Brexit: Großbritannien sagt Goodbye

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1016260.brexit-grossbritannien-sagt-goodbye.html

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Foto: AFP/ROB STOTHARD
Update 6.40 Uhr: SPD-Chef Gabriel: Ein schlechter Tag für Europa

Der Vorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel, hat in einer ersten Reaktionen auf die erwartete Mehrheit für den Brexit in Großbritannien von einem »schlechten Tag für Europa« gesprochen – der Sozialdemokraten fluchte auf Englisch: »Damn!« Das tat auch der CDU-Politiker Michael Fuchs, jedenfalls ein bisschen: »Es ist nicht zu glauben what a sh…«, twitterte der Bundestagsabgeordnete. Ein »Brexit schadet ganz Europa und am meisten« Großbritannien selbst, so Fuchs. Der SPD-Vize Ralf Stegner sagte, das seien »keine guten Nachrichten für Europa, die uns da offenbar die Mehrheit der Briten auf den Kontinent schicken«. In der Demokratie müsse die Mehrheit aber natürlich akzeptiert werden. »Nun muss Europa ohne die Briten im gemeinsamen sozialen Handeln gestärkt werden«, so Stegner.
Autobahn

Update 6.35 Uhr: Brexit gibt den Rechten in Europa Auftrieb

Der erwartete Sieg des Brexit-Lagers beim Referendum in Großbritannien wird von der politischen Rechten bejubelt. »Sieg«, twitterte die Vorsitzende des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Auch in den Niederlanden strebt die rechtspopulistische PVV nun offenbar ein Referendum für den Ausstieg aus der EU an – dies wurde unter Berufung auf den Parteichef Geert Wilders gemeldet.
Update 6.30 Uhr: Brexit nun über eine Millionen Stimmen vorn

Beim EU-Referendum in Großbritannien ist der Vorsprung der Brexit-Befürworter auf mehr als eine Million Stimmen angewachsen. Am Freitagmorgen waren noch weniger als 40 der 382 Wahlbezirke auszuzählen. Damit hätten sich bei dem Votum die Mehrheit der Briten für einen EU-Austritt Großbritanniens ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben bei 72,2 Prozent. Insgesamt hatten sich 46,5 Millionen Wähler registriert. Lediglich in der Hauptstadt London und in Schottland hatten sich stabile Mehrheiten für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU abgezeichnet. In den anderen Teilen vor allem Englands, aber auch in Nordirland und Wales war das Brexit-Lager überraschend stark. Noch einigermaßen unklar ist, was die Entscheidung für die politische und wirtschaftliche Zukunft Großbritanniens und der EU bedeutet.
Update 6.25 Uhr: Rechtspopulist Farage verhöhnt Jo Cox

Der Chef der rechtspopulistischen Ukip-Partei, Nigel Farage bejubelt den wahrscheinlichen Ausgang des Referendums in Großbritannien – und schreckt dabei nicht vor einer Anspielung auf den Mord an der linken Labour-Abgeordneten Jo Cox zurück: »Wir werden das geschafft haben, ohne kämpfen zu müssen – ohne dass auch nur eine einzige Kugel abgefeuert werden musste.« Cox war vor wenigen Tagen von einem Mann erschossen worden, der Kontakte zur Naziszene hatte und bei seinem Attentat »Britain first« gerufen haben soll, eine Parole der rechten Brexit-Befürworter.
Typisches Londoner Wetter zur Br…

Typisches Londoner Wetter zur Brexit-Abstimmung
Foto: AfP/NIKLAS HALLE’N
Update 6.20 Uhr: Erste Reaktionen aus Deutschland

Der CDU-Europapolitiker Elmar Brok sagte in einer ersten Reaktion auf die Brexit-Entscheidung, in Großbritannien hätten »Emotionen gegen Fakten« gestanden. Brok machte indirekt Premier David Cameron mit für den Ausgang verantwortlich – dieser solle sich nicht wundern, »wenn er Jahre lang erzählt, wie schlecht die EU ist«. Der grüne Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht sagte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: »Good bye Britain«. Der Linkenpolitiker Wulf Gallert kommentierte die Brexit-Meldungen mit den Worten: »Man ahnt die Folgen.« Der grüne Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler nannte den prognostizierten Ausgang »bitter«. Die EU sei nun »in der schwersten Krise seit ihrer Gründung«.
Update 6.15 Uhr: Heißt es bald Small Britain?

Vielleicht wird David Cameron langsam klarer, was er mit der Ausrufung des Referendums in gang gesetzt haben könnte: nicht weniger als das Ende von Großbritannien. Schottland hat mit Mehrheit für den Verbleib in der Europäischen Union votiert – und die Erste Ministerin Nicola Sturgeon hat sogleich erklärt: »Die schottische Bevölkerung hat klargemacht, dass sie ihre Zukunft in der EU sieht.« Beobachter lässt das aufhorchen: Strebt man in Edinburgh nun erneut ein Unabhängigkeitsreferendum an? Auch in Nordirland wurde mit großer Mehrheit für den EU-Verbleib gestimmt. Die Partei Sinn Fein hat sich bereits für ein nächstes Referendum ausgesprochen – dann soll über die Wiedervereinigung mit Irland abgestimmt werden, die Republik Irland ist schließlich auch EU-Mitglied.
Update 6.10 Uhr: 323 von 382 Wahlbezirken sind ausgezählt

Nun wird langsam auch der hartnäckigste Anhänger einer späten Aufholjagd der »Remain«-Stimmen anfangen zu zweifeln: Nach Auszählung von 323 der 382 Wahlbezirke liegt das Brexit-Lager mit rund 900.000 Stimmen vorn.
Update 6.05 Uhr: Natürlich reagieren auch »die Märkte«

In Zeiten der Dominanz der Finanzmärkte wird vor und nach jeder wichtigen Entscheidung gebannt an die Börsen geschaut – mitunter so, als ob das dortige Geschehen das ist, worum es eigentlich geht. Mit dem Näherrücken eines Brexits stürzte am Freitagmorgen der Euro ab – die Gemeinschaftswährung notierte gegenüber dem Dollar bei 1,0947. Das britische Pfund war schon zuvor auf den tiefsten Stand seit 1985 gefallen. Der Preis für Gold – ein Krisenindikator – legte deutlich zu und erreichte den höchsten Stand seit August 2014. An den Börsen in Ostasien und Australien hieß es dagegen: Talfahrt mit Beschleunigung. Nach einem Auf und Ab am Morgen, notierte der Nikkei-Index in Tokio gegen Mittag rund 3 Prozent niedriger bei 15.742 Punkten. Der südkoreanischen Kospi gab bis zum Mittag ebenfalls kräftig nach und notierte bei 1.925 Punkten ebenfalls rund 3 Prozent schwächer. In Australien fiel der S&P/ASX 200-Index auf 5.117 Punkten. Eher moderat fielen die Verluste zunächst in China aus. Der Composite Index in Shanghai lag bei 2857 Punkten 1,19 Prozent schwächer. Der globale Ölpreis brach um fünf Prozent ein.
Update 6 Uhr: Nordirland stimmt für Verbleib

In Nordirland wurde mit großer Mehrheit für den EU-Verbleib gestimmt. Die Partei Sinn Fein hat sich nun bereits für ein neues Referendum ausgesprochen – dann soll über die Wiedervereinigung mit Irland abgestimmt werden. Die Republik ist EU-Mitglied.
Update 5.50 Uhr: Großbritannien steht vor dem Brexit

Eine lange Nacht ist zu Ende, ob erst jetzt der Albtraum losgeht, weiß niemand: Das Brexit-Lager hat nach Berechnungen der Fernsehsender BBC und Sky News das EU-Referendum in Großbritannien gewonnen. Damit steht das Vereinigte Königreich vor einem Austritt aus der Europäischen Union. Nach Auszählung von 310 der 382 Stimmbezirke führte die »Leave«-Kampagne am Freitagmorgen mit fast einer Million Stimmen. Die Europäische Union dürfte damit der schwersten Krise ihrer Geschichte gegenüberstehen. Die Zukunft für Großbritannien und für dessen Premierminister David Cameron ist unklar, sollte sich das Ergebnis bestätigen. Hatten am späten Abend bei den Demoskopen die Befürworter eines Verbleibs in der EU noch bei den Demoskopen vor gelegen, dreht der Wind in der Nacht während der Auszählung immer mehr auf »Leave«. Noch vor Mitternacht kamen die ersten Zahlen aus Gibraltar, dort wollte man mit großer Mehrheit in der EU bleiben. Kurz nach Mitternacht dann der erste Jubel im Brexit-Lager: Mit Sunderland wurde der erste Wahlkreis gewonnen – 61 Prozent votierten für den Ausstieg, deutlich mehr als gedacht. Um kurz nach 2 Uhr dann die Überraschung aus Swansea – auch dieser Wahlkreis stimmte für den Austritt, was niemand erwartet hatte. Um 4 Uhr war dann klar: Es riecht nach Brexit zum britischen Frühstück: Nach Auszählung von mehr als zwei Dritteln der Wahlkreise lag das Brexit-Lagern schon ziemlich deutlich vorn.
Brexit

Foto: dpa/EPA/PATRICK SEEGER
Update 5.45 Uhr: BBC sagt Sieg für Brexit-Lager voraus

Die britische BBC scheint sich jetzt sicher zu sein – im Referendum habe der Ausstieg Großbritanniens eine Mehrheit gewonnen, so der Sender. Auch Sky News prognostiziert jetzt den Brexit. Das Lager der Befürworter des Ausstiegs liegt in der Auszählung mit fast einer Millionen Stimmen vorn.
Update 5.40 Uhr: Birmingham stimmt knapp für Ausstieg

Auch in Birmingham, der zweitgrößten Stadt Großbritannien, hat sich das Lager der Ausstiegsbefürworter durchgesetzt, mit 3000 Stimmen Vorsprung. In Sheffield votierten 51 Prozent für den Brexit. Liverpool mehrheitlich steht auf der Seite derer, die in der EU bleiben wollen – dort stimmten aber mit 58 Prozent weniger für »Remain« als erwartet. In London kommen die Stimmen für einen Verbleib vor allem in den Wahlkreisen mit Bewohnern, die höhere Einkommen und Bildungsabschlüsse haben, heißt es aus Großbritannien. In Wahlkreisen in Wales und im Nordosten, wo die Arbeiterschaft stark ist, gibt es mehr Stimmen für den Brexit. Und das, obwohl Labour für den Verbleib geworben hatte.
Update 5.30 Uhr: Der Stand am Morgen danach

Großbritannien ist seit 43 Jahren Mitglieder der Europäischen Union – und es sieht so aus, als könnte damit bald Schluss sein. Hatten am späten Abend bei den Demoskopen die Befürworter eines Verbleibs in der EU noch bei den Demoskopen vor gelegen, dreht der Wind in der Nacht während der Auszählung immer mehr auf »Leave«. Bei einer Wahlbeteiligung über 72 Prozent fielen mehrere große Städte, in denen dies nicht erwartet worden war, ans Brexit-Lager. Gegen 5.30 Uhr lagen die Befürworter des Ausstiegs nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Wahlbezirke mit rund 700.000 Stimmen vorn – Experten äußerten sich in britischen Medien immer pessimistischer über einen Verbleib. Der Pfund stürzte auf den tiefsten Stand seit 1985 ab.
Update 5.25 Uhr: Brexit-Lager halbe Millionen Stimmen vorn

Beim EU-Referendum in Großbritannien liegt das Brexit-Lager nach Auszählung von zwei Dritteln der Wahlbezirke vorn. In den 255 der 382 Wahlbezirke erreichten die Austritts-Befürworter 10,68 Millionen Stimmen, das Pro-EU-Lager gut eine halbe Million Stimmen weniger.

Update 5.20 Uhr: Pfund nun auf tiefestem Stand seit 1985

Die Angst vor einem Brexit hat das britische Pfund auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren gedrückt. Am frühen Freitagmorgen fiel das Pfund erstmals seit 1985 unter die Marke von 1,35 US-Dollar. Der angesehenste britische Wahlforscher John Curtice sah am frühen Morgen nach dem bisherigen Verlauf der Referendums-Nacht einen Brexit als wahrscheinlich an. »Das Leave-Lager ist jetzt der Favorit«, sagte Curtice der BBC. »Der Gedanke an ein Verlassen der EU ist nicht mehr nur eine akademische«, so der Professor von der schottischen Strathclyde-Universität. Der Fernsehsender ITV sieht inzwischen eine 80-Prozent-Wahrscheinlichkeit für den Brexit. Das Referendum sei aber weiter auf des Messers Schneide.
Update 5.05 Uhr: Nach 200 Wahlbezirken: 51,7 Prozent für Brexit

Das Brexit-Lager ist laut der Nachrichtenagentur AFP nach Auszählung von 200 der 382 Wahlbezirke mit 51,7 Prozent vorn. Das britische Pfund fiel in der Nacht auf den niedrigsten Stand seit 2009 und ist nun nur noch 1,36 Dollar wert – kurz vor Mitternacht waren es noch 1,50 Dollar. Der rechtspopulistische Chef der Ukip-Partei Nigel Farage, der zunächst noch mit skeptischen Aussagen zitiert worden war, frohlockt inzwischen: Er »wage zu träumen, dass der Morgen für ein unabhängiges Vereinigte Königreich gekommen ist«, erklärter er im Kurznachrichtendienst Twitter.
Update 4.45 Uhr: Hälfte der Wahlkreise ausgezählt: Brexit-Befürworter liegen vorn

Während der Auszählung der 382 Wahlkreise gingen beide Lager mehrmals in Führung – und fielen wieder zurück. Nach Auszählung der Hälfte der 382 Wahlbezirke lag das Lager der Brexit-Befürworter mit fast 500.000 Stimmen vorne. Das entsprach einem Verhältnis von etwa 52:48. Rückschläge gab es für die Brexit-Gegner vor allem im Nordosten des Landes und in Wales. In London und Schottland bestätigten sich teilweise die positiven Erwartungen aus Sicht der EU-Befürworter – doch insgesamt schnitt das Brexit-Lager in vielen Regionen besser ab als von den Demoskopen erwartet.
Update 4 Uhr: Brexit-Lager vorn in Sunderland, Hartlepool

Einen ersten Überraschungserfolg erzielte das Brexit-Lager in nordostenglischen Sunderland. Dort stimmten 61 Prozent der Wähler für einen Ausstieg aus der EU, lediglich 39 Prozent für einen Verbleib. Noch deutlicher fiel das Ergebnis im benachbarten Hartlepool aus. Dort votierten rund 70 Prozent für einen Austritt, nur 30 Prozent stimmten dagegen. Mit Spannung wurden daher die Ergebnisse aus Hochburgen der EU-Befürworter in London und Schottland erwartet. Im südlichen Stadtteil Lambeth der Hauptstadt gewannen die Brexit-Gegner 79 Prozent der Stimmen. Auch in anderen bevölkerungsreichen Bezirken der Hauptstadt gewannen die EU-Befürworter deutlich. In der schottischen Metropole Glasgow votierten 67 Prozent der Wähler für einen Verbleib des Königreichs in der EU.
Update 3.40 Uhr: Mehr Zustimmung für Brexit als zunächst erwartet

Bei der Auszählung des britischen EU-Referendums deutet sich ein äußerst knapper Ausgang an. Nach der Auszählung von 80 der 382 Wahlbezirke lagen die Befürworter eines Verbleibs in der EU zwar hauchdünn vorn. In den meisten Wahlbezirken hatten die Befürworter eines Ausstiegs jedoch besser abgeschnitten, als von den Meinungsforschern erwartet. Wahlforscher äußerten sich pessimistisch für den EU-Verbleib. Der anfänglich von zwei Nachwahlumfragen gestützte Optmismus des »Remain«-Lagers um Premierminister David Cameron wurde im Laufe der frühen Morgenstunden gedämpft. Erst mit der Auszählung der ersten großen Londoner Wahlbezirke Wandsworth und Lambeth, die jeweils mit mehr als 70 Prozent für den EU-Verbleib stimmten, sowie guten Zahlen aus Schottlands größter Stadt Glasgow, schöpfte das »Remain«-Lager wieder mehr Zuversicht. Das britische Pfund fiel im Laufe der Auszählung drastisch. Nach Bekanntwerden der Umfragen war es auf ein Rekordhoch von über 1,50 US-Dollar gestiegen. Innerhalb weniger Stunden verlor es dann wieder zehn Cents. Die Buchmacher gaben in der Nacht ihre optmistische Haltung auf und sahen eine über 60-prozentige Chance für einen Brexit. Der Wahlforscher Michael Thrasher prognostizierte auf Sky News ein Endergebnis von 56 Prozent für das »Leave«-Lager.
Update 23.50 Uhr: Weitere Zahlen treffen ein

YouGov hat bei Befragungen ermittelt, dass 66 Prozent der Wähler, die bereits mit 16 die Schule verlassen haben, für den Brexit gestimmt hätten. Bei den Wählern mit höheren Abschlüssen seien es nur 29 Prozent gewesen. Auch 57 Prozent der Tory-Wähler votierten für den Brexit. Das Umfrage-Institut Ipsos sieht die Befürworter eines Verbleibs in der EU ebenfalls vorn – mit 54 Prozent. YouGov hatte bei einer Befragung am Tag des Referendums eine Zustimmung für »Remain« von 52 Prozent ermittelt. Die »EuropeElects« sieht die Verbleib-Befürworter mit 50,5 Prozent vorne.
Update 23.30 Uhr: Rechtspopulist Farage: Sieht nach »Remain« aus

Der Chef der EU-skeptischen Ukip-Partei Nigel Farage hat sich pessimistisch zum Ausgang des Referendums über einen EU-Austritt geäußert. »Es sieht so aus, als sei die Wahlbeteiligung außerordentlich hoch und es scheint, als würden die EU-Befürworter knapp gewinnen«, sagte Farage dem britischen Fernsehsender Sky News zufolge. Nach dem Referendum hat sich der britische Premierminister David Cameron bei allen Pro-EU-Wählern bedankt. »Dank an Alle, die dafür gestimmt haben, dass Großbritannien stärker, sicherer und besser in Europa bleibt«, schrieb er am Donnerstagabend nach Schließung der Wahllokale auf Twitter.
Update 23.10: Umfrage vom Wahltag: 52 Prozent für Verbleib

Beim Brexit-Referendum in Großbritannien zeichnet sich nach einer ersten Befragung des Institutes YouGov eine Mehrheit für einen Verbleib in der Europäischen Union ab. Demnach sprachen sich 52 Prozent der britischen Wähler dafür aus, in der EU zu bleiben, und 48 Prozent dagegen. Die YouGov-Befragung, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale am Donnerstag vom Sender Sky News veröffentlicht wurde, entspricht jedoch nicht den Kriterien einer klassischen Wahlprognose und hat auch keine entsprechend hohe Verlässlichkeit. Eine ähnliche Befragung hatte beim Schottland-Referendum im Jahr 2014 richtig gelegen. Bei der britischen Parlamentswahl 2015 allerdings hatten die Meinungsforscher mit dieser Methode daneben gelegen. Die britische Wahlkommission will ein Endergebnis erst am frühen Freitagmorgen bekanntgeben. Belastbare Auszählungsergebnisse könnten allerdings schon während der Nacht zu einem klareren Bild führen.
Update 23 Uhr: Die Wahllokale haben geschlossen

Nach dem historischen Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU wird das Ergebnis in aller Welt mit Spannung erwartet. Die Wahllokale im Königreich schlossen vor wenigen Minuten. Umfragen zufolge war mit einem knappen Ausgang zu rechnen – die Buchmacher hatten einen deutlicheren Vorsprung der Befürworter eines Verbleibs vorausgesagt. Mit belastbaren Ergebnissen wurde nicht vor 5 Uhr am Freitagmorgen gerechnet. Premierminister David Cameron, der die Abstimmung im Januar 2013 unter dem Druck seiner konservativen Partei angesetzt hatte, appellierte nach seiner Stimmabgabe im Kurznachrichtendienst Twitter erneut dafür, für den Verbleib in der EU zu stimmen, um eine »bessere Zukunft« zu sichern.
Update 14.30 Uhr: Merkel bekräftigt Hoffnung auf Verbleib Großbritanniens in der EU

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hat erneut ihre Hoffnung auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU geäußert. »Wir wünschen uns natürlich eine Entscheidung, (…) bei der Großbritannien Teil der Europäischen Union bleibt«, sagte Merkel während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Österreichs Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) in Berlin. Merkel stellte klar, dass sie unabhängig von dem Ausgang der Abstimmung in Großbritannien auch in Zukunft auf ein vereintes Europa und die Zusammenarbeit aller EU-Mitgliedstaaten setzt. »Ich halte nichts davon, jetzt in Untergruppen zu verfallen«, sagte sie angesichts von Diskussionen über Konsequenzen für die weitere Zusammenarbeit in der EU auch bei einem Verbleib der Briten. Zwar müsse es immer mal wieder gesonderte Überlegungen für den Euro-Raum geben. »Aber insgesamt glaube ich, müssen die Beratungen jetzt möglichst mit 28 weitergeführt werden und ansonsten mit allen Staaten, also mit 27«, fügte die Kanzlerin hinzu. Sie hoffe aber, dass »es vielleicht doch auch 28 bleiben können«.
Update 14.10 Uhr: Wahllokale in London mussten wegen Überflutung verlegt werden

Nach heftigen Gewittern und Starkregen sind am Donnerstag mehrere Wahllokale für das EU-Referendum im Südwesten Londons geschlossen und verlegt worden. Betroffen seien vor allem Wahllokale im Stadtteil Kingston, berichtete die Agentur PA. Weitere Wahllokale seien schwer zu erreichen, hieß es. In der Nacht zum Donnerstag hatte es in London und Umgebung schwere Gewitter und Regenfälle gegeben. Auch die weiteren Wetteraussichten für Donnerstag sind nicht gut.
Update 13.20 Uhr: Neue Umfrage sieht EU-Befürworter in Großbritannien knapp vorn

Am Tag des Brexit-Referendums ist in Großbritannien eine neue Umfrage veröffentlicht worden – ihr zufolge lagen die EU-Befürworter knapp vor den Gegner der EU-Mitgliedschaft. In der am Donnerstag von der Zeitung »Evening Standard« veröffentlichten Umfrage des Instituts Ipsos MORI sprachen sich 52 Prozent der Befragten für den Verbleib des Landes in der EU aus, 48 Prozent waren für den Brexit. 12 Prozent der Befragten gaben zudem an, sich noch nicht endgültig entschieden zu haben. Die Befragung wurde am Dienstag und am Mittwoch vorgenommen. Am Donnerstag waren 46,5 Millionen registrierte Wähler in Großbritannien zu dem Referendum aufgerufen.
Der Premier machte im eigenen Machtinteresse die Rechten stark und geriet immer mehr unter Druck: Immer neue Zugeständnisse wollte Englands Premier der EU abringen, um sich die Gunst der rechten Tories und von UKIP-Anhängern zu sichern. Jetzt steht die EU-Mitgliedschaft in Frage.
Update 13.10 Uhr: Lange Schlangen vor Stimmlokalen

Trotz schlechten Wetters haben sich beim EU-Referendum in Großbritannien lange Schlangen vor Wahllokalen gebildet. Wähler hätten geduldig in langen Reihen gewartet, um in Schulen, Kirchen oder Einkaufszentren ihre Stimme abzugeben, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Donnerstag. In der Nacht hatte es in London und im Südosten des Landes teils heftige Regenfälle und Gewitter gegeben. In der Hauptstadt hätten einige Wahllokale wegen Überflutungen geschlossen und in Ausweichquartiere verlegt werden müssen.
Update 12.30 Uhr: Gauck: Nach Brexit-Votum nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

Bundespräsident Joachim Gauck hat davor gewarnt, nach der Abstimmung der Briten über einen EU-Austritt einfach zur Tagesordnung überzugehen. »Wir sollten aus der Krise Lehren ziehen und weiter diskutieren, wie wir in Europa leben wollen«, sagte Gauck am Donnerstag in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. »Das Beste an der Debatte über den sogenannten Brexit war die Debatte selbst«, sagte Gauck. Sie habe Unmut über die Europäische Union ans Licht gebracht, der zuvor im Verborgenen geschwelt habe. Vor Schülern und Studenten an der Universität von Sofia sagte Gauck, die Vorstellung eines »immer engeren Europas« würde viele überfordern. Auch durch die Brexit-Debatte spürten nun viele Politiker, »dass man auch zu viel Tempo einschlagen kann«. Die Botschaft sei: »Übertreibt es nicht mit der allzu schnellen Vereinigung«. Gauck fügte aber hinzu: »Ich glaube nicht, dass wir mit einem Zerfallsprozess in Europa zu rechnen haben.«
Update 10.53 Uhr: Finanzmärkte rechnen nicht mit Brexit

Vor der Entscheidung der Briten über einen Austritt aus der Europäischen Union ist die Währung des Landes auf ein Jahreshoch gegenüber dem Dollar gestiegen. In Tokio entsprach ein Pfund wenige Stunden vor Öffnung der britischen Wahllokale kurzzeitig 1,4844 Dollar. So stark war die Währung das ganze Jahr über noch nicht. Auch gegenüber dem Euro legte das Pfund im Vergleich zum Mittwoch zu.
Nach Ansicht von Analysten setzen die Händler mehrheitlich darauf, dass die Briten für einen Verbleib ihres Landes in der EU stimmen. Ein solches Ergebnis sei bereits »fast komplett eingepreist«, erklärte Angus Nicholson vom Finanzunternehmen IG. Dennoch seien die Märkte »unglaublich nervös« und sprunghafte Kursentwicklungen seien in den nächsten 24 Stunden »wahrscheinlich«.
Nachteilige Wirkungen eines Brexits für die Wirtschaft in der EU, Großbritannien und Asien: Mit oder ohne Brexit beginnt nach dem Referendum eine Verhandlungsperiode zwischen der EU und Großbritannien, die mindestens zwei Jahre dauern wird. Dramatisch wäre das aber nicht, glaubt unser Autor.
Update 10.20 Uhr: Britische Wähler müssen Regen und Überflutungen trotzen

Britische Wähler in London und im Südosten des Landes müssen beim EU-Referendum mit schlechtem Wetter, Regen und Überflutungen kämpfen. Allein in der Hauptstadt dürfte am Donnerstag innerhalb weniger Stunden soviel Regen wie ansonsten in einem Monat fallen, warnten Meteorologen.
Bereits in der Nacht gab es in der Hauptstadt und der Umgebung schwere Gewitter mit Starkregen. Es gebe Berichte über überflutete Straßen, der Zugang zu Wahllokalen könnte erschwert werden.
Experten hatten zuvor spekuliert, eine geringe Wahlbeteiligung könnte ein Vorteil für das Austrittslager sein. Umfragen zufolge dürften sich das Pro-EU-Lager und die Brexit-Befürworter bei der Volksabstimmung ein enges Rennen liefern.
Update 7.35 Uhr: Wie Linke für und gegen den Brexit argumentieren

Ein neues Referendum kommt bestimmt, meint die Linkenpolitikerin Gabi Zimmer und fordert, unabhängig vom Ergebnis der Brexit-Abstimmung den Kampf für eine solidarische EU fortzusetzen. Dave Nellist spricht sich für den Brexit aus. Die Europäische Union ist in ihren derzeitigen Strukturen nicht reformierbar – seiner Meinung nach sucht sich die Wut auf die EU jetzt ihr Ventil. Der Linken-Abgeordnete Stefan Liebich wandte sich auf Englisch an die Briten, warb für eine Stimme für den Verbleib – und für gemeinsames Engagement für eine bessere EU: »Don’t make this big mistake today, Britain! Please stay in and let us make a better Europe.«
Update 7.15 Uhr: SPD-Vize Stegner gegen Renationalisierung Europas

Der SPD-Vizevorsitzende Ralf Stegner sagte, »eine Renationalisierung Europas ist das, was sich die rechten Demokratiefeinde wünschen. Wohlstand und Frieden geht aber nur gemeinsam«. Er richte einen gespannten »Blick heute zu den britischen Freunden« und habe »Hoffnung darauf, dass proeuropäische Gesinnung am Ende siegt«.
Update 7 Uhr: Buchmacher sehen »Remain« klar vorn

Die Londoner Buchmacher rechneten am Vorabend der Abstimmung klar mit einem Verbleib. Der Online-Anbieter Betfair nahm Wetten im Volumen von 60 Millionen Euro an – ein neuer Rekord für ein politisches Ereignis. Wie andere Buchmacher auch schätzte er die Chancen auf ein Scheitern des Austritts auf 70 bis 80 Prozent. Gegner und Befürworter des Austritts bis zuletzt eindringlich um Stimmen. Der Wortführer der Austrittsbefürworter, Boris Johnson, sah am Mittwochabend einen Sieg in Reichweite. »Wir stehen kurz vor einem außergewöhnlichen Ereignis in der Geschichte unseres Landes und ganz Europas«, sagte er zum Abschluss seiner Kampagne. Premierminister David Cameron hingegen appellierte am Vorabend des Referendums insbesondere an die Unentschlossenen und die Zweifler, sich einen Ruck zu geben und für den Verbleib zu stimmen. »Wenn man erst mal aus dem Flug abgesprungen ist, kann man nicht mehr durch die Cockpit-Luke zurückklettern«, sagte er in Birmingham. »Deswegen sollte jeder, der noch irgendwelche Zweifel hegt, lieber für den Verbleib stimmen.«
Das Referendum über den Verbleib in der EU läuft
Berlin. Der Tag, an dem die Briten über den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union (EU) entscheiden, hat landestypisches Wetter zu bieten: Meteorologen sagen für diesen Donnerstag in vielen Gegenden von England, Wales, Schottland und Nordirland Regen voraus. An den haben sich die Briten gewöhnt – bei der Mitgliedschaft in der EU ist das für einen Teil der Bevölkerung trotz vieler dem Land gebotener Extrawürste anders.
Wie viele der 45 Millionen Berechtigten wirklich für einen Brexit votieren, war auch am Tag davor offen. Im Durchschnitt der letzten Umfragen vor der Abstimmung lagen die Befürworter eines Verbleibs (»Remain«) mit knapp 47 Prozent und die Anhänger eines Austritts (»Leave«) mit etwas über 46 Prozent fast gleichauf. Rund zehn Prozent waren aber noch unentschlossen. Wettbüros sagen einen deutlichen Sieg für »Remain« voraus. Die Wahllokale schließen um 23 Uhr hiesiger Zeit. Wie das Referendum ausgegangen ist, wird erst weit in der Nacht zum Freitag bekannt sein.
Auf das, was dann kommen könnte, zeigen sich die europäischen Institutionen und die Regierung in London vorbereitet. Ob sie es auch für alle möglichen Fälle sind, steht auf einem anderen Blatt. Großbritannien ist tief in der Brexit-Frage gespalten. Ein äußerst aggressiv geführter Wahlkampf fand in dem Mordanschlag auf die Labourpolitikerin Jo Cox durch einen Attentäter mit Kontakten zur Naziszene einen traurigen Höhepunkt. In der letzten großen Fernsehdebatte am Dienstagabend warf Londons Labour-Bürgermeister Sadiq Khan den Ausstiegsfreunden eine Kampagne gegen Migranten vor: Sie verfolgten ein »Projekt Hass« und versuchten, mit Lügen die Briten zu einem Brexit-Votum zu bewegen. Die Befürworter des Ausstieges, die sich vor allem im rechten Lager finden, behaupteten immer wieder, es würden bewusst Ängste vor den wirtschaftlichen Folgen eines EU-Austritts geschürt. Dass ein Brexit erhebliche Auswirkungen haben würde, darin sind sich viele Ökonomen allerdings einig. Wie schwerwiegend diese sind und wen sie noch alles betreffen könnten, hängt auch davon ab, wie sich im Falle eines Brexits etwa die Beziehungen Großbritanniens zum EU-Binnenmarkt entwickeln.
Brexit-Befürworter gibt es aber auch in der Linken – und ihre Kritik an der Europäischen Union hat Gründe: die Austeritätspolitik, die Demokratiemängel, die Krisenpolitik zu Lasten der Beschäftigten. Nicht wenige Briten dürften das Referendum denn auch als Möglichkeit ansehen, gegen den konservativen Premier David Cameron und seine antisoziale Politik zu protestieren. Doch so richtig die Einschätzung sein mag, so sehr stößt das linke Werben für einen »Lexit« auch auf linken Widerstand.
Ein Ausstieg werde die Kräfteverhältnisse in Großbritannien noch weiter zu Ungunsten der Lohnabhängigen verschlechtern und fast jede Mitbestimmung über europäische Regeln unmöglich machen, an die das Land auch im Falle eines Brexits gebunden bliebe, so die Gegenposition. Der in London lebende argentinische Schriftsteller Fernando Sdrigotti kritisierte leidenschaftlich, die »Brexit-Linke« mache sich gemein mit Rechtspopulisten und Nationalisten, deren Ausstiegskampagne bereits den Rassismus in Großbritannien habe wachsen lassen.
Die schwache britische Linke sei zudem »nicht darauf vorbereitet, gegen die Kräfte zu kämpfen, die von einem Brexit gestärkt würden«, so Sdrigotti. Der Weg zur Überwindung des neoliberalen Europas könne nur über internationalistische Kooperation führen. Auch der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis warb dafür, den Kampf um eine demokratischere, sozialere Union nicht aufzugeben. Und Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht hatte schon zuvor gewarnt, im Falle eines Brexit »würde die deutsche Hegemonie in der EU noch erdrückender werden«.
Aber egal, wie das Referendum ausgeht, so sieht es SPD-Chef Sigmar Gabriel, dürfe es ein »Weiter so« nicht geben. Er forderte »eine wirtschaftspolitische Wende« und »ein gerechtes Europa«. Eine Debatte über ihre Ausgestaltung steht der Union also so oder so bevor. Ganz egal, wie schlecht das Wetter in Großbritannien am Tag der Brexit-Abstimmung ist. tos/nd/Agenturen

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