Spektakel in Flecktarn

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Die Kleinsten auf den »Dienst an der Waffe« neugierig machen: Der dreijährige Ben am Milan-System (Fritzlar, Juni 2015)
Foto: Uwe Zucchi /dpa
Nach der Premiere im vergangenen Jahr mit über 200.000 Besuchern lässt das Verteidigungsministerium am kommenden Sonnabend zum zweiten Mal in der Nachkriegsgeschichte einen »Tag der Bundeswehr« ausrichten. Die dabei veranstalteten Shows stehen in der Tradition des »Tags der Wehrmacht« während der Zeit des deutschen Faschismus. Das zeitgenössische Propagandaspektakel in Flecktarn findet mit mehreren tausend Soldaten an 15 Militärstandorten im gesamten Bundesgebiet, beispielsweise in der brandenburgischen Gemeinde Schlieben, statt. In Bonn, Koblenz und Erfurt werden Teile der Performance auch auf öffentlichen Plätzen inszeniert.
Auf einer Sonderseite im Internet wirbt die Bundeswehr vor allem mit Waffenshows für »ihren« Tag. Jugendoffiziere und »Karriere«-Berater informierten über den Dienst an der Waffe. An zahlreichen Orten träten Militärmusiker auf, Sportsoldaten gäben Auskunft über die Sportförderung der Bundeswehr, Kirchenvertreter hielten Feldgottesdienste ab und Reservisten plauderten über ihr »zivilmilitärisches Engagement«. Wie zur Uraufführung 2015 wird im Laufe des Tages Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eine Rede halten, die an alle Veranstaltungsorte per Liveschaltung übertragen wird.
Erstmals präsentieren die Militärhochschulen in Hamburg und in München die Kaderschmieden des deutschen Offizierskorps. Drei Städte sind bereits zum zweiten Mal dabei: Koblenz, Sitz des Kommandos Sanitätsdienst der Bundeswehr, der »größte Bundeswehr-Standort« in Wilhelmshaven sowie Bonn, Heimat des Kommandos Streitkräftebasis, das die Auslandseinsätze von Deutschland aus unterstützt und für die zivil-militärische Zusammenarbeit im Inland zuständig ist.

Der »Tag der Bundeswehr« geht auf die Beschlüsse zur Reklame- und Rekrutierungskampagne »Aktiv. Attraktiv. Anders. – Bundeswehr in Führung« aus dem Jahre 2014 zurück. Damals hieß es aus dem Verteidigungsministerium, zur »Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft« werde ab 2015 jedes Jahr ein solcher Tag der offenen Tür ausgerichtet, »an dem sich die Bundeswehr an zahlreichen regionalen Standorten auch als attraktiver Arbeitgeber« präsentieren solle.
Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) ruft für den 11. Juni unter dem Slogan »Kein(en) Tag der Bundeswehr« zu bundesweiten Protesten auf. Im Aufruf kritisiert die Organisation das Verteidigungsministerium dafür, mit dem »Millionen Euro schweren Propaganda«-Event die Bevölkerung von Militäreinsätzen überzeugen und junge Leute für den Kriegsdienst werben zu wollen. An mindestens zehn der 16 beteiligten Standorte sind Kundgebungen, Infostände und andere Aktionen geplant.
Antimilitaristische Bündnisse mobilisieren vor allem zum »größten Standort im Südwesten Deutschlands«, Stetten am kalten Markt, außerdem nach Trier und Bonn. Der »Tag der Bundeswehr« biete eine wunderbare Gelegenheit, Kriegspropaganda mit vielfältigen Aktionen entgegenzutreten, sagt Markus Gross vom Antimilitaristischen Aktionsbündnis Köln, das »wieder attraktive Widerstandsaktivitäten« für den 11. Juni in Bonn vorbereite.
Bereits vor zwei Wochen schaltete die DFG-VK eine zweite Internetseite zum »Tag der Bundeswehr«, deren Design dem Original der Bundeswehr zum Verwechseln ähnlich sieht (jW berichtete). Diese Homepage verweist jedoch auf die zwölf Auslandseinsätze der Bundeswehr von »Afghanistan im Osten bis Mali im Westen, vom Kosovo im Norden bis nach Somalia im Süden«. Kernaussage: Tausende Soldaten kämpften »mit der Waffe in der Hand für deutsche Interessen«.

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