Eine Krise zu viel

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Blogbeitrag: Flüchtlingspolitik

Zwei Flüchtlinge aus Syrien sitzen am griechisch-mazedonischen Grenzübergang in Idomeni fest. © AP/Darko Vojinovic
von Niels Kadritzke
Die Flüchtlingskrise, die ganz Europa in Atem hält und den Zusammenhalt der Europäischen Union auf die Probe stellt, ist für Griechenland ein ganz besonderes Problem. Und dies nicht nur, weil das Land am südlichen Ende der Balkanhalbinsel bereits weit mehr Flüchtlinge pro Einwohnerzahl aufgenommen hat als die Staaten des nördlichen und westlichen Balkans zusammen. Diese Krise ist vor allem deshalb so bedrohlich, weil sie eine Gesellschaft trifft, die nunmehr im achten Jahr durch die tiefste sozio-ökonomische Depression ihrer jüngeren Geschichte geht.
So fatal es wäre, wenn das relativ reiche Europa für die Bürgerkriegsflüchtlinge des Nahen Ostens und Afghanistans eine Obergrenze definieren würde, so klar ist auch, dass die Belastungsgrenze für das zunehmend verarmende Griechenland seit der Blockade der sogenannten Balkanroute definitiv überschritten ist.
Dabei geht es nicht in erster Linie um eine finanzielle Überforderung. Die EU-Partner Griechenlands wissen, dass die Athener Staatskasse gähnend leer ist; sie sorgen also dafür, dass wenigstens die nötigen Gelder fließen (wobei völlig offen ist, ob die zunächst zugesagten 700 Millionen aus EU-Töpfen für die nächsten drei Jahre ausreichen).
Die soziale Katastrophe
Das größere Problem ist die Überforderung der Gesellschaft Weiterlesen Eine Krise zu viel

TERROR IN EUROPA „Hier revoltiert die Jugend, nicht der Islam“

http://www.fr-online.de/terror/terror-in-europa–hier-revoltiert-die-jugend–nicht-der-islam-,29500876,32473550.html
Politologe Olivier Roy spricht im Interview über Europas Dschihadisten, das Schweigen ihrer Eltern und Wege aus der Radikalität.

Professor Roy, Sie gelten als der beste Kenner des europäischen Islam. Wie besiegt man den sogenannten Islamischen Staat?

Die Radikalisierung in Europa ist nicht eine Folge der Existenz von Isis im Nahen Osten. Wir erleben seit Jahren eine Radikalisierung einer bestimmten Kategorie von Jugendlichen in Europa. Diese Jugend, die sich radikalisiert, sucht einen globalen Dschihad. Zunächst war dies Al-Kaida. Nachdem sie an Bedeutung verloren haben, ist es nun Isis. Sie instrumentalisieren und nutzen diese Radikalen. Aber sie schaffen sie nicht bzw. bringen sie nicht erst hervor. Isis ist ein Phänomen per se, es ist nicht eine Folge der Radikalisierung der Jugend im Westen, sondern beruht auf lokalen Faktoren im Mittleren Osten. Die Stärke von Isis besteht darin, die lokalen Gegebenheiten mit dem globalen Phänomen der Radikalisierung der Jugend zu verknüpfen.
Es gibt einen Kampf an zwei Fronten? 

Exakt. Isis im Nahen Osten zu bekämpfen ist eine gute Sache, aber sie wird nicht dazu führen, die Radikalisierung unter den Jugendlichen in Europa zu beenden. Selbst wenn wir die Jugend hier entradikalisieren, wird dies nicht Isis insgesamt zerstören oder schwächen. Wir müssen also in den Kategorien von zwei Fronten denken. Wir haben es mit einem globalen Dschihadismus zu tun, der alles bekämpfen will. Wir haben es mit zwei verschiedenen Phänomenen zu tun, die miteinander verbunden sind.
Aber was wäre ein erster erfolgreicher Schritt, wenn wir in den Nahen Osten blicken? Die USA waren mit ihrem Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan ja nicht sehr erfolgreich.

Das ist absolut richtig. Und in einem gewissen Sinne ist Isis eine Folge der militärischen Intervention der USA Weiterlesen TERROR IN EUROPA „Hier revoltiert die Jugend, nicht der Islam“