Herausforderungen für das Arbeitsrecht – Deregulierung, Globalisierung, Digitalisierung

http://www.bund-verlag.de/zeitschriften/arbeit-und-recht/ausgabe/2016/8/Kurz-gefasst-10014390/

AuR 8 – 9/2016, S. 325

Im Rückblick v. 30 Jahren kam es im dt. Arbeitsrecht sowohl zu einem Abbau v. Schutznormen, z. B. durch Einführung der sachgrundlosen Befristung oder Liberalisierung der Leiharbeit, als auch zu einem Aufbau v. Schutznormen, z. B. durch das AGG, die AGB-Kontrolle, das Recht auf Teilzeit oder die Einführung des Mindestlohns. Von diesem Aufbau und Abbau sind unterschiedliche Beschäftigtengruppen betroffen. Deregulierende Normen vergrößern den Kreis der prekär Beschäftigten, während vom Aufbau der Schutznormen eher nicht prekär Beschäftigte profitieren. Auf diese Weise verstärkt sich die Spaltung im Arbeitsrecht zwischen AN in gesicherten Positionen und solchen, die rechtlich oder faktisch nicht in der Lage sind, Rechte geltend zu machen.
Auf den mit fortschreitender Globalisierung verbundenen Konkurrenz- und Kostendruck reagierten dt. UN unterschiedlich, so etwa mit rationelleren Produktionsmethoden, Senkung der Lohnkosten durch Intensivierung der Arbeit oder Verlagerung lohnintensiver Bereiche ins Ausland. Das dt. Arbeitsrecht hatte diesen Entwicklungen wenig entgegenzusetzen. Eine gewisse Entlastung im Falle der Verlagerung von Betrieben brachte die BAG-Rspr. zum Tarifsozialplan. Folgen der Globalisierung für das Arbeitsrecht entstehen auch durch die Handelsabkommen CETA und TTIP, da zu befürchten ist, dass bereits das Risiko von Schadensersatzansprüchen den Gesetzgeber zur Zurückhaltung bei Regelungen etwa zum Outsourcing oder Beschränkung von Leiharbeit zwingen könnte.
Durch zunehmende Digitalisierung besteht die Gefahr einer Entgrenzung der Arbeit mit gravierenden Folgen für das Arbeitszeitrecht. Dem entgegenwirkende Maßnahmen müssen vor allem bei der Steuerung der Arbeitsmenge ansetzen. Dies kann etwa durch quantitative Besetzungsregeln in TV oder BV geschehen. Den AN vor übermäßiger Beanspruchung zu schützen, ist auch Aufgabe des Gesetzgebers, der z. B. BR durch Einführung zusätzlicher Mitbestimmungsrechte bei der Zuweisung von Aufgabenbereichen in ihren Handlungsmöglichkeiten stärken könnte. Regelungsbedarf besteht beim Phänomen des Crowdworking. Der AN-Begriff muss auf Fälle erweitert werden, in denen Weisungen schon im Vertrag selbst enthalten sind. Wer selbstständig arbeitet, muss wie in Frankreich oder Österreich in die Sozialversicherung einbezogen werden.
Wolfgang Däubler: Challenges for labour law – deregulation, globalization, digitization
AuR 8 – 9/2016, p. 325
In retrospect of 30 years there has been a reduction of protective regulations, for instance through the introduction of fixed term work without cause and the liberalization of temporary work, as well as the installation of such protective rights like the AGG, the general terms’ control, the right to part-time work or introduction of the minimum wage. Different groups of employees are affected by this reduction and installation. Deregulating regulations enlarge the group of the precarious employed, whereas non-precarious employed tend to benefit from the installed protective rights. Thus, labour law’s division between employees in secure positions and employees not being able to enforce their rights is getting bigger.
German companies reacted in different ways to cost and competition pressure, for instance with more rational methods of production, the decrease of labour costs through intensifying work or the relocation of labour intensive sectors abroad. German labour law did little to oppose these developments. The BAG’s case law concerning the »Tarifsozialplan« (collective social-compensation plan) granted some relief in cases of relocation of establishments. Globalization’s impact on labour law gets even harder with TTIP and CETA, as already the risk of indemnities might force the legislator to be reluctant with the regulation of outsourcing and temporary work.
Increasing digitization bears the risk of blurring labour’s limits which might have severe consequences on working time law. Counteracting measures must be taken, especially in controlling the amount of work. This can be achieved through rules on quantitative occupation in collective or works agreements. It is legislator’s duty to protect the employee against excessive work, for instance by strengthening the Vorherige Seite390Nachfolgende Seiteworks council through the introduction of additional rights of codetermination with regard to relocating. There is a need for regulation concerning the so-called crowd working. The notion »employee« must be upgraded to include contracts which already contain instructions. Persons working independently have to be included into the social system like in Austria and France.

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