„Die Grünen müssen sich für eine Koalition entscheiden“

http://www.deutschlandfunk.de/bartsch-linke-die-gruenen-muessen-sich-fuer-eine-koalition.447.de.html?drn:news_id=649687

Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke (dpa/picture alliance/Bernd von Jutrczenka)“Kretschmann möchte wohl gerne Bundespräsident werden“: Dietmar Bartsch (Die Linke). (dpa/picture alliance/Bernd von Jutrczenka)
Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Bartsch, fordert die Grünen zu einer Klarstellung ihrer Koalitions-Absichten für den Bund auf.
Die Partei müsse sich entscheiden, ob sie eine Politik der Vergangenheit mittragen oder den sozialen Aufbruch gestalten wolle, sagte Bartsch dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er bezog sich damit auf das Plädoyer des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann für eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene. Zugleich warf Bartsch Kretschmann vor, sich lediglich als Nachfolger von Bundespräsident Gauck positionieren zu wollen. Die Grünen-Vorsitzende Peter betonte,

die programmatischen Differenzen zur Union seien derzeit kaum überwindbar. Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschef Hofreiter und warnte in der „Berliner Zeitung“ davor, sich jetzt schon festzulegen. Bis zur Bundestagswahl in einem Jahr könne noch viel passieren.
Kretschmann hatte erklärt, Schwarz-Grün passe einfach in die heutige Zeit, die geprägt sei von Unsicherheit und Krisen.

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COMRADE, WHERE ARE YOU TODAY?

http://wfilm.de/comrade-where-are-you-today/inhalt/
1988 fliegt die zwanzigjährige Finnin Kirsi Marie Liimatainen in die DDR, um die Lehren von Marx und Lenin zu studieren. In ihrer Heimatstadt Tampere hatte sie Häuser besetzt, jetzt trifft sie an der FDJ-Jugendhochschule „Wilhelm Pieck“ in der Nähe von Ostberlin auf Gleichgesinnte aus über achtzig Ländern. Sie sind Funktionäre, Befreiungskämpfer oder linke Aktivisten. Darunter auch „Illegale“, die aus dem Untergrund kommen und zum Schutz Decknamen tragen. Lauter junge Menschen, vereint in ihrer Hoffnung auf eine bessere Welt. Doch während die Studenten die internationale Solidarität hochleben lassen, weckt der sozialistische DDR-Alltag Zweifel, ob die Theorie in der Praxis bestehen kann. Im Sommer 1989 endet das Studienjahr, die Studenten verteilen sich wieder in der ganzen Welt. Wenige Monate später fällt die Berliner Mauer.

Über zwanzig Jahre später sucht Kirsi, die heute Filmemacherin ist, ihre Kameraden von damals. Sie will wissen, was in einer globalisierten Welt übrig geblieben ist vom großen Traum der Revolution. Sind die alten Ideale von Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität nichts mehr wert? „Comrade, Where Are You Today?“ nennt sie ihren Dokumentarfilm, der sie rund um den Globus führt – nach Nicaragua, Chile, Bolivien, Südafrika und in den Libanon. Dabei entsteht ein einzigartiger Blick auf Geschichte und Gegenwart linker Bewegungen.
»Mein Dokumentarfilm „Comrade, Where Are You Today?“ ist eine persönliche Reise durch Zeit und Raum – von der Überzeugung der internationalen Solidarität bis zur Enttäuschung über eine ideallose Welt und der ewigen Suche nach Gerechtigkeit.« Kirsi Marie Liimatainen

Regierungswillige des Tages: Die Grünen

https://www.jungewelt.de/2016/08-27/038.php
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Außen grün, innen schwarz wie die Nacht: Der Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann
Foto: Bernd Weißbrod/dpa-Bildfunk
Winfried Kretschmann, der Ex-Maoist mit Vorwerk-Verkäufercharme, ist der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands. Dass ihm dies ausgerechnet in Stuttgart gelang, kann kein Zufall sein. In einer Gegend, in der Mariä Kehrwoch der höchste religiöse Feiertag ist, scheint Kretschmanns Arme-Sünder-Miene anzukommen: Der einstige K-Grüppler (»Kommunistischer Bund Westdeutschlands«) tut schließlich nicht einmal mehr so, als würde er noch eine einzige seiner früheren Überzeugungen für mehr halten als eine Jugendsünde (»fundamentaler politischer Irrtum«). Das mögen sie im Schwabenland: Recht gehabt zu haben, Recht zu behalten.
Doch ist das Regierungsmodell aus Grünen und CDU wirklich nur im Ländle denkbar? Keinesfalls. Bei einem »vertraulichen Abendessen« mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am vorherigen Sonntag sei es auch »um ihr schwarz-grünes Projekt« gegangen, ahnt der Spiegel. Zwar »wurde Stillschweigen vereinbart«, doch schlussendlich saßen die Kanzlerin und der Ministerpräsident aus Baden-Württemberg »mehrere Stunden beisammen«. Also muss es Liebe sein.
Unterstützer anti TTIP & CETA

Während die Hassprediger aus CDU und CSU ihren volksgemeinschaftlichen Säuberungsphantasien freien Lauf lassen und schon einmal Polizeistaat üben, hat Kretschmann erkannt, dass der »lange Marsch durch die Institutionen« nur an einer Stelle sinnvoll zu einem Ende gelangen kann: An der Spitze dieser Institutionen. Die grüne Partei hat sich als effektives Reintegrationsprogramm entpuppt. Und so, wie in Berlin die Axel-Springer-Straße ganz friedvoll direkt auf die Rudi-Dutschke-Straße trifft, könnte auch das finale Bündnis aus Union und Ökopartei zu einer großen Versöhnung werden. Die entlaufenen Kleinbürgerkinder von 1968 sind wieder da! Und haben all ihre Irrtümer eingesehen!
»Schwarz-grün« im Bund, 2017: Für die Grünen ist das wie ein langer Lauf zu sich selbst.(sc)