Die Grünen : Kretschmann flirtet mit Merkel

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-08/die-gruenen-winfried-kretschmann-angela-merkel-koalition

Als erster Spitzenpolitiker hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann für eine schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl geworben. Schwarz-Grün passe einfach in die gegenwärtige Zeit, die geprägt sei von Unsicherheit und Krisen, sagte Kretschmann dem Spiegel. „Es kommt jetzt darauf an, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu sichern. Es geht darum, Freiheit und Individualismus zu erhalten und zugleich dem wachsenden Bedürfnis nach Sicherheit gerecht zu werden.“

Die Grünen-Führung in Berlin will sich bisher nicht auf eine Koalitionsoption für 2017 festlegen. Im linken Flügel der Partei gibt es starke Vorbehalte gegen ein Bündnis mit der Union – vor allem wegen der restriktiven Haltung der CSU in der Flüchtlingsfrage. So twitterte die grüne Bundesvorsitzende Simone Peter sogleich: „Für Zusammenhalt, Freiheit und Selbstbestimmung steht diese Union gerade nicht. Politischer Wechsel überfällig!“
Für Zusammenhalt, Freiheit und Selbstbestimmung steht diese #Union gerade gar nicht. Politischer Wechsel überfällig! https://twitter.com/spiegel_top/status/769121431913369600
— Simone Peter (@peter_simone) 12:45 – 26 Aug 2016

Kretschmann war im Frühjahr als Ministerpräsident Baden-Württembergs wiedergewählt worden und regiert seitdem in einem deutschlandweit einmaligen grün-schwarzen Bündnis. Im Landtagswahlkampf hatte er Merkels Suche nach einer gemeinsamen europäischen Lösung für die Flüchtlingsfrage mehrfach ausdrücklich gelobt.

Wie der Spiegel berichtet, hat sich Kretschmann am vergangenen Sonntag zu einem mehrstündigen vertraulichen Abendessen mit der Kanzlerin getroffen. Das Treffen sei auf Merkels Einladung hin zustande gekommen. In dem Gespräch sei es auch um die Wahl des künftigen Bundespräsidenten gegangen. Kretschmann sagte dazu: „Es ist jetzt nicht die Zeit für Experimente. Er sollte politisch versiert und zugleich in der Lage sein, das Land parteiübergreifend zusammenzuhalten.“ Das könnte als Absage an den aus dem Iran stammenden Schriftsteller und potenziellen Kandidaten Navid Kermani verstanden werden.

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