„Lauter kleine Narzissten, auf Wettbewerb getrimmt“

http://m.spiegel.de/kultur/gesellschaft/a-1106577.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=
14.08.2016

Gesellschaftskritik
Ein Interview von Eva Thöne

 

Der Facebook-Campus in Kalifornien

Wer sich früher im Job anpasste und anstrengte, stieg auf. Heute sind wir freier in unseren Entscheidungen – aber die Sicherheit ist weg. Ökonom Oliver Nachtwey warnt vor gefährlichen Konsequenzen.
SPIEGEL ONLINE: Herr Nachtwey, die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sinkt seit Jahren. Trotzdem entwerfen Sie in Ihrem aktuellen Buch das Bild einer Gesellschaft, die von Abstiegsängsten geprägt ist. Wie passt das zusammen?
Nachtwey: Die Zahlen, die das Statistische Bundesamt oder die Bundesagentur für Arbeit liefern, täuschen über die Qualität der Arbeit hinweg. In den Fünfzigern waren 90 Prozent aller Arbeitsverhältnisse sogenannte Normalarbeitsverhältnisse – wobei es den Begriff damals gar nicht gab, weil man ohnehin davon ausging, dass alle Jobs unbefristet sind. Heute hingegen sind ein Drittel unsichere Jobs: Menschen hängen in Werkverträgen fest, sind befristet angestellt, verdingen sich als Leiharbeiter oder als Selbstständige. Wir leben in einer prekären Vollerwerbsgesellschaft, wie es der Jenaer Soziologe Klaus Dörre genannt hat. Außerdem sinkt die Lohnquote, das heißt der Anteil der Arbeitnehmer am gesamten Wohlstand hat abgenommen. Unsere Wirtschaft wächst zwar seit 50 Jahren beständig. Aber die Einkommen der Arbeitnehmer entwickeln sich nicht mehr entlang dieses Produktivitätszuwachses. Der Kuchen wird größer, aber nur für wenige. Die Realeinkommen sind fast 20 Jahre im Durchschnitt gesunken. Es stimmt also: Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher.
SPIEGEL ONLINE: Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Nachtwey: Es gibt Weiterlesen „Lauter kleine Narzissten, auf Wettbewerb getrimmt“

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„TTIP & Co: Handelsvertrag sticht Demokratie?“

http://www.attac.de/
„TTIP & Co: Handelsvertrag sticht Demokratie?“ Unter diesem Titel hat das Attac neues Bildungsmaterial für Schulen (Sekundarstufe I und II) und außerschulische Bildungsarbeit veröffentlicht. Es ist die zweite Folge in der Reihe „Wirtschaft demokratisch gestalten lernen“.

Die 80 Seiten umfassende Arbeitsblatt- und Methodensammlung greift die aktuelle Debatte um die Handelsabkommen der EU auf: TTIP (mit den USA), CETA (mit Kanada), TiSA (mit den USA und 21 weiteren Staaten) sowie die EPAs (mit den Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifiks). Worum geht es in diesen Verträgen? Welche Interessen stehen auf dem Spiel? Und wie lässt sich ein solch abstraktes Thema so mit Lerngruppen bearbeiten, dass sie ihre eigenen Interessen in diesem Zusammenhang verstehen und Wege erkennen können, sich für sie einzusetzen? 
In dem Bildungsmaterial spiegelt sich das Selbstverständnis von Attac als internationale Bildungsbewegung mit Aktionscharakter wider. Die Reihe soll eine Gegenexpertise zur vorherrschenden neoklassischen Sichtweise auf wirtschaftliche Prozesse einbringen und die häufig national beschränkte Debatte erweitern. Thema sind auch die Handlungsmöglichkeiten sozialer Bewegungen. 
Holger Oppenhäuser, zuständig im Attac-Bundesbüro für Bildungsarbeit: „Mit der Attac-Bildungsreihe wollen wir auch dem vielen kostenlosen Unterrichtsmaterial etwas entgegensetzen, mit dem Lobbygruppen die Schulen überschütten und das die spezifischen Interessen der Privatwirtschaft widerspiegelt.“ 
Ein zentrales Prinzip des Attac-Bildungsmaterials ist die Verknüpfung der Lerngegenstände mit aktivierenden Methoden und kooperativen Lernformen. Erarbeitet wird die Reihe von einer weitgehend ehrenamtlichen Gruppe mit viel professioneller Erfahrung in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit. 
Das Bildungsmaterial zu Freihandelsabkommen steht zum kostenlosen Download bereit unter http://www.attac.de/bima oder kann für zehn Euro plus Versand im Attac-Webshop bestellt werden. Für den bilingualen Unterricht sind zwei Arbeitsblätter mit englischen Quellen verfügbar.