannungen zwischen uns geführt.