Interview mit den Bestseller-Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik: „Der pervertierte Finanzkapitalismus ist destruktiv“

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„Kapitalfehler“: Marc Friedrich (links) und Matthias Weik präsentieren ihr drittes Buch. (Foto: Stehle/privat)
Göppingen – – Zwei Bestseller über das Unwesen der Finanzpolitik haben Marc Friedrich und Matthias Weik bereits veröffentlicht. Mit „Kapitalfehler: Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ stellen die beiden Autoren ihr neuestes Werk an diesem Freitag zwischen 10 und 12 Uhr zunächst in der Radio-Sendung SWR-Leute und dann am Abend von 19 Uhr an in der Eislinger Stadthalle vor.

Herr Weik, Herr Friedrich, die Präsentation Ihres neuen Buches steht unmittelbar bevor. Warum gerade im Filstal in Eislingen und nicht am Finanzplatz in Frankfurt?
Weik: Wir sind Schwaben, heimatverbunden und setzen Prioritäten. Aus diesem Grunde findet die Premiere im Schwabenland statt. Selbstredend wird das Buch aber auch in Frankfurt, Berlin, München, Köln und anderswo vorgestellt. Aber erst die Heimat und dann der Rest der Welt.
Ihre ersten beiden Werke „Der größte Raubzug der Geschichte“ und „Der Crash ist die Lösung“ hatten griffige Titel und wurden zu Bestsellern. Jetzt kommt „Kapitalfehler: Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“. Das klingt fast schon nach Karl Marx. Sprechen Sie eine andere Zielgruppe an?
Friedrich: Wir sprechen alle an, die sich berechtigte Sorgen um ihr Erspartes machen, die sich informieren möchten, was die wahren Ursachen der Krise sind und was es für Lösungsmöglichkeiten gibt. In der Analyse sind wir dieses Mal tiefer gegangen, dennoch ist das Buch allgemein verständlich geschrieben.
Aber der Titel lässt schon eine gewisse Systemkritik erkennen.
Weik: Selbstverständlich. Das System ist unheilbar krank. Überall gibt es Warnsignale. Wir erleben den Dauerkrisen-Modus live und in Farbe. Eine Krise wird durch eine noch größere Krise abgelöst. Unser aktuelles System ist hochgradig ungerecht. Finanzkapitalismus ist schlicht und einfach ein schlechter Kapitalismus.Denn er verteilt das globale Investitionskapital, die Mittel zur Finanzierung aller öffentlichen Güter sowie die verfügbaren Einkommen auf die denkbar schlechteste Weise.
Friedrich: Über neun Zehntel des Geldes auf der Welt kursieren ausschließlich innerhalb des Finanzsektors. Das ist eine Dimension, die selbst Marx sich in seinen kühnsten Albträumen nicht hätte ausmalen können. Ohne längere Umwege in die Realwirtschaft von Gütern und Dienstleistungen produziert dieses Geld in einer Sphäre der reinen Spekulation regelmäßig Klumpenrisiken und Kreditblasen gigantischen Ausmaßes. Gewiss, das macht wenige Reiche auf dem Papier zunächst reicher, ein paar davon geradezu pervers reich.
Sie stellen also den Kapitalismus in Frage?
Weik: Auf gar keinen Fall. Wir sind sogar überzeugte Kapitalisten. Der Kapitalismus hat in den letzten 300 Jahren unglaublich viel Wohlstand und Fortschritt geschaffen. Destruktiv ist der pervertierte Finanzkapitalismus und unser ungerechtes Finanzsystem, das nur einigen wenigen dient.
Kommen wir mal zum Inhaltlichen: die Konjunktur brummt, die einschlägigen Kennzahlen sind positiv, die Unternehmen schreiben satte Gewinne und über die Euro-Rettung redet keiner mehr. Warum malen Sie immer noch schwarz?
Weik Die Krise ist weder gelöst noch vorbei. Sie wurde lediglich mit enorm viel Geld und demokratisch fragwürdigen Mitteln in die Zukunft verschoben, wo sie weiter gärt. Wir erleben gerade ein einmaliges Notenbank- und Währungsexperiment – sowie in Griechenland, Portugal und in anderen Ländern die längste Insolvenzverschleppung der Geschichte.
Friedrich Zweifellos: die Wirtschaft boomt und die Konzerne, abgesehen vielleicht von VW und der Deutschen Bank, schreiben dicke Gewinne. Die Vermögen der Superreichen sind seit 2008 um mehr als 70 Prozent gestiegen, die des Rests der Bevölkerung allerdings nicht. Es entstehen immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse, vor allem im Niedriglohnsektor. Vollzeitjobs, die die Renten finanzieren, gehen immer stärker zurück. Die Altersarmutswelle, die auf uns zukommt, vermag auch der Exportweltmeister Deutschland nicht zu stemmen.
Weik Ferner wird die Verschuldung der EU-Staaten weiterhin kontinuierlich ansteigen, während sich die Arbeitslosenzahlen vor allem in den südlichen Ländern nach wie vor auf einem extrem hohen und die Industrieproduktion auf einem äußerst niedrigen Niveau befinden. Dennoch können sich Staaten, wie etwa Italien oder Spanien, immer günstiger verschulden. Das ist volkswirtschaftlicher Irrsinn. Ich verspreche Ihnen, dass die Eurorettung früher wieder aktuell sein wird als uns lieb ist.
Bis zum endgültigen Kollaps ist es also nicht mehr weit?
Friedrich Die Frage ist nur noch wann und nicht mehr ob. Niemand kann seriös sagen, wann es soweit ist, dass der Kollaps kommt, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Ein Indikator dafür sind die verzweifelten Aktionen der Notenbanken und der Politik, das System künstlich am Leben zu halten. Leider haben wir keine Glaskugel. Deshalb können wir nicht sagen, wie lange es noch gut geht. Fest steht jedoch, dass sich keine Krise durch Gelddrucken lösen lässt und dass es unmöglich ist, Schulden auf Dauer mit Schulden zu bezahlen. Beides machen wir allerdings schon seit langem. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis uns unser Finanzsystem um die Ohren fliegt.
Das haben Sie vor vier Jahren im „Raubzug“ aber auch schon behauptet. Warum ist der Zusammenbruch ausgeblieben?
Weik Nach wie vor wird auf globaler Ebene versucht, Schulden mit Schulden zu bezahlen, was auf Dauer nicht funktioniert. Verzweifelt bekämpfen die Notenbanken die Krise mit historisch niedrigen Zinsen – also mit einer Flut an billigem Geld. Mit dem Ziel, das Geldkarussell am Laufen zu halten, werden weiterhin Billionen in ein völlig marodes Finanzsystem gepumpt.
Friedrich Die Notenbanken, die Brandstifter und Feuerwehr in einem sind, verkennen dabei, dass es gerade die niedrigen Zinsen waren, die die letzte Krise mit verursacht haben. Durch eine aus dem Ruder gelaufene irrsinnige Notenbankpolitik wurden die Aktienmärkte aufgebläht. Abermals entstehen jetzt durch das viele billige Geld Blasen an den Immobilien-, Aktien- und Anleihemärkten. Inzwischen sind diese Märkte dermaßen abhängig von diesem billigen Geld, dass sich niemand mehr traut, ihnen die Droge Geld zu entziehen.
Jetzt mal ganz konkret: Wie sollte Otto-Normal-Sparer sein mühsam erarbeitetes „Vermögen“ anlegen? Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit den üblichen Banker-Floskeln, von wegen „breite Streuung“, „je nach Risikoneigung“ und so weiter.
Friedrich Er sollte in Sachen anlegen, die er versteht und anfassen kann. In Dinge, die ihm dienen und auf die er selbst Zugriff hat und nicht irgendwelche Dritte. Wir sind große Befürworter von Sachwerten. Hierzu gehören Edelmetalle wie Gold und Silber, Diamanten, Wald und Land. Auch eine schuldenfreie Immobilie zur Eigennutzung ist nicht verkehrt.
Dürfen sich die Besucher der Buch-Präsentation in der Eislinger Stadthalle denn auf ganz konkrete Anlagetipps von zwei Finanzmarktexperten freuen?
Weik Selbstverständlich. Unsere Intention ist es immer, einen Mehrwert zu schaffen und unseren Mitmenschen zu helfen, um sich und ihr Vermögen zu schützen. Nie war es wichtiger, sich um sein Geld zu kümmern. Hier geben wir Hinweise und Tipps für jeden Geldbeutel.
Ach ja, eine letzte Frage: In welcher Währung lassen sich die Herren Weik und Friedrich für Ihre Dienste eigentlich entlohnen?
Friedrich Momentan noch in Euro. Wir bevorzugen aber eine Bezahlung in Gold und Silber, da diese im Gegensatz zum Euro auch noch einen Wert haben werden, wenn wir irgendwann in den Ruhestand gehen.
Aus Beratern werden Autoren
Nach Studienabschlüssen im Bereich Betriebswirtschaft und Arbeitserfahrungen im In- und Ausland eröffnen Marc Friedrich und Matthias Weik im Jahr 2009 die Finanzstrategieberatung „Friedrich und Weik Vermögenssicherung“ in Göppingen. Den Inhalt ihrer unzähligen Vorträge bringen die beiden 40-Jährigen zu Papier – und landen damit 2013 ihren ersten Wirtschaftsbestseller. Das dritte Werk von Friedrich und Weik heißt „Kapitalfehler“, erscheint an diesem Freitag im Eichborn Verlag, hat die ISBN 978-3847906056 und kostet 19,99 Euro.

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